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Die letzten Minuten von Aibling

Von Nina Häußinger

Zwei Züge des Meridians sind im Februar fast ungebremst ineinander gefahren. Lange wurde spekuliert wie es zu dem Zugunglück in Bad Aibling kommen konnte. Die Anklageschrift verrät jetzt, wie die Fehlentscheidungen des Fahrdienstleiters entstanden sein sollen.

Die Anklageschrift gibt jetzt Aufschluss über den genauen Ablauf vor dem Zugunglück in Bad Aibling Foto: Peter Kneffel/dpa
Die Anklageschrift gibt jetzt Aufschluss über den genauen Ablauf vor dem Zugunglück in Bad Aibling Foto: Peter Kneffel/dpa

Am 9. Februar dieses Jahres fahren in Bad Aibling zwei Züge des Merdians fast ungebremst ineinander. Mittlerweile steht fest, dass menschliches Versagen Schuld am Tot von zwölf Menschen ist. 89 weitere wurden verletzt.

Lange wurde spekuliert, wie es zu der Verkettung von Fehlentscheidungen des beschuldigten Fahrdienstleiters kommen konnte. Jetzt gibt die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Aufschluss über den genauen Ablauf an besagtem Morgen.

Demnach soll der Angeklagte Michael P. um 05:11 Uhr während seiner Schicht im Führerhaus in Bad Aibling begonnen haben das Mittelalter-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Handy zu spielen. Die Nutzung von privaten Mobiltelefonen ist laut Fahrdienstvorschrift verboten.

Der erste Fehler

Auch um 6:38 Uhr soll der Angeklagte noch immer gespielt haben. Nur kurz soll er sein Spiel unterbrochen haben, um dem von Rosenheim kommenden Meridian die freie Ein- und Ausfahrt am Bahnhof Kolbermoor zu gewähren. Dieses Signal war der erste Fehler. Die beiden entgegenfahrenden Züge sollten sich planmäßig in Kolbermoor kreuzen – doch P. soll, so vermutet die Staatsanwaltschaft, in der Zeile verrutscht sein. Er dachte die Züge träfen sich in Bad Aibling.

Dem Zug aus Holzkirchen soll er im Anschluss das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Bad Aibling gegeben haben – sogar das Gleis soll er noch geändert haben. Zeitgleich erreicht nun der Rosenheimer Zug den Bahnhof Kolbermoor. Immer noch soll P. zu diesem Zeitpunkt nebenbei mit seinem Handy beschäftigt gewesen sein.

Notrufsignale kommen nicht im Führerhaus an

Dass er dem Rosenheimer Zug das Ausfahrtssignal aus dem Bahnhof Kolbermoor bereits erteilt hatte, soll der Angeklagte vergessen haben und gibt dem Zug aus Holzkirchen das Signal zur Weiterfahrt vom Bahnhof Bad Aibling nach Kolbermoor. Dafür ist ein Sondersignal nötig, da sich der entgegenkommende Zug bereits auf der eingleisigen Strecke befindet.

Erst jetzt soll P. laut Anklage bemerkt haben, dass sich beide Züge auf der eingleisigen Strecke aufeinander zu bewegen. Zweimal setzt er ein Notrufsignal ab, mit der Anweisung die Züge sofort zu stoppen. Doch beide Male erreichen die Nachrichten nicht die Zugführer, sondern das Streckenpersonal. Die Züge kollidieren direkt in einer Kurve fast ungebremst. Der Prozess beginnt am kommenden Donnerstag.


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