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Wie der Zahlersberg zum "Schnapps-Mekka" werden soll

Gmunder Gin-Geheimnisse

Von Marion Bürkner

Auf einem Hügel bei Gmund steht ein alter Hof. Die Adresse lautet Zahlersberg 1. Wo in grauer Vorzeit Zölle erhoben wurden, wird heute Gin hergestellt – er heißt wie der Ort: „Zahlersberg No. I“.

Thomas Lix (l.) und Fabian Delfs (r.) von der Zahlersberg Destillerie entwickeln auf einem Hof in Gmund eigene Gin-Kreationen / Foto: Marion Bürkner

Eine kleine und tolle Erfolgsgeschichte aus dem Tegernseer Tal. Der Schreinermeister Thomas Lix (42) erbt nach dem Tod des Vaters den alten Hof und baut ihn für sich und seine Familie aus. Die Wohnung im ersten Stock vermietet er. Am 1. April vergangenen Jahres zieht der 38-jährige Unternehmensberater Fabian Delfs aus München mit seiner Lebensgefährtin ein. Die beiden Männer verstehen sich auf Anhieb.

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Zuerst trinken Sie ein kleines Bierchen zusammen. Dann kommt der erste gemeinsame Grillabend am Hof. Sie stellen fest, dass Sie beide leidenschaftlich gerne Gin trinken. Die Idee ist geboren: Sie wollen ihren eigenen Gin machen. Bereits Ende April gelingt der erste Versuch. Voller Enthusiasmus experimentieren sie weiter, immer neue Kompositionen an Aromen werden ausprobiert. Dazu verwenden sie überwiegend Kräuter aus dem heimischen Garten. Sie kaufen sich eine Destillieranlage und melden ein Gewerbe an.

Anfang Oktober geht es dann so richtig los mit dem ersten großen „Batch“, so nennt man den Brand. Bis zu 30 Liter fasst die kleine Destillieranlage aus Kupfer. Ihrem ersten Gin geben sie den Namen des Hofes, in dem sie leben – „Zahlersberg No. I“. Auch das Logo für die dunklen, handlackierten Halbliterflaschen entwirft Delfs selbst. Einzig über Mundpropaganda, Events und soziale Medien sind die ersten 80 Flaschen in null Komma nichts weg. Der Gin aus Gmund vereint alles, was im Moment angesagt ist.

Das Geheimnis des Erfolges

Doch was macht den Zahlersberg-Gin so erfolgreich? Es ist sicherlich vor allem der Geschmack. Der beruht wiederum auf den Zutaten und dem Herstellungsprozess.

Wir verwenden nur hochwertige Produkte, hauptsächlich regionaler und ökologischer Produzenten. Auch der Neutralalkohol auf Getreidebasis kommt aus der Region. Die Wachholderbeeren wachsen bei uns am Hof. Diese werden über zwei Wochen in dem Alkohol eingelegt. Dann kommen die weiteren Gewürze, die sogenannten Botanicals hinzu.

Diese lassen die beiden weitere 36 Stunden ziehen, bevor es ans Destillieren geht. Durch den Destillationsprozess wird der Gin klar. Am Ende kommt frisches Tegernseer Leitungswasser dazu. „wir experimentieren im Moment auch mit Wasser direkt von einer Quelle auf 1.200 Meter Höhe“, so Lix.

Auf Ihren ersten Erfolg ruhen sich die beiden Durchstarter aber nicht aus. Zu Nikolaus präsentierten sie eine neue Kreation: ein spezieller Weihnachts-Gin, der an Spekulatius erinnert und neben Wachholderbeeren mit Zimt, Sternanis, Nelken, Kardamom, Orangen und Äpfeln angesetzt wird. Und auch der fand reißenden Absatz.

Ganz neu: Balthasar 1789

Ihre Geschmackskreationen sammeln Lix und Delfs in einem geheimen Rezeptbuch, das in einem Tresor liegt, sagen sie. In diesem Buch stehen wohl so 50 bis 60 Rezepte, die aus den vielen Gin-Experimenten der beiden entstanden sind. Darunter auch das Rezept für den „Balthasar“. „Diesen Gin hat mir Fabian zum Geburtstag gemacht“, erzählt Lix. „Wir widmen ihn meinem Vater, der am 24. Februar 72 Jahre alt werden würde. Die Zahl 1789 steht für das Baujahr des Hofes“, so Lix weiter.

Der Balthasar 1789 hat einen klassischen, leicht fruchtigen Geschmack nach Grapefruit, Rhabarber und Piment und kommt zum 24. Februar auf den Markt. Zu kaufen gibt es alle Gin-Sorten der Zahlersberg Destillerie unter anderem ab Hof oder über die Webseite, sowie im Regionalladen „machtSinn“ in Gmund.

„Wir haben noch so viele Ideen“, erklärt Delfs. „Einfach ein bisschen verrückt denken und ausprobieren, und wenn es am Schluss schmeckt – passt´s.“ Für die beiden ist Gin ein Lebensgefühl. Und so dürfen wir gespannt sein, was den beiden Kreativköpfen vom Gmunder Zahlersberg noch so alles einfällt. Und wer will, für den kreieren die beiden auch einen ganz eigenen Gin.


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