Waakirchner Bürgermeisterkandidat Rudi Reber im Gespräch
Hartls Gegenspieler spricht Klartext

von Rose Beyer

Der Waakirchner Gemeinderat, gelernter Drucker und jetziger Vertriebsleiter Rudi Reber, will am 16. März in den Waakirchner Bürgermeistersessel gewählt werden und tritt gegen den derzeitigen Rathaus-Chef Sepp Hartl an.

Mit der neu gegründeten Aktiven Bürgerliste sieht der 52-Jährige gute Chancen, Rathaus-Chef zu werden. In seiner Analyse der lokalen politischen Ausgangssituation vermisst Reber Transparenz und Miteinander. Sich selbst bezeichnet er als wenig konfliktscheu.

Rebers Ziel: „Wir müssen verhindern, dass es eine absolute Mehrheit im Gemeinderat gibt.“

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Die intensive Nachfrage nach einer neuen Vereinigung sieht Reber mit großer Freude. 78 Männer und Frauen waren zur Nominierungsversammlung gekommen. Die Mehrheit hatte ihn zum Kandidaten gekürt. Zusammen mit Reber stellen sich nun 17 Kandidaten zur Wahl, um Ideen in den neuen Waakirchner Gemeinderat einzubringen.

Seit 14 Jahren sitzt Listen-Gründer Rudi Reber im Gemeinderat. Bisher für die SPD beziehungsweise als Unabhängiger. Doch die SPD sei nicht mehr das, was sie einmal war, sagt Reber im ausführlichen Gespräch mit der TS.

Tegernseer Stimme: Grüß Gott, Herr Reber. Werden wir gleich konkret: Warum eigentlich nicht mehr SPD, sondern jetzt eine Aktive Bürgerliste?

Rudi Reber: Das ist einfach zu erklären, wenn man sich ansieht, wie das gekommen ist mit der SPD. Als der Eder Hugo zurückgetreten ist als Ortsvorsitzender, wollten einige auch nicht mehr. Ich war Sympathisant und hab mich für die SPD entschieden, weil ich ein sozial eingestellter Mensch bin. Dann habe ich gemerkt, ich schätze zwar die Gewerkschaft, weil die sehr viel gemacht haben für die Arbeiter. Aber es ist nicht mehr das, was es einmal war. Die SPD verliert mit dem demografischen Wandel ihre Mitglieder.

Tegernseer Stimme: Und wie kam es zur Gründung der Liste?

Rudi Reber: Weil die Kreis-SPD damals gemerkt hat, dass sie auch mit Nicht-SPDlern gut aufgestellt ist, habe ich früher als Unabhängiger kandidiert. Jetzt aber sieht es anders aus. Da war einfach der Wunsch nach einer neuen Gruppierung. Deshalb habe ich mich mit zehn bis zwölf Leuten zusammengesetzt und habe gemerkt, dass das reichen könnte für eine eigene Liste. Dann ging alles ganz schnell mit der Nominierung.

Tegernseer Stimme: Zurzeit sind Sie als Gemeinderat aktiv. Welche politischen Erfolge der letzten Jahre schreiben Sie sich persönlich auf die Fahne?

Reber: Der größte politische Erfolg ist für mich, dass wir das Anwesen von Valentin Schmid erwerben konnten. Ich kenne die Familie seit Jahrzehnten, hab dort mehr als zwei Jahre intensiv ausgeholfen, als es Probleme gab. Für mich war klar, wenn ihr Hilfe braucht, dann bin ich da. Die Nachfolge war dann unsicher. Und uns war schnell klar, dass für die Gemeinde ein so zentrales Gebäude im Ort hilfreich sein könnte. Der Erwerb der zum Hof gehörenden Flächen könnte in Zukunft helfen, den dringend benötigten Wohnraum in Waakirchen zu schaffen.

Politik für Jung und Alt

Tegernseer Stimme: Eines Ihrer Themen ist es, die Überalterung im Ort zu verhindern. Wie wollen Sie das erreichen?

