Die Berg-Community findet am Tegernsee zusammen

von Nina Häußinger

Die Berge rufen: Zur Eröffnung des 19. Bergfilm-Festivals in Tegernsee begeistern Viktoria Rebensburg mit ihrem Skitouren-Abenteuer „Trans Salzburgerland” sowie der Kurzfilm „24 Stunden Odyssee“ die Zuschauer mit starken Bildern.

Gestern startete das 19. Bergfilm-Festival am Tegernsee

Erleichterung ist zu spüren im Barocksaal des Tegernseer Schlosses, als Bürgermeister Johannes Hagn die Zuschauer eingangs mit den Worten begrüßt: „Nach Corona endlich wieder ein volles Haus.“ Und als Festival-Leiter Michael Pause seine Eröffnungsrede hält, schwingt Freude in seinen Worten. Freude darüber, „dass die Community beinand ist“ und dass das ganze Spektrum des Genre Bergfilm wieder gemeinsam erlebt werden kann: mit all den unmittelbaren Reaktionen des Publikums – die Lacher, das Staunen. Und dem Zusammentreffen prominenter Filmeschaffender, die so ein Festival zu einem Erlebnis werden lassen.

Zu sehen sind bis zur Preisverleihung am Samstagabend, 19 Uhr, insgesamt 80 verschiedene Filme in sechs Sälen. Den Anfang macht Viktoria Rebensburgs spannendes Skitouren-Abenteuer „Trans Salzburgerland“. Die Kreuther Ex-Skirennfahrerin Rebensburg und Sandra Lahnsteiner, Freeskierin und Filmproduzentin aus dem Salzburger Land, berichten an diesem Abend im Tegernseer Barocksaal von ihrem Filmprojekt. Für Lahnsteiner ist es die erste Berg-Dokumentation. Für Rebensburg der „Aufbruch in eine neue Welt aus Fels, Eis und Schnee“.

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Der Film beleuchtet, wie die Olympiasiegerin und zwei Profi-Freeriderinnen eine hochwinterliche Skidurchquerung von Sportgastein nach Hinterglemm wagen. Drei junge Frauen – Viktoria Rebensburg, Sabine Schipflinger und die Freeride-Pionierin Sandra Lahnsteiner – kämpfen sich mutig über Grate und Gletscher. Nach den wildesten Abfahrten in aller Welt entdecken sie innerhalb von fünf Tagen die Berge ihrer Heimat auf der Trans Salzburgerland. Und als Finale wartet der höchste Berg Österreichs, der Großglockner.

Die Kunst, einen Berg zu besteigen

Auch der Valleyer Alpinist, Publizist und Filmemacher Tom Dauer ist am Eröffnungsabend vor Ort und schildert auf der Bühne auf sehr persönliche Art und Weise wie es dazu kam, ein Buch und einen Film über den Heidelberger Bergsteiger, Schriftsteller und Fotografen Reinhard Karl zu machen. „Die Kunst, einen Berg zu besteigen“ ist eine Hommage und ein filmisches Denkmal an einen ganz besonderen Menschen. Karl, der 1982, also vor genau 40 Jahren, mit nur 35 Jahren am Cho Oyu (8.153 m) in einer Eislawine ums Leben kam, gab mit seinem Bildband „Erlebnis Berg: Zeit zum Atmen“ dem Lebensgefühl einer ganzen Generation von Bergsteigern und Kletterern Ausdruck – und faszinierte Tom Dauer bereits als Zwölfjährigen.

Dauer: „In der Jugend war er mein Idol und meiner Generation ein Vorbild.“ Karl hatte unter anderem 1969 in nur eineinhalb Tagen die Eiger-Nordwand bestiegen, war in den 1970er-Jahren ein Vorreiter des Freikletterns und stand im Mai 1978 im Rahmen der berühmten Mount-Everest-Expedition von Reinhold Messner und Peter Habeler als erster Deutscher auf dem Mount Everest.

Zu sehen ist an dem Abend zudem der 23-minütige Film „24 Stunden Odyssee“ von Johannes Mair. Die „Odyssee“ gilt mit der „Paciencia“ als schwierigste Kletterroute in der Eiger-Nordwand. Die ersten Versuche in der 33 Seillängen langen Linie begannen 2009, fünf Jahre später gelang nach fast zweimonatiger Irrfahrt die erste freie Begehung. 2018 wiederholten Barbara Zangerl und Jacopo Larcher die Route, sie brauchten vier Tage. Im Stil der Erstbegeher, dem sogenannten „Bigwall-Stil“, musste das Pärchen dafür Essen, Wasser, Ausrüstung und ein Hängezelt durch die Wand befördern. Bis zum Ende fiebert der Zuschauer mit. Festivalleiter Pause: „Überzeugende Protagonisten und eine wirklich starke Geschichte – das ist das, was einen richtig guten Bergfilm ausmacht.“ Und was Alpin-Cineasten in Höhenrausch versetzt.

Ob einer der Beiträge zur Eröffnung im Barocksaal wohl einen Preis erhalten wird?

Darüber zerbricht sich derzeit die international besetzte Jury den Kopf, die bereits einen Filmmarathon hinter sich hat. Sie muss entscheiden, wer beim einzigen Bergfilm-Festival Deutschlands mit Wettbewerb ausgezeichnet wird. Bekanntgegeben werden die Gewinner am Samstagabend im Barocksaal bei der Preisverleihung, die auch im BR Livestream übertragen wird (Samstag, 22. Oktober, 19.00 Uhr).

Festival-Direktor Michael Pause führt durch den Abend. Was einem persönlich am besten gefällt, muss jeder für sich entscheiden. Die Auswahl jedenfalls ist groß. Gezeigt werden täglich bis zu 40 internationale Beiträge, zu fast allen Vorstellungen sind noch Karten erhältlich. Festival-Direktor Michael Pause: „In allen Kategorien können sich die Zuschauer in den nächsten Tagen auf viele hervorragende Filme freuen.“

Weiter Infos findet ihr hier.

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