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Streit um Beschneiungsanlagen im Tegernseer Tal

Grünes Dilemma

Von Maximilian Olberding

An Weihnachten waren die Skihänge im Tegernseer Tal noch mehr grün als weiß. Erst in den vergangenen Wochen sorgten Schneefälle für eine Winterlandschaft. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten auch die zahlreichen Schneekanonen. Naturschützern sind diese allerdings ein Dorn im Auge. Der grüne Landrat steckt in der Zwickmühle.

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Ohne künstliche Beschneiung wäre an Wintersport im Tal mittlerweile nicht zu denken.

Gegner und Befürworter von Beschneiungsanlagen streiten sich seit Jahren über deren Sinn. Insbesondere der fortschreitende Klimawandel wird von Umweltschützern als Argument gegen künstliche Beschneiung ins Feld geführt.

„Statt mit Kunstschnee einen sterbenden Tourismuszweig künstlich am Leben zu halten, sollte Bayern mehr Energie und Geld in die Entwicklung tragfähiger und ganzjähriger Tourismuskonzepte investieren“, forderte der Vorsitzende der Fraktion Die Grünen im Bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann, jüngst in der SZ. Angesichts des Klimawandels sei es widersinnig, dass die Staatsregierung stattdessen weiter den Ausbau von Liften und Beschneiungsanlagen fördere, so Hartmann weiter.

Reisberger: Diskussion überflüssig

Im Gegensatz dazu sehen die Befürworter in der künstlichen Beschneiung eine klare Notwendigkeit. „Die hohen Ansprüche der Wintersportler sind mit dem natürlichen Vorkommen nicht zu befriedigen“, so Georg Reisberger, Vorsitzender des SC Ostin und Geschäftsführer der Oedberglift Beteiligungsgesellschaft mbH. Eine zusätzliche Beschneiung sei selbst für die großen und höher gelegenen Gebiete in Österreich lebensnotwendig. Dass es von Seiten der Umweltschützer immer wieder massive Proteste gegen den Betrieb solcher Anlagen gebe, könne Reisberger nicht nachvollziehen.

Schließlich „verbrauche“ man ja kein Wasser, sondern wandele es lediglich um. Im Frühling fließe es wieder dorthin zurück, von wo man es entnommen habe, in die Natur. Auch die Energieeffizienz sei in den letzten Jahren stetig verbessert worden und man beziehe den Strom aus regenerativen Energiequellen. Auch in anderen Skigebieten im Tegernseer Tal sind Schneekanonen nicht mehr wegzudenken.

Rzehak in der Zwickmühle

Weniger klar positioniert sich Hartmanns Parteifreund und Miesbachs Grüner Landrat, Wolfgang Rzehak. So müsse zwar im Einzelfall geprüft werden, ob eine Beschneiung sinnvoll und ökologisch verträglich umzusetzen sei, dennoch stelle der Wintertourismus ein wichtiges wirtschaftliches Standbein im Landkreis dar. „Dazu ist es natürlich notwendig, stabile Pistenverhältnisse anzubieten“, so Rzehak auf Anfrage der Tegernseer Stimme. Der Landrat wagt also den Spagat zwischen grünen Parteiinteressen und Wirtschaftsförderung im Landkreis.

Für Manfred Burger hingegen drängt die Zeit. Burger ist erster Vorsitzender der Kreisgruppe Miesbach des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Bereits in 15 Jahren werden wir deutlich weniger potenzielle Betriebstage bei den Skiliften haben. Wenn wir jetzt nicht das langfristige touristische Konzept umstellen, läuft uns die Zeit davon.

Dass die Bayerische Staatsregierung weitere Millionen für den Ausbau der Wintersportinfrastruktur zur Verfügung stellt, kann Burger nicht verstehen. Frühere Regierungen hätten da wesentlich sensibler agiert. Auch dass der BUND als Träger öffentlicher Belange nur noch selten in der Planungsphase bei Neu- oder Ausbauprojekten im Wintersport mit eingebunden wird, stelle eine bedenkliche Entwicklung dar, so Burger.

Reisberger und andere Liftbetreiber werden das nicht gerne hören. Bleibt letztlich nur zu hoffen, dass sich der neuerliche Wintereinbruch nicht als Eintagsfliege entpuppt. Denn in einem Punkt sind sich Befürworter und Gegner der künstlichen Beschneiung einig: Am besten ist immer noch echter Schnee.

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