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Bad Wiessee: Toilettenbau an der Seepromenade abgelehnt

Der letzte Tropfen fällt weit vom Terrassenhof

Wer am Seeufer sitzt, sollte nicht mit Toilettenpapier werfen. So oder zumindest so ähnlich sahen es die Mitglieder des Wiesseer Bauauschusses. Daher entpuppte sich das vom Terrassenhof geplante Geschäft als „Doppelnull“-Runde für Hotelier Alwin Gericke.

Öffentliche Toiletten sind an der Seepromenade im Bereich des Wiesseer Hotels Terrassenhof Mangelware. / Foto_ Felix Wolf

Kaum stand am Dienstagabend fest, dass die vom Hotel Terassenhof gewünschte Toilettenanlage an der Seeuferpromenade keine Zustimmung im Wiesseer Bauausschuss findet, erhoben sich alle sieben Zuschauer von ihren Stühlen und verließen den Raum. Inklusive Hotel Terrassenhof-Geschäftsführer Alwin Gericke.

Lediglich drei der neun Bauausschuss-Mitglieder hatten dem Vorhaben zugestimmt, öffentliche WCs im Außenbereich zu bauen. Und zwar direkt in Hotelnähe neben der Veranstaltungshütte des Terrassenhofs.

Der Rest stimmte den Ausführungen von Bauamtsleiter Helmut Köckeis zu, der immer wieder betonte, dass die Toiletten nun einmal im Außenbereich lägen und eigentlich nicht genehmigungsfähig seien. Obwohl man dieses den Hotelbetreibern gegenüber mehrfach kommuniziert habe, so Köckeis, läge jetzt der Bauantrag vor. Auf keinen Fall solle mit einer Genehmigung jetzt ein Bezugsfall geschaffen werden.

Bürgermeister sorgt für „Biesl-Schild“

In einer nicht-öffentlichen Sitzung sei einer solchen Toilettenanlage samt Verkaufsraum für einen Shop bereits eine Absage erteilt worden. Weil es außerdem öffentliche Toiletten im Badepark gäbe, bestünde auch gar kein Bedarf. Für Kurt Sareiter, einen der drei Toiletten-Befürworter, war dieser Aspekt nicht ausschlaggebend. Er fände es schade, so Sareiter, dass es an der Seeuferpromenade keine öffentlichen Toiletten gibt. Insbesondere auch deshalb, weil die Veranstaltungshütte am See eine „gutgehende wirtschaftliche Angelegenheit“ sei und somit Toilettenbedarf bestehe.

Bei Regenwetter ist der Weg zur nächsten öffentlichen Toilette im Badepark sehr weit.

Woraufhin Bürgermeister Peter Höß einwarf, er selbst habe an besagtem Platz schon ein Hinweisschild angebracht mit der Aufschrift „Toiletten im Badepark“, um für Entspannung zu sorgen. Einzige Alternative: Ein WC-Haus am neuen Bootshaus, aber das wäre dann Sache der Stadt Tegernsee.

Ideal sei ein WC-Häuschen vor dem Hotel im Außenbereich auf keinen Fall, räumte Kurt Sareiter ein. Er schlug deshalb vor, die Toiletten direkt auf dem Grundstück des Terrassenhofs, nördlich des Biergartens, zu bauen. Dort, wo sich aktuell ein überdachter Abstellplatz befände.

Gemeinde lehnt WC-Angebot ab

Das wiederum gefiel dem Bürgermeister nicht. „Dann wäre es aus der Baulinie draußen“. Florian Sareiter (CSU) meldete sich zu Wort. Er habe lange darüber nachdenken müssen, begann er, aber ein WC-Häuschen sei kein „unwesentlicher Punkt“ für die Infrastruktur.

An der Seeuferpromenade, unweit des Hotels Terrassenhof (im Hintergrund) hätte das WC-Häuschen entstehen sollen. /Foto: Felix Wolf

Er stimme für eine Genehmigung, schließlich biete Familie Gericke der Gemeinde eine öffentliche Toilette an. Er kenne niemanden, fuhr Sareiter fort, der bis zum entlegenen Badepark laufen würde, wenn er auf die Toilette müsste.

„Meinungs-Kehrtwende“ im Gremium

Das sah Markus Trinkl ähnlich, wollte aber keine „Bezugsfälle schaffen“. Auch Rolf Neresheimer (RAN) stimmte den Ausführungen von Florian Sareiter zu. Er wies auf die positive Entwicklung des Hotels hin und meinte, es spräche doch nichts gegen ein WC-Häuschen. Am charmantesten sei für ihn allerdings die Bootshaus-Lösung.

Verwundert über diese Wortmeldungen gab Bürgermeister Peter Höß zu bedenken, dass die Hochwasserlinie in diesen Bereich falle. Ebenfalls überrascht zeigte sich Klaudia Martini (SPD). „Rechtlich ist das im Außenbereich nicht okay. Wir schaffen doch Präzedenzfälle.“ Sie schätze zwar die Aktivitäten und Anstrengungen des Hotels, dennoch könne man „nicht alles durchwinken“.

Martini: „Mit Anfeindungen müsse man leben“

„Wir haben uns verdammt nochmal nach Recht und Ordnung zu richten“, so die Juristin etwas aufgebrachter. Sie sage das deshalb so emotional, weil die Meinungen von der letzten Besprechung abweichen. „Mit Anfeindungen muss man jetzt leben.“ Gleichzeitig verwies sie auf den Eid, den der Gemeinderat geschworen hat.

Der zweite Bürgermeister Robert Huber (SPD) fasste zusammen: Entweder, die Toilettenanlage wird an das bestehende Gebäude oder an die Bootshütte gebaut. Aber die Baulinie verlassen? Dem würde auch er nicht zustimmen.

Da war doch mal was…

Bauamtsleiter Helmut Köckeis wies die Bauausschuss-Mitglieder noch einmal darauf hin, dass das WC-Häuschen laut Antrag in erster Linie dem Veranstaltungsgebäude des Hotels zugewiesen werden soll. Er erinnerte zudem an die Müllhütte vom Terrassenhof, die ohne Bauantrag errichtet worden war.

Gemurmel und Proteste im Zuschauerraum. Terrassenhof-Geschäftsführer Alwin Gericke rief aus: „Das stimmt überhaupt nicht. Ich habe dem Landratsamt geschrieben, dass die Müllhütte nicht genehmigungspflichtig war – und das auch begründet.“

Das hätte man jetzt zur Kenntnis genommen, entgegnete der Bürgermeister. „Obwohl Zuschauer nichts zu sagen haben.“ Mit 6:3 Stimmen lehnte das Gremium die geplanten Toiletten an der Seeuferpromenade ab.


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