Nach gescheitertem Energie-Euro:
Bogner schließt Café Gäuwagerl in Rottach

von Maxi Hartberger

Aufgrund der Energiekrise hat sich Josef Bogner etwas besonderes überlegt: Jeder Gast zahlt einen Euro mehr. Damit wollte er Transparenz schaffen – doch das Gesetz erlaubte es nicht. Jetzt zieht der Rottacher Wirt Konsequenzen.

Josef Wolfgang Bogner Jun. führte Ende September den Energie-Euro ein – wenn auch nur kurz. / Quelle: Bogner

Corona-Pandemie, Personalmangel, Energiekrise: Gastronomen kämpfen seit nunmehr drei Jahren gegen eine Herausforderung nach der nächsten an. „Es ist nicht so, dass wir auf dem Zahnfleisch daher kommen, aber es ist alles andere als leicht“, erklärt Josef Wolfgang Bogner.

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Er und seine Familie betreiben den Voitlhof und das Café Gäuwagerl in Rottach sowie das beliebte Ausflugsziel Siebenhütten in Kreuth, das aktuell geschlossen ist. Immer wieder macht Familie Bogner mit innovativen Ideen von sich reden – so auch vor einigen Wochen mit dem Energie-Euro.

Energiekosten nicht versteckt an Gäste weitergeben

Die Idee dahinter ist einfach: Jeder Gast, außer natürlich Kinder, zahlt einen Euro mehr, egal wie viel oder wenig er verzehrt. „Jemand, der einfach nur einen Kaffee trinkt, hätte den Energie-Euro natürlich nicht bezahlt. Aber jede Person, die einen Tisch reserviert beziehungsweise einen Abend bei uns verbringt, hätte pauschal einen Euro zusätzlich gezahlt“, so Bogner.

Der Rottacher Wirt wollte damit vermeiden, die Preise für Getränke und Speisen einfach undurchsichtig zu erhöhen. „Wir wollten Transparenz schaffen und 99 Prozent unserer Gäste haben es positiv aufgenommen, weil sie wussten, in welchem Kontext sie den zusätzlichen Euro bezahlen.“

Der vornehmlich Grund ist, wie überall sonst auch, die aktuelle Energiekrise. „Wir haben derzeit rund doppelt so hohe Nebenkosten wie normalerweise, grob geschätzt sind es rund 1.500 Euro im Monat.“ Besonders die Gaspreise schlagen ordentliche zu Buche, „da wir mit Gas sowohl kochen als auch im Café Gäuwagerl heizen.“ Das muss man als Betrieb erstmal stemmen. Bogner erklärt auf Nachfrage:

Da wir nicht wissen, was in den kommenden Wochen und Monaten auf uns zukommt, wollten wir uns mit dem Energie-Euro ein kleines Polster schaffen. Nicht nur, um die steigenden Energiekosten zu bewältigen, sondern auch, um unsere Mitarbeiter zu halten.

Ihm sei es wichtig, dass wenn ein Mitarbeiter Probleme hat, man eine Lösung findet und mit eventuellen Zusatzzahlungen aushelfen kann. „Es ging einfach darum, dass man a bisserl vorgesorgt hat.“ Auch andere Gastronomen zeigten sich angetan von der Idee, wie Bogner stolz erklärt: „Wir waren quasi Stammtisch-Thema Nummer eins. Wir haben Nachrichten aus ganz Deutschland erhalten, das war der Wahnsinn.“

Energie-Euro verstößt gegen geltendes Recht

Doch trotz des positiven Feedbacks – sowohl in der Branche als auch von den Gästen selbst – hielt sich der Energie-Euro nicht lange. Nur eine Woche später meldete sich der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) bei Familie Bogner mit dem Hinweis, dass der Energie-Euro gegen die Preisangabenverordnung verstößt.

Das heißt konkret: In der Gastronomie müssen alle Kosten, also auch steigende Waren- oder Energiekosten, in dem Endpreis auf der Karte inkludiert sein. Aus diesem Grund sind beispielsweise auch Zuschläge wie der in Italien übliche, separate Preis fürs „Coperto“ (Gedeck) in Deutschland nicht zulässig. Das gilt auch für Bogners Energie-Euro. Bogner gibt zu:

Wo kein Kläger, da kein Richter. Natürlich hätten wir den Energie-Euro beibehalten können, obwohl er gegen geltendes Recht verstößt, und wären am Ende vielleicht sogar mit einem blauen Auge davon gekommen, aber wir haben uns dagegen entschieden.

In der Konsequenz habe man beschlossen, das Café Gäuwagerl vorerst den November über zu schließen. „Wir haben das mit der Gemeinde besprochen, da der Energieaufwand für das Café und das öffentliche Museum im Gsotthaber Hof nicht im Verhältnis zum ruhigen November steht.“ Die Gemeinde sei einverstanden gewesen.

Café Gäuwagerl zieht erstmal um

Im Dezember werde man dann schauen, wie viel im Tal los ist. „Je nach dem werden wir dann wieder öffnen oder eben geschlossen bleiben“, so Bogner. Ganz auf das Café Gäuwagerl verzichten müssen Gäste allerdings nicht. Sobald der Voitlhof zum Zotzn nach dem ohnehin geplanten Betriebsurlaub am 17. November wieder öffnet, zieht das Café vorerst dort ein. „Dann heizen wir nicht zwei Gebäude.“

Das bedeutet: Ab kommender Woche ist von Donnerstag bis Montag der Voitlhof regulär geöffnet und zusätzlich von Dienstag bis Mittwoch der Café-Betrieb bis Spätnachmittags. „So haben wir statt bisher fünf jetzt sieben Tage die Woche geöffnet und unsere Mitarbeiter ziehen quasi nur um.“

Zusammenhalt – trotz der Krisen

Bogner und viele andere Gastronomen blicken auf drei Jahre voller Krisen zurück. Trotzdem zeigt sich der Rottacher Wirt hoffnungsvoll: „Vielleicht gibt der Energie-Euro ja doch noch den Anstoß, dass sich die Politik Gedanken macht, wie man so etwas möglich machen kann.“ Aktuell werden immer wieder neue Gesetze auf den Weg gebracht und sowas wäre speziell für die Gastronomie und Hotellerie wünschenswert.

Er gibt zu: „Wir sind vielleicht für unkonventionelle Ideen bekannt, aber es ist schon auch mühsam, sich von Saison zu Saison neu aufzustellen, sich immer wieder neu erfinden zu müssen, um einigermaßen wirtschaften zu können.“ Sein Wunsch für die Zukunft: „Dass wir weiterhin unsere Mitarbeiter halten können und einfach trotz der Krisen zusammenhalten.“

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