Eigentümer sorgt mit Aussagen für Verwirrung
“Luxus-Chalet-Gate” in Wiessee geduldet?

von Sabiene Hemkes

Ganz offiziell ist mittlerweile aus einer Jagdhütte in den Wäldern über Bad Wiessee eine Luxus-Ferienhütte mit Seeblick geworden. Dessen Besitzer Herr Schwaab aus Waakirchen ging am Freitag in die Offensive. Locker schob er den schwarzen Peter im “Luxus-Chalet”-Streit mit dem Landratsamt rüber auf die Behördenseite. Kann er das so einfach?

Vorher-Nachher: Links das neue Chalet im Jahr 2022 und rechts die Ausgangshütte ungefähr im Jahr 2013.

Seit März sorgt eine ehemals verfallene Jagdhütte für Aufsehen im Tal. Nach Hinweisen aus der TS-Leserschaft wurde ganz in der Nähe des Breitenbachtals, nah dem Steig zur Holzeralm, eine kostspielig sanierte Hütte mitten Wald entdeckt. In Ermangelung weiterer Informationen wurde die Hütte bald im Tal zum “Luxus-Chalet” an der Holzer Alm. Nach dem Erscheinen des ersten Artikels in der Tegernseer Stimme zeigte sich auch das Landratsamt Miesbach sehr interessiert an dem modernen Bau mit Seeblick-Terrasse, feinem Kupferdach, Wasserfilteranlage, beheizbarem Badezuber, neuem Flüssiggastank und der einen oder anderen weiteren Luxusausstattung. Insgesamt sollen sich die Baukosten auf eine schlappe Viertel Millionen belaufen haben.

Umbautätigkeiten erst durch Medien ans Licht gekommen

Eine Landratsamtes Sprecherin stellte am 31. März gegenüber der TS fest: Es ergeht eine Beseitigungsanordnung durch das Amt, was die vollständige “Beseitigung” des Bauwerks nach sich ziehe. Als Begründung führte Stadler damals an:

Es darf nicht sein, dass abweichend von oder ganz ohne Genehmigung gebaut wird, und man nachträglich alles legalisiert.

Der Bauherr hatte aber das Recht, Stellung zu der Anordnung zu nehmen. Mündlich und schriftlich. Ob es wirklich zu einem Rückbau komme, ließ das Landratsamt damals noch offen. Immerhin habe ein Gebäude schon lange Zeit dort oben gestanden. Jetzt – wohl kurz vor der entscheidenden Anhörung im Landratsamt – meldet sich der Vater des bisher unsichtbaren Bauherren samt seines Anwalts aus Tegernsee über eine lokale Zeitung zu Wort.

Ein Schuldbewusstsein, ob der laut Landratsamt fehlenden Genehmigungen für den Umbau, ist in den Äußerungen des Jagdhüttenbesitzers nicht zu entdecken. Ganz im Gegenteil dreht Schwaab, der sich in dem Artikel für seinen Sohn, dem die Hütte gehöre, an die Öffentlichkeit wendet, den Spieß ganz locker um. Nicht sein Sohn sei hier der Schuldige. Vielmehr seien seine Pläne für den Umbau der ehemaligen Jagdhütte in ein “Familien-Ferienhaus mit schönem Seeblick” den Behörden seit langer Zeit bekannt gewesen. Selbst an der Baustelle haben sich Mitarbeiter der Miesbacher Bauaufsicht schon im Januar 2021 ein Bild von den Baumaßnahmen gemacht. Beanstandungen habe es damals nicht gegeben. Ebensowenig beim Bauamt in Bad Wiessee, wo man ebenso frühzeitig vorstellig geworden sei mit dem Projekt.

Hat im Landratsamt jemand etwas verschludert?

Daher sehe man im Haus Schwaab auch sehr gelassen den weiteren Ereignissen entgegen und freue sich auf die schöne Freizeit in der Hütte. Im Landratsamt ist man nun gezwungen, Stellung zu dem angeblichen Besuch der Bauaufsicht im Winter 2021 zu beziehen. Peinlich könnte es werden, wenn herauskommt, dass man von Seiten des Bauamtes die Bauaktivitäten wohl aus den Augen verloren hat.

Denn: Das Landratsamt gibt bei den Kollegen zu, dass im Januar vor einem Jahr tatsächlich einzelne Baumaßnahmen festgestellt wurden, „die jedoch für sich betrachtet teilweise nicht genehmigungspflichtig waren“. Was im Umkehrschluss heißt: Teilweise waren die Umbauten eben doch genehmigungspflichtig? Das jedenfalls bleibt offen. Eine weitgehende Prüfung sei damals wegen des Schnees nicht möglich gewesen. Und danach? Darüber gibt es derzeit keinerlei Informationen. Trotz mehrfacher Anfrage ist die Pressestelle des Landratsamts seit Montagmorgen verstummt. Da wird wohl aktuell intern einiges aufzuarbeiten sein in der Kreisbehörde.

Inzwischen darf man das gesamte Gelände nach Paragraphen 33 des bayerischen Naturschutzgesetzes nicht mehr betreten.

Doch abgesehen davon, ob man in Miesbach vielleicht erneut etwas vergesslich agierte, wird es dem Bauherren trotzdem schwerfallen, seine Geschichte von den reinen “Sanierungsmaßnahmen” aufrechtzuerhalten. Die Rechtssprechung ist in dem vorliegenden Fall jedenfalls sehr eindeutig. Kommt ein Bauherr auf die Idee, im Außenbereich eine zuvor für Jagdzwecke genutzte Hütte in ein Ferienhaus umzuwandeln, steht ihm Ärger ins Haus. Das zeigt ein Urteil in einem sehr ähnlichen Fall aus dem Jahr 2021 – hier nachzulesen.

Nachträgliche Genehmigung durch Duldung – keine gute Strategie

Die Schwaabs und deren das Ferienhaus mitnutzender Anwalt Christian Pegau könnten allerdings darauf spekulieren, dass eine Art “Duldung” der Luxus-Hütte durch das Landratsamt ihnen das Baurecht sichert. Doch auch die Untätigkeit des Amtes in den 14 Monaten nach der ersten Besichtigung wird vor Gericht oftmals nicht als Duldung angesehen, sollte klar nachweisbar sein, dass statt einer Sarnierung einer bestehenden Jagdhütte durch aufwändige Um- und Neubauten ein Feriendomizil entstanden ist. Entsprechende Urteile findet man reihenweise, wie zum Beispiel hier.

Die Herleitung in den Ausführungen des Bauherren, das Gebäude habe immer schon Menschen beherbergt, verfängt sich im Fall der Wiesseer Hütte ebenfalls nicht. Da muss man nur mal die Jäger fragen, die dort früher am Tag vor der Pirsch nächtigten. Die können Geschichten erzählen. Nur von einem luxuriösen Nachtlager samt Badezuber mit Blick auf den See werden sie vermutlich kaum berichten. Für den Seeblick des Luxus-Chalets mussten übrigens einige Bäume ihr Leben lassen.


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