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Mythen und Sagen rund um den Tegernsee - Teil 8

Der Waizenhund

Von Nina Häußinger

Neben den historisch belegbaren Fakten, die die Geschichte des Tals beschreiben, existieren zahlreiche Mythen und Sagen rund um den See. In diesen Geschichten werden Personen, Orte und die Landschaften thematisiert.

In der heutigen Geschichte geht es darum, dass kein vernünftiger Mensch daran denken sollte, bei Vollmond über den Tegernsee zu rudern. Denn eines ist gewiss: es kommt der Waizenhund und knurrt den Ruderer mit glühenden Augen böse an – mit schlimmen Folgen.

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So erzählt es zumindest die Sage vom Irgä, Knecht am Lieberhof am Großtegernseer Berg. An einem Kirta-Irta ist er mit seinem Ruderboot rüber nach Altwiessee gefahren, um sein Basel zu besuchen. „Dass d’ ned in d’Nacht neikommst, jetzt wird’s schon bald dunkel! Eine halbe Stunde brauchst leicht über’n See nach Tegernsee“, warnte die Base nach einiger Zeit. „Und überhaupt soll bei Vollmond der Waizenhund wieder umgehen.“

„Ja, Vollmund ist’s heute, und windstaad is a, da kann mir gar nichts fehlen beim Heimfahren heut“, so sagte der Irgä. „Dass ich nicht lache, wega dem schiachen Hundsviech, dem hau ich gleich eine mit dem Ruder auf’n Schädel. Und überhaupt glaub ich an so was gar ned.“

Da kam aus dem dichten Schilf mit einem mächtigen Satz plötzlich ein riesengroßes, finsteres Vieh hereingesprungen ins Boot, sodass es noch eine Zeitlang schwankte. Es war ein Hund mit zottigem schwarzen Fell, mit langen Krallen an den starken Tatzen; das Maul hatte er weit aufgerissen, damit man die langen Reißzähne und das ganze Gebiss im Mondlicht blitzen sehen konnte. Das Schrecklichste aber waren seine Augen: sie glühten rot und waren bösartig. So setzte er sich dem Burschen, der beim Rudern nach hinten gegen das Untier schauen musste, auf der nächsten Ruderbank gegenüber und glotzte den Armen ununterbrochen scharf an. Seinen heißen Atem blies er ihm pfeilgrad ins Gesicht.

… und brach tot zusammen

Beim Anblick von diesem Ungeheuer war dem Irgä das Prahlen vergangen, der kalte Schweiß lief ihm hinunter, käsweiß machte er nur mechanisch die Ruderschläge, hinaus auf den nächtlichen See, nur immer weiter, irgendwann wird er schon drüben sein am anderen Ufer, dachte er sich. Man hörte nur noch das Knarren der Ruder, wo sie an den eisernen Stiften eingehängt sind, zum angstvollen Schnaufen des Burschen auch zuweilen ein gefährliches Brummen dazu.

Endlich erreichte er bei Nacht das Ufer. Bis er ausgestiegen war, ist auch der böse Hund mit einem langen Sprung in die Binsen verschwunden. Es war der Waizenhund! Zitternd und mit schlottrigen Knien ging der arme Bauernbursch noch ein paar Schritte und brach tot zusammen.

Eine Geschichte mit keinem allzu angenehmen Ende. Aber nicht alle der unheimlichen Erzählungen, die um den See herum kursieren, gingen so schlecht aus. Ob diese einen wahren Kern haben oder gänzlich im Reich der Mythen und Sagen zu verorten sind, lässt sich nicht genau sagen. Nichtsdestotrotz eine weitere spannende Geschichte unserer Serie „Mythen und Sagen rund um den Tegernsee“. Teil neun folgt demnächst.

Quelle der Erzählung: Tegernseer Sagen aus dem Kulturraum der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee (746 – 1803), Sepp Mohr, Hausham 1985

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