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Ein Kommentar zur Asylbewerber-Debatte

Auch Jesus war Flüchtling

Von Rose Beyer

17 Asylsuchende sind zurzeit im Tegernseer Tal untergebracht. Bis vor fünf Monaten noch waren es – null. Dieser Aufwärtstrend wird sich auch im Tal fortsetzen. Man wird sich kümmern müssen.

So umstritten die Institution Kirche in der Öffentlichkeit manchmal auch sein mag – dass in Tegernsee und Bad Wiessee Menschen Zuflucht vor Krieg und Verfolgung finden, ist nicht zuletzt den Kirchenvertretern zu verdanken. Sie handeln in langer Tradition: Auch Jesus war Flüchtling.

Vertreibung und Flucht gab es schon immer
Vertreibung und Flucht gab es schon immer

Vielleicht mag es vermessen klingen, die heutigen Asylbewerber mit niemand Geringerem wie Jesus Christus zu vergleichen. Zum heutigen Tag – dem Heiligen Abend und damit dem Geburtstag von Jesus – passt es aber in meinen Augen.

Jesus war ein Mensch ohne Heimat. Er wurde in einem stinkenden Stall geboren – und nicht in einer deutschen Pfefferkuchenidylle, auf einem Christkindlmarkt oder einem mit Elektrowaren oder Plastikspielzeug vollgestopften Schaufenster.

Für arme Leute, die kein „Bestechungsgeld“ bezahlen konnten, gab es damals keine Unterkunft. Jesus und seinen Eltern gelang die Flucht, als sie erfuhren, dass Herodes ihren neugeborenen Sohn töten wollte. Von da an war Jesus ein politisches Flüchtlingskind, ein „Asylant“. Wie Maria und Josef die Familie durchbrachten, ist nicht bekannt. Vielleicht als schlecht bezahlte, illegale Tellerwäscher oder schwarz arbeitende Putzhilfe – irgendwie schafften sie es, zu überleben und ihren Sohn im Glauben zu erziehen.

Gejagt, gefasst, zu Tode gefoltert

Von seiner Rückkehr nach Jerusalem an war Jesus ständig auf Achse. Doch sein ständiger Ortswechsel und seine Reden zu den Menschen machten ihn bei den Oberen alles andere als beliebt. Der Rest der Geschichte ist bekannt: er wurde gejagt, gefasst, gefoltert, zum Tode verurteilt und öffentlich hingerichtet.

Zum Glück haben sich die Zeiten bei uns geändert. Doch Krieg und Vertreibung gibt es immer irgendwo auf der Welt. Die Älteren im Tegernseer Tal werden sich noch daran erinnern können, an die Zeiten, als am eigenen Mittagstisch oder an dem des Nachbarn Flüchtlinge saßen, als der Zweite Weltkrieg keine andere Möglichkeit ließ. Asyl muss auch heute gewährt werden: wäre bei uns Krieg – wir würden alles dafür tun, uns und unsere Kinder zu retten. Im Tal haben sich vor allem die Kirchenvertreter um die Aufnahme gekümmert.

Einige der Asylsuchenden wünschen sich, im sicheren Deutschland bleiben zu können. Viele wollen lieber in eine Heimat zurückkehren, in der kein Krieg mehr herrscht und ein sicheres Leben möglich ist. Vielleicht kommt gerade heute, beim Heimweg von der Mette, der eine oder andere an einer Asylbewerberunterkunft vorbei und erkennt die Geschichte von Asyl und Vertreibung. Weihnachten ist nicht nur das Fest der Geschenke, sondern der Tag, sich zu erinnern, an einen Menschen, der sein Leben auf der Flucht vor Folter und Tod verbachte. Den Asylanten Jesus.

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