Made in “West-Bank”

Eine Bank: zwei Eisen, ein paar Bretter. Fertig. Wenn es nur so einfach wäre. Die Wiesseer hatten jahrelang das lackglänzende Modell mit Tropenholz für ihre ruhebedürftigen Gäste im Programm. Damit soll nun Schluss sein.

Das neue Modell der Wiesseer Bank steht zum Probesitzen im Rathaus.
Das neue Modell der Wiesseer Bank steht zum Probesitzen im Rathaus.

Die Bänke glänzen in der Sonne und strahlen den verblichenen Charme der alten Bundesrepublik aus. Als der Staat die Kuren zahlte, und Pensionäre mit Popelinjacken dem Kurkonzert lauschten. Damit die teuren Sitzgelegenheiten auch im nächsten Jahr glänzten, wurden alle Bänke in Bad Wiessee im Spätherbst abgebaut, in den Bauhof gebracht, wo sie aufwändig abgeschliffen und neu lackiert wurden. Natürlich, wie es damals üblich war, in kostbarem Tropenholz.

Damit soll jetzt Schluss sein. In der letzten Gemeinderatssitzung wurde ein neues Exemplar vorgestellt. Geschäftsführer Michael Hermann hatte es gleich in den Flur zum Probesitzen stellen lassen. Auf die Idee war Zimmerermeister Johann Zehetmeier sen. gekommen. Ihm waren die Bänke beim Kurkonzert (genießen also nicht nur Pensionäre aus Preußen) negativ aufgefallen.

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Made in Wiessee …

Also trat Zehetmeier mit dem neuen Bankvorschlag an die Gemeinde heran. „Das Holz der Bänke wird nicht mehr im Winter behandelt. Das Abschleifen fällt weg. Mit der Zeit wird sich ein Grauton einstellen“, erklärte Städteplaner Eberhard von Angerer dem Gemeinderat. „Die Sitzflächen werden nicht von Fern eingekauft, sondern im Ort hergestellt“, wie CSU-Rat Markus Trinkl zufrieden feststellte.

Die alten Bänke sind wesentlich kantiger.
Die alten Bänke sind wesentlich kantiger.

Und es sind viele Bänke in Bad Wiessee. Die genaue Anzahl kannte die Verwaltung zwar nicht, will auch deswegen die Bänke erst nach und nach austauschen. Eine besonders gute Nachricht: Für die neuen Bänke werden nicht mehr die arbeitsaufwendigen Tropenhölzer verwendet. Der Entwurf gefiel den Räten. Man war sich parteiübergreifend einig. Eine Einigkeit, die, wie man hört, sich im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung wiederum dramatisch geändert haben soll.

Florian Sareiter (CSU) schlug außerdem vor, kostenpflichtige Bank-Patenschaften in Form einer Plakette anzubieten. Auch das wurde von der Mehrheit wohlwollend angenommen. Die Parkverwaltung in München mache damit schon seit Jahren gute Erfahrungen und refinanziert so die Kosten. Langsam aber sicher verabschiedet sich Bad Wiessee vom Muff des alten Kurort-Flairs.

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