Reber: Es soll weiterhin Einheimischenprogramme geben. Nur so haben Hiesige vernünftige Möglichkeiten, sich eine Immobilie leisten zu können. Vielleicht sollten Interessierte auch einmal überlegen, ob es immer ein ganzes Haus sein muss. Dann haben wir ja auch noch den sozialen Wohnungsbau in Marienstein. Da können die Leute zum günstigen Mietzins wohnen bleiben. Nur so kann man die Menschen auch am Ort halten.

Der Lanserhof –Reber war nach anfänglicher Skepsis dafür

Tegernseer Stimme: Wie und wo könnten nach Ihrer Meinung Arbeitsplätze am Ort geschaffen werden?

Reber: Der Lanserhof hat ja gerade eröffnet. Dort gibt es Möglichkeiten, sich zu bewerben. Allerdings ist ja da auch immer das Problem, geeignete Leute zu finden. Ein Teil der Arbeitnehmer wird von hier sein. Ein Teil wird sich aber auch von woanders ansiedeln. Eine weitere Möglichkeit bietet die Umgehungsstraße zum Gewerbegebiet am Brunnenweg, mit deren Bau demnächst begonnen werden soll. Dann könnte man da unten weiter erschließen. Vorausgesetzt natürlich, die Grundstückseigentümer geben ihre Flächen her.

Tegernseer Stimme: Wie sehen Sie persönlich den Lanserhof?

Reber: Beim Lanserhof war ich anfangs skeptisch. Schließlich musste auch sichergestellt sein, dass das der Gemeinde was bringt. Letztendlich war es dann die SPD-unabhängige Fraktion, die den Betreibern abgerungen hat, dass sie sich an der Abwasserentsorgung beteiligen.

Tegernseer Stimme: Was ist mit den Älteren und Alten – braucht Waakirchen wirklich ein eigenes Seniorenheim?

Reber: Ja! Zu den regelmäßigen Seniorennachmittagen kommen immer mindestens 150 Leute. Es hätten aber auch 250 sein können. Das heißt: es sind viele Ältere am Ort. Irgendwann kommen die meisten in die Lage, dass sie ihren Haushalt nicht mehr allein führen können. Viele sind auf sich allein gestellt. Da müssen wir einfach eine Lebensqualität für Ältere schaffen, eine Perspektive schaffen für alle die, die in ihrer gewohnten Umgebung bleiben wollen. Einige andere Anbieter haben wir schon angeschaut, sowohl welche aus privater Hand als auch Genossenschaftsmodelle. Jetzt geht es darum, Konzepte zu entwickeln. Wer weiß, vielleicht wird es irgendwann einmal auch einen Zwang für die Kommunen geben, Wohnkonzepte für Ältere zu schaffen, ähnlich dem Kinderkrippenzwang.

Tegernseer Stimme: Was ist mit dem Tunnel – kommt der jetzt?

Reber: Der Tunnel ist tot! Wenn er drei Millionen kosten würde, könnte man es sich vorstellen. Aber nicht bei dem Kostenvolumen. Der Kilometer Tunnel kostet zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Wir brauchen 1,5 Kilometer. Das wären also zwischen 40 und 50 Millionen. Wir waren ja schon mal im vordringlichen Bedarf drin bei der Förderung dieser Bauprojekte, aber Alt-Bürgermeister Finger hatte abstimmen lassen, und jetzt stehen wir halt wieder hinten an.

Tegernseer Stimme: Wie würden Sie die Verkehrsprobleme von Waakirchen lösen?

Reber: Ich hoffe auf die Maut, dass mehr Geld da ist für unsere Umgehungsstraße. Daneben muss sich dringend was tun, damit der öffentliche Nahverkehr für Waakirchen verbessert wird. Das Radwegnetz muss ausgebaut, die Orte besser miteinander vernetzt werden.

Sanfter Tourismus und regenerative Energien

Tegernseer Stimme: Schule auf dem Land – nach der Vierten werden die Kinder aus Ihrer Gemeinde in alle Himmelsrichtungen geschickt. Könnte man die Mittelschule wieder in den Ort holen?

Reber: Eine Mittelschule bei uns wird es nie wieder geben! Wir müssen sehen, dass wir junge Familien in die Gemeinde holen, denn selbst der Erhalt der Grundschule ist gefährdet.

