„Jetzt haben wir unseren Kurort wieder ein Stück demontiert, bitte schön Herr Bürgermeister“

Von Tobias

Auf dem linken Weg soll zukünftig das Radfahren erlaubt sein - zumindest für ein Probejahr wie Bürgermeister Höß betonte

Ergänzung vom 18. Februar / 17:05 Uhr
Schon im letzten Jahr hatte es sich angedeutet: Radfahren, Bad Wiessee und die Seepromenade zusammen sind eine hoch-emotionale Angelegenheit.

Der Kurausschuss hatte im November zwar noch mit 4:3 Stimmen knapp dafür gestimmt einen Teil der Promenade für Radfahrer zu öffnen. Allerdings handelte es sich dabei nur um einen empfehlenden Beschluss, der in der gestrigen Gemeinderatssitzung noch bestätigt werden musste.

Und auch gestern hielt die Diskussion, was sie versprach: Emotionale Wortmeldungen von seiten der Befürworter, aber vor allem aus den Reihen der Gegner. Die bekannten Argumente für und wieder eines Radweges, die bereits in der letzten Sitzung umfassend diskutiert worden waren, wurden ein weiteres Mal ausgetauscht. Ein Umstand der Stefan Hagn vom Wiesseer Block zur Aussage „Ich habe ein Déjà-vu“ verleitete.

Alle Zitate und die wichtigsten Argumente kann man im ursprünglichen Artikel (weiter unten) nachlesen.

Schlußendlich kam es zu einer quasi Kampfabstimmung. In dieser wurde die teilweise Öffnung der Seepromenade für schrittfahrende Radfahrer knapp mit 10:7 Stimmen bestätigt und damit eine 15 Jahre andauernde Debatte in der Gemeinde beendet. Zumindest, bis im Sommer die Radfahrer und Spaziergänger aufeinandertreffen und es tatsächlich zu Problemen kommen sollte.

Ursprünglicher Artikel vom 16. November:
Das Radfahren in den Gemeinden ist scheinbar ein kontroverses Thema. Anders lässt sich die Diskussion auf der letzte Sitzung des Wiesseer Kurausschusses nicht erklären. Dabei ging es eigentlich „nur“ um einen 1-jährigen Probelauf für die Benutzung der vorderen Seepromenade von Alt-Wiessee in Richtung Zeiselbach, den Bürgermeister Peter Höß eingebracht hatte.

In den anderen Gemeinden wie Tegernsee und Rottach funktioniert die gemeinsame Benutzung der Seewege zwischen Radfahrern und Fußgängern ebenfalls sehr gut. Deswegen sollten wir das in dem Bereich der Seepromenade, wo 2 Wege parallel laufen, ebenfalls für 1 Jahr ausprobieren.

so Peter Höß in seiner Eröffnungsansprache, mit der er sich allerdings den geballten Unmut der CSU-Fraktion zuzog. Hier einige Argumente der Ausschussmitglieder, die gegen die teilweise Freigabe der Seepromenade für Radfahrer plädierten:

Kurt Sareiter (CSU):
Ich bin sehr oft da unten. Wisst Ihr eigentlich welche Menschenmassen in 5-er oder 7-er Reihen unten an der Seepromenade spazieren? Das sind viele ältere Gäste, die springen doch von links nach rechts.

Alois Fichtner (CSU):
Das ist unser bestes Stück. Keine der anderen Gemeinden hat so eine schöne Promenade. Da kann ich nur sagen: Nicht mit mir.

Ingrid Versen (CSU):
Das obere Stück ist Wahnsinn. Der Fahrradfahrer kriegt von oben so einen Schuss. Da kommt er gar nicht in den linken Weg rein. Vor allem nicht wenn die Massen an Radfahrern da runterfahren.

Kurt Sareiter (CSU):
Das Thema haben wir jetzt die letzten 15 Jahre etwa 6 Mal im Gemeinderat diskutiert. Und bisher haben wir es immer geschafft, die Radelfahrer von der Seepromenade fernzuhalten.
Deswegen von mir ein letzter Satz: Die Seepromenade ist das Wohnzimmer von Bad Wiessee und im Wohnzimmer fährt man nicht mit dem Fahrrad.

Höß konnte das „offensichtliche Dramatisieren des Themas“ nicht nachvollziehen. Zumal es ja schon mal im Lenkungsausschuss einstimmig verabschiedet worden ist.
„Vor allem wenn man sich klar macht, da es ja rund um den See klappt. Warum sollte es dann nicht auch in Bad Wiessee klappen“, so sein abschließendes Argument, mit dem er sich knapp und mit 4:3 Stimmen für den Probelauf durchsetzte.

Da es sich dabei aber nur um einen empfehlenden Beschluss handelt, obliegt dem Gemeinderat die finale Entscheidung. Und dort dürfte es dann wieder hoch hergehen. Das zumindest lässt der letzte Satz von Alois Fichtner vermuten: „Jetzt haben wir unseren Kurort wieder ein Stück demontiert, bitte schön Herr Bürgermeister.“

Gefährliche Engstelle - laut Ingrid Versen ist es gerade dieser Bereich, der am unfallträchtigsten ist


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