Rauswurf oder freiwilliger Abgang?

Das Köhl-Intermezzo

Von Peter Posztos

Plötzlich ist er weg: Wie berichtet verlässt Geschäftsführer Stephan Köhl die TTT mit sofortiger Wirkung. Doch die Verantwortlichen machen auf Nachfrage komplett dicht – alles deutet daraufhin, dass die Entscheidung über Köhls Abgang kurzfristig fiel.

Da war die Stimmung noch gut. Peter Rie (TTT, 2.v.l.), Stephan Köhl (TTT, Mitte) und Peter Höß (Bürgermeister Bad Wiessee, rechts)
Da war die Stimmung noch gut. Peter Rie (TTT, 2.v.l.), Stephan Köhl (TTT, Mitte) und Peter Höß (Bürgermeister Bad Wiessee, rechts) bei der Präsentation der Montgolfiade im Januar.

Komm, hör auf. Das muss ein Aprilscherz sein. Mitnichten. Am Vormittag läßt die Tegernseer Tal Tourismus GmbH die Bombe platzen, verschickt eine Mitteilung mit einer hochbrisanten Personalie. Geht Stephan Köhl wirklich nach nur drei Monaten als Geschäftsführer der TTT?

Doch die Verantwortlichen bleiben bei der Geschichte: Es habe einfach nicht gepasst zwischen dem Team der Tourismusorganisation und dem 51-jährigen Oberbayern, der so sorgfältig von den Talbürgermeistern ausgesucht worden war.

Peter Höß, Bürgermeister von Bad Wiessee und Sprecher der Gesellschafter, hält sich mit den Abschiedsworten deutlich zurück. Das Ende des Arbeitsverhältnisses sei „in beiderseitigem Einvernehmen“ beschlossen worden. Heißt konkret: Von den Bürgermeistern Preysing, Köck, Hagn, Höß, Bierschneider – und Stephan Köhl. Doch ist das die ganze Wahrheit?

Entscheidung „juristisch korrekt“ – mehr nicht?

Nicht in die Entscheidung involviert war der Beirat der TTT. Dementsprechend überrascht ist auch dessen Vorsitzender Bernhard Kaiser. Den Beirat nicht hinzuzuziehen sei zumindest „juristisch korrekt“ gewesen – mehr sagt der Wiesseer Hotelier gegenüber der Tegernseer Stimme nicht.

Wie auch bei Vorgänger Georg Overs „bedauert“ er den Abschied des Mannes, der das Tal als Marke noch populärer machen sollte und für eine Digitaloffensive stand. Bei einer Klausurtagung vor wenigen Wochen habe man noch einen regen Austausch „mit guten Ideen“ gehabt, so Kaiser. Sein Eindruck von Köhl war „sehr positiv“.

Überraschend komme der Abgang vor allem deshalb, „weil die Bürgermeister im Vorfeld lange überlegt haben“, wer TTT-Chef werden soll. Unter Betrachtung der Fakten entsteht daher der Eindruck, dass die Entscheidung kurzfristig fiel – vieles deutet auf einen Rauswurf Köhls hin.

Mitarbeiter schockiert und überrascht

Doch die TTT, insbesondere in Person des erneuten Interimschefs Christian Kausch, macht auf Nachfrage der TS dicht. Viel mehr als die Mitteilung, die die Touristiker ausgerechnet am 1. April verschicken, ist nicht zu bekommen. Das Datum ist jedoch ein Hinweis darauf, dass die Entscheidung kurzfristig und wohl auch unter Termindruck fiel. Denn Stephan Köhl war bis zum gestrigen Tag genau drei Monate im Amt – anderswo nennt man so etwas Probezeit.

Auch die Tatsache, dass der Beirat kein Wort mitzureden hatte, was wiederum nicht dem Geist der neuen Satzung entspricht, lässt aufhorchen. Schon bei der Suche nach dem neuen Geschäftsführer habe es Misstöne gegeben, bestätigen Eingeweihte. Zudem gilt die zweite Führungsebene der TTT als nicht einfach zu leiten. Einige bezeichnen den Chefposten gar als Schleudersitz.

Das Team der TTT jedenfalls ist offenbar nicht der alleinige Grund für die Trennung. Mitarbeiter zeigen sich im Gespräch mit der TS überrascht und schockiert von dem plötzlichen Schritt. Man müsse das erstmal sacken lassen. Öffentlich äußern will und darf sich allerdings auch hier keiner. Dem Vernehmen nach gab es mit der Mehrheit der Angestellten keinerlei Missstimmung oder Ärger. Eher deuten die Zeichen auf Unmut in der zweiten Führungsebene hin. Mit Köhl wurden langjährige Manager der TTT „übergangen“. Liegt hier der wahre Grund?

Personalchaos folgt auf neun Jahre Kontinuität

Stephan Köhl selbst ist weiterhin nicht zu erreichen, will nicht mit der Presse sprechen. Sein früher Abschied ist ein Negativrekord in der Geschichte der Tourismusorganisation. Nach der Gründung Ende 2001 hieß der erste Geschäftsführer Michael Zezulle – der Niedersachse bliebe jedoch nur von Mai 2002 bis Dezember 2003.

Der frühere Tegernseer Bürgermeister Gotthard Luschner sprang ein und übergab 2004 an den Österreicher Heinz Peter Schwendiger. Doch auch dieser blieb nur zwei Jahre. Kontinuität brachte endlich Georg Overs, der 2006 aus Bad Tölz herüberwechselte. Ihm gelang auch die Fusion der fünf Tourist-Infos im Tal. Nach neun Jahren Overs hielt sich Köhl nur drei Monate auf dem Posten – der Takt vom Anfang scheint mit diesem Intermezzo wieder hergestellt.


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