Tegernseer Stimme:: Energie aus der Region – wie stellen Sie sich das Energiekonzept für die Gemeinde vor?

Reber: Die Augen geöffnet hat mir der Ex-Bürgermeister von Greiling – Hermann Schinner. Er war im Hochsommer auf der Jagd, und als er am Vorberg aus dem Wald gekommen ist und die Schornsteine rauchen hat sehen, hat er vorgeschlagen, die Leute sollen mehr in Sonnenkollektoren investieren, wo es sich von der Lage her anbietet. Man muss alles probieren, damit die Leute umdenken. Wir haben schon etliche Fotovoltaikanlagen und Sonnenkollektoren auf den Dächern, aber das muss noch mehr werden.

Reber: „Das Fell des Bären sollte man nicht verteilen, bevor es erlegt ist!“

Tegernseer Stimme: Wie sehen Sie das Thema Tourismus in Waakirchen – wie sollte er sich in Ihrer Heimatgemeinde weiterentwickeln?

Reber: Nach vorne – mit dem Lanserhof haben wir zwar schon ein richtiges Pfund nach Waakirchen bekommen. Man könnte aber schon noch deutlich mehr machen. Waakirchen wäre prädestiniert für sanften Tourismus. Gerade für die Bauern wäre das eine willkommene Möglichkeit für einen Zuverdienst. Dann könnten die Höfe auch leichter erhalten werden.

Tegernseer Stimme: Dorfzentrum, Mehrzweckraum, Versammlungsraum – gibt es dazu schon konkretere Vorstellungen?

Reber: Für einen Mehrzweckraum könnte man zum Beispiel die Turnhalle umbauen und ein Bühnenelement einbauen. Die Problematik eines fehlenden Versammlungsraums ist von der Gemeinde allein nicht zu stemmen. Da brauchen wir einen Profi. Ich kann mir eine Kombi aus Hotel, Gaststätte mit Biergarten und Saal gut vorstellen. Dann haben auch die Vereine wieder die Möglichkeit von Veranstaltungen mit mehr als hundert Leuten, die über die Kapazität vom Sportheim hinausgehen.

Tegernseer Stimme: Sie fordern mehr Transparenz, mehr Miteinander – wie soll das in der Praxis aussehen?

Reber: Nehmen Sie zum Beispiel die Gemeinderatssitzungen. Wenn ich als Zuschauer reinkomme, erschließen sich die Themen nicht immer unbedingt. In 20 bis 30 Prozent wird das mehr oder weniger an die Wand geworfen. Das könnte man attraktiver gestalten, die Sitzungen an sich aufpeppen oder auch einen Wahlkampf informativer gestalten. Die Bürgerbeteiligung geht ja auch schon damit los, dass sich jetzt auf einmal Leute vorstellen können, politisch aktiv zu werden, die sich das früher nie vorstellen haben können.

Tegernseer Stimme: Im März stellen Sie sich als Bürgermeisterkandidat zur Wahl. Warum sollten die Bürger Sie wählen?

Reber: Sepp Hartl und ich – wir sind zwei total unterschiedliche Charaktere. Ich habe in den letzten Jahren im Gemeinderat ganz schön dagegenhalten müssen. Da bin ich auch konfliktbereit. Ich kann außerdem von mir behaupten, dass ich uneigennützig bin und mich wirklich für die Bürger einsetze.

Tegernseer Stimme: Welche Chancen rechnen Sie sich aus bei der Stimmenverteilung?

Reber: Ich denke, das muss man zweigeteilt sehen. Zuerst müssen wir versuchen, zu verhindern, dass es eine absolute Mehrheit im Gemeinderat gibt. Ich denke, da haben wir mit der Aktiven Bürgervereinigung gute Chancen, dass sich eine neue Kraft etabliert. Zwei Sitze sind ein Muss – drei wären ein schöner Erfolg. Die Wahl sehe ich nicht nur auf mich selbst bezogen. Wir müssen auf alle Fälle kämpfen: das Fell des Bären sollte man nicht verteilen, bevor er erlegt ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

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