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Bundestagskandidat Karl Bär von den Grünen im Interview

„Den Schülern mehr Mitspracherechte geben“

Von Christopher Horn

Nachdem wir in den vergangenen Wochen bereits einige Landtagskandidaten interviewt haben, sind nun die Direktkandidaten für einen Sitz im Deutschen Bundestag an der Reihe. Den Anfang macht der Grünen-Politiker Karl Bär.

Der Holzkirchner fordert ein Alleinstellungsmerkmal fürs Tegernseer Gymnasium mit mehr Mitsprache der Schüler und kritisiert unter anderem die Asylbewerberpolitik im Freistaat Bayern.

Karl Bär aus Holzkirchen will für die Grünen in den Deutschen Bundestag
Karl Bär aus Holzkirchen will für die Grünen in den Deutschen Bundestag

Zur Person: Karl Bär tritt als Direktkandidat der Grünen für den Bundestag im Wahlkreis 224 (Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und Starnberg) an. Der 28-jährige Holzkirchner hat im Jahr 2004 sein Abitur am Tegernseer Gymnasium absolviert und dann Agrarökonomie studiert. Nach 2009 kandidiert er nun erneut für den Deutschen Bundestag.

Tegernseer Stimme: Guten Tag, Herr Bär, nach 2009 bewerben Sie sich zum zweiten Mal als Kandidat der Grünen im Wahlkreis Miesbach für den Bundestag. Warum klappt es in diesem Jahr?

Karl Bär: Die Parteistrukturen haben sich im Vergleich zu 2009 deutlich verbessert. Mein gesamter Wahlkampf läuft diesmal reibungsloser. Ich bin noch mehr unterwegs und noch näher an den Menschen dran. Auch über die sozialen Netzwerke erreichen wir heute zusätzlich Wähler. Ich hoffe, das bringt uns nach vorne. Daher erwarte ich ein besseres Ergebnis als beim letzten Mal.

Asylbewerber: Landkreis wurde nicht frühzeitig informiert

Tegernseer Stimme: Lassen Sie uns direkt in die Landkreispolitik einsteigen. In der Miesbacher Turnhalle sind seit rund zwei Wochen Asylbewerber untergebracht. Der richtige Ort und Weg?

Karl Bär: Kurzfristig war das wohl die einzige Lösung. Nun muss aber eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge in privaten und kommunalen Unterkünften das Ziel sein. Man hätte sich aber früher auf die zu erwartende Zahl der Flüchtlinge einstellen müssen. Auch das Sozialministerium hat es versäumt, den Landkreis rechtzeitig und umfassend zu informieren.

Tegernseer Stimme: Sollten Ihrer Meinung nach auch die Gemeinden im Tegernseer Tal mehr Verantwortung übernehmen? In Gmund, Tegernsee und Kreuth sind nun ja erste Unterkünfte in Sicht.

Karl Bär: Natürlich muss auch das Tegernseer Tal seinen Beitrag leisten und Flüchtlinge aufnehmen. Grundsätzlich gilt es, den Bürgen die Angst vor den Flüchtlingen zu nehmen und die Asylbewerber für die Zeit, die sie bei uns verbringen, auch ins Gemeindeleben zu integrieren. Man muss zudem auch private Vermieter dazu gewinnen, ihre Pensionen zu marktüblichen Preisen zur Verfügung zu stellen.

Tegernseer Stimme: Kommen wir zu einem Kernthema der Grünen, der Energiewende. Ist diese im Landkreis bis 2035 überhaupt zu schaffen?

Karl Bär: Wenn man die verschiedenen erneuerbaren Energiequellen optimal nutzt, denke ich, kann man das schaffen. Nehmen wir nur mal die Wind- und Solarenergie. Hier darf man nicht von vornherein viele Standorte ausschließen. Man muss sich überlegen, wo Windräder technisch und optisch am meisten Sinn machen, und dann gemeinsam mit den Kommunen erörtern, welche Standorte man verwirklichen kann. Ich bin außerdem der Meinung, dass wir mehr Solaranlagen auf den Dächern brauchen. Hier wird manchmal zu viel auf das Ortsbild geschaut.

