Ein schwuler Landrat und was das für die SPD am Tegernsee bedeuten kann

Von Steffen Greschner

Michael Adam ist sowas wie die personifizierte Hoffnung der bayerischen SPD. Jung, schwul und evangelisch. So ist er vor drei Jahren Bürgermeister von Bodenmais geworden – mit 22 Jahren. Der jüngste, den Bayern jemals hatte.

Und gestern hat Adam die Landratswahl im Landkreis Regen gewonnen. Ein Gebiet, in dem sich die Bürger bisher kaum durch allzu sozialdemokratische Sympathien an der Wahlurne hervorgetan haben. Man könnte auch sagen, die Stammwählerschaft ist traditionell konservativ.

Die Parallelen zum Landkreis Miesbach sind also da. Doch in Regen hat sich irgendwas ziemlich dramatisch verändert. Denn die Bürger haben sich mit 57% für einen Landrat entschieden, der so gar nicht in das bisherige Schema „Älter, familientreu, CSUler“ passt.

Wir haben mit Thomas Mandl vom SPD-Ortsverband Tegernsee gesprochen und ihn nach seiner Einschätzung zu dem Ergebnis der Regener Landratswahl befragt.

Gleichzeitig wollten wir wissen, was das für das Tegernseer Tal bedeuten kann. Mandl sitzt, als derzeit einziger Vertreter der SPD, auch im Tegernseer Stadtrat.

Tegernseer Stimme: Hallo Herr Mandl, wie ist ihre Einschätzung zu der doch sehr außergewöhnlichen Wahl von Michael Adam? Glückstreffer oder doch klares Signal für die Bayern-SPD?

Mandl: Die Wahl von Michael Adam hat meines Erachtens Signalwirkung für die Bayern-SPD. Und zwar in vielfacher Hinsicht.
1. Die Zeiten, in denen die Parteien über eine absolut treue Stammwaehlerschaft verfügen konnten, gehoeren nun auch bei der CSU der Vergangenheit an.
2. Die Menschen werden offensichtlich „eperimentierfreudiger“ und sind offener, auch für einen Kandidaten, der nicht ins „urbayerische Muster“ passt.
Adam beweist, dass ein Kandidat der SPD auch „tiefschwarze“ Regionen gewinnen kann, wenn Person und Inhalte stimmen.
3. Die Menschen im Landkreis Regen haben auf Inhalte und Leistung des Kandidaten geschaut und dies honoriert, die Schmutzkampagne der CSU und besonders der JU führte nicht zum gewünschten Erfolg.

Thomas Mandl von der Tegernseer SPD

Tegernseer Stimme: Haben ihrer Meinung nach parteipolitische Gründe dafür eine Rolle gespielt oder war es doch eher eine Persönlichkeitswahl?

Mandl: Ich glaube sowohl als auch. Das hängt ja doch zusammen. Der Michael Adam hat ja auch einen super Wahlkampf geführt und konnte als Bürgermeister von Bodenmais zudem Erfolge vorweisen. Mit dem Kandidaten der CSU wäre alles wieder in gewohntem Fahrwasser abgelaufen. Und das wollte die Mehrheit offensichtlich nicht.

Überhaupt, egal welches Thema man anschneidet, ob Atompolitik, Bildungspolitik, Finanzpolitik, Arbeitsmarkstpolitik: Es wird immer deutlicher, dass die Konservativen keine eigenen Lösungen mehr bieten können, nur noch olle Kamellen.

Tegernseer Stimme: Halten Sie es für möglich, dass die Bürger im Landkreis Miesbach bei der nächsten Wahl ebenfalls der CSU „den Rücken kehren“?

Mandl: Möglich ist alles. Die SPD muss halt die richtigen Themen und die richtigen Kandidatinnen und Kandidaten haben. Dazu noch ein selbstbewussten und attraktiven Wahlkampf mit unserem Zugpferd Ude. Da sehe ich durchaus Chancen für ein gutes Ergebnis.

Die Stimmen werden uns aber nicht in den Schoss fallen. Da müssen wir schon kämpfen. Aber wir wissen nach Adams Wahlsieg, dass es sich gemeinsam zu kämpfen lohnt, dass es an uns liegt, dass man selbst aussichtslos scheinende Wahlkreise gewinnen kann.

Tegernseer Stimme: Steht die CSU ihrer Meinung nach auch auf kommunaler Ebene vor einem nachhaltigen Wählerschwund?

Mandl: Meiner Meinung war ein Wählerschwund generell auch bei den letzten Kommunalwahlen zu konstatieren. Die traditionellen Hochburgen werden geschleift. Und wenn die CSU in Zukunft nicht liefert, dann bleiben auch die treuesten Wähler zu Hause oder wählen die politische Konkurrenz.

Tegernseer Stimme: Und wie sehen Sie die Chance für die SPD in den kommenden Kommunalwahlen im Tal an Einfluss zu gewinnen?

Mandl: Wie gesagt. Es liegt an uns. Meiner Meinung hatten wir auch im Tal in der Vergangenheit immer die bessern Programme – und auch die besseren Kandidatinnen und Kandidaten.

Die Gründe, warum wir nicht den gewünschten Erfolg hatten, lag damals sicher auch im Gesamterscheinungsbild der SPD. Das wird jetzt wieder deutlich positiver beurteilt. Der Wind bläst uns nicht mehr wie bei den letzten Wahlen ins Gesicht.

Natürlich gab es in der Vergangenheit zudem auch hausgemachte Probleme. Besonders der Austritt der SPD-Bürgermeister im Landkreis hat uns schwer geschadet.

Aber jetzt schauen wir selbstbewusst nach vorne. Besonders nach Michael Adams Erfolg. Gemeinsam koennen wir was bewegen. Für das Tal wäre es von grossem Vorteil.

Herr Mandl, vielen Dank für ihre Einschätzung.


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