Vereine enger an das Gymnasium binden

Tegernseer Stimme: 2004 haben Sie als Holzkirchner Ihr Abitur am Gymnasium in Tegernsee gemacht. Was passiert in Tegernsee, wenn das Gymnasium in Holzkirchen 2014 seine Tore öffnet?

Karl Bär: Vor diesem Hintergrund wäre ein Alleinstellungsmerkmal für das Gymnasium sicherlich wünschenswert. Für das Tegernseer Tal ist diese Schule aus vielerlei Hinsicht sehr wichtig. Verschwindet sie, haben zunächst einmal die Schüler aus Kreuth ein Problem. Sie müssten dann einen langen Anfahrtsweg auf sich nehmen, wenn sie auf ein Gymnasium gehen wollen.

Tegernseer Stimme: Wie kann man das Gymnasium Ihrer Meinung nach am besten erhalten?

Karl Bär: Indem man ein flexibles, ganz besonderes Angebot für die Schüler schafft. Die Sportvereine, Musikgruppen und andere stärker an die Schule bindet. Dafür gilt es, die vorhandenen Strukturen aufzubrechen. In Zeiten von G8 ist die Schule ein zentraler Lebensraum der Jugendlichen. Insofern sollte man diesen so attraktiv wie möglich gestalten und den Schülern mehr Mitspracherechte geben.

Für Bär hätten sich die Behörden im Landkreis besser auf die Ankunft der Asylbewerber vorbereiten müssen
Bär hofft auf den 30-Minuten-Takt bei der BOB

Tegernseer Stimme: Sie selbst fahren nach eigener Aussage oft mit der Bayerischen Oberlandbahn. Hat diese in Ihren Augen einen zu schlechten Ruf?

Karl Bär: In der Tat bin ich in den letzten Jahren sehr viel mit dem Zug gefahren. Ich denke, die BOB hat als lokaler Betrieb große Vorteile gegenüber der Deutschen Bahn und ist regional stark verwurzelt. Im Gesamtvergleich ist die BOB völlig in Ordnung. Natürlich muss sie sich aber die Anregungen der Fahrgäste, was Sauberkeit, Pünktlichkeit und Komfort betrifft, zu Herzen nehmen und sich hier verbessern.

Tegernseer Stimme: Fahren die Züge zu selten zwischen Tegernsee und München?

Karl Bär: Der 30-Minuten-Takt wird ja demnächst noch häufiger angewendet, als das bislang der Fall ist. Zudem fährt künftig auch um kurz nach 1 Uhr nachts noch ein Zug aus München raus. Grundsätzlich ist zu überlegen, ob man einen Teil der Strecke elektrifiziert, um auch die Kompatibilität mit der Rosenheimer Stecke herzustellen. Integralzüge, wie sie zwischen Tegernsee und München fahren, werden nicht mehr gebaut. Durch eine Umrüstung der Strecke wird man langfristig einen dichteren Takt erreichen können. Auch eine Ringbahn um den Tegernsee halte ich für eine super Idee, auch wenn die Umsetzung ungeklärt und bislang noch Zukunftsmusik ist.

Tegernseer Stimme: Welchem Thema würden Sie sich als Erstes widmen, wenn Sie in den Bundestag gewählt werden?

Karl Bär: Das ist ganz klar die Agrarpolitik. Dort hat Deutschland auch auf europäischer Ebene eine sehr große Gestaltungsmöglichkeit und die stärkste Stimme. Hier fühle ich mich als Bürger jedoch momentan nicht gut vertreten. Wir brauchen im Bundestag wieder mehr Abgeordnete, die das Handeln der Bundesregierung auf agrarpolitischer Ebene wieder kritischer hinterfragen. Einer dieser Abgeordneten würde ich gerne sein.

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