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Naturkäserei Tegernseer Tal gerät zunehmend unter Druck

Blick in die Bilanz: In unruhigem Fahrwasser

Von Martin

Die Naturkäserei schien von Anfang an eine Erfolgsgeschichte zu sein. Lange vor der offiziellen Eröffnung vor zwei Jahren strömten die Besucher nach Kreuth und wollten sehen, was die heimischen Landwirte auf die Beine gestellt haben.

Doch bekanntlich ist nicht immer alles Gold was glänzt. Das belegen nun auch die vor kurzem auf der Gesellschafterversammlung vorgestellten Zahlen. Aus diesen geht hervor, dass die Naturkäserei erneut einen Verlust ausweisen muss: Zwar “nur” 257.000 Euro und damit 50.000 weniger als noch ein Jahr zuvor. Aber das ist einigen Gesellschaftern eindeutig zu viel.

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Ist die Naturkäserei in Kreuth auch wirtschaftlich ein Vorzeigeprojekt?
Ist die Naturkäserei in Kreuth auch wirtschaftlich ein Vorzeigeprojekt?

Dabei geben die Bilanzzahlen und die uns darüber hinaus vorliegende Gewinn- und Verlustrechnung mit den entscheidenden Einnahme- und Ausgabegrößen einen sehr guten Einblick, ob und wie gut die Naturkäserei seit der Gründung gewirtschaftet hat.

Analyse der Aufwandsstruktur

Betrachtet man zu allererst die Ausgabesituation der Naturkäserei, fällt sofort eine Sache auf, die laut der Vorstandschaft der Genossenschaft auch zum erneuten Verlust geführt hat: Die hohen Personal- und Materialkosten.

Diese betrugen im abgelaufenen Geschäftsjahr jeweils über 1,2 Millionen Euro und sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. So liegen beispielsweise die Personalkosten zwischen April 2011 und März 2012 bei 1,249 Millionen. Ein Jahr zuvor machte dieser Posten noch 780.000 Euro aus, was somit einer Zunahme um über 60 Prozent entspricht.

Dies ist insbesondere überraschend, da man bei der Naturkäserei noch vor einem Jahr von einer mittelfristig gesättigten Personalstrukur ausgegangen ist. Eine Aufstockung, die Hans Leo, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft der Naturkäserei Tegernseer Land folgendermaßen begründet:

Die Aussage, dass wir kein weiteres Personal benötigen würden, war zu diesem Zeitpunkt etwas voreilig. Gerade die Entwicklung neuer Produkte hat sehr viel Personal gebunden. Dies war aber wichtig, um weitere Kunden zu gewinnen, was uns im übrigen gelungen ist. Die Kundenzahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen.

Um die Personalkosten auch zukünftig „überschaubar zu halten“, verzichten die sieben Führungskräfte der Naturkäserei laut Hans Leo seit Juli 2012 zudem auf die Bezahlung von Überstunden. Ein Zeichen das unterstreicht, dass die Absichten hier sämtliche Einsparpotentiale auszunutzen, durchaus nicht nur leere Worte sind. Darüberhinaus will man auch die Energiekosten senken. Wie genau erläutert Leo im Gespräch:

Wir müssen die Produktion so gestalten, dass wir Spitzenwerte im Stromverbrauch vermeiden, dadurch senken wir die Energiekosten erheblich.

Zudem werden wir die Produktionsabläufe immer effizienter gestalten, da nun alles eingespielt ist, die Maschinen reibungslos laufen und das Personal mit den Abläufen immer vertrauter wird. Am Anfang hatten wir noch viele Testphasen, alles musste sich erst noch finden.

Milch hat auch ihren Preis

Neben den hohen Personalkosten schlagen auch die Kosten für den Materialaufwand in Form von Milch aber auch für Verpackungsmaterial erheblich zu Buche. Mit 1,235 Millionen Euro hat sich der Posten im Vergleich zum letzten Geschäftsfjahr fast verdoppelt. Mehr Umsatz bedeutet gleichzeitig auch mehr Milch und damit einen höheren Materialaufwand.

Denn auch wenn der Milchpreis in Europa gegenwärtig stagniere, habe Milch nunmal ihren Preis, so Leo. “Da wir nun auch mehr Käse produzieren, sind dementsprechend auch die Materialkosten deutlich gestiegen”.

Reges Interesse zeigten die Gesellschafter bei der vor kurzem abgehaltenen Versammlung, bei der auch die Geschäftszahlen präsentiert wurden.
Reges Interesse bei der vor kurzem abgehaltenen Versammlung, bei der auch die Geschäftszahlen präsentiert wurden.

Bereits auf der Gesellschafterversammlung gab Leo bekannt, dass schon die nächsten Schritte eingeleitet wurden, um weitere Einsparmöglichkeiten in den Betriebsabläufen zu erzielen. Auch will man auf der Ausgabenseite alles genauestens unter die Lupe nehmen und – soweit sinnvoll – zusätzliche Kostenreduzierungen durchführen.

Andererseits wird die Naturkäserei laut Leo aber auch zukünftig auf höchste Service- und Produktqualität setzen, was wiederum einen markanten Rückgang im Personalaufwand eher ausschließen würde.

Signifikante Umsatzsteigerungen nur schwer umsetzbar

Wenn Material und Personalkosten tendenziell nicht sinken werden, muss dementsprechend der Blick auf die Erlösseite der Naturkäserei gehen. Die Umsätze sollen laut dem Vorstand zwar über eine höhere Auslastung in der Käseproduktion gesteigert werden. Aber auch hier scheint bald eine Grenze erreicht zu sein.

Denn schon heute laufen die Maschinen tagsüber beinahe im „Dauerbetrieb“. Die Auslastung lag im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 80 Prozent. Dies teilte Leo den Anwesenden bei der Gesellschafterversammlung mit. Bei einer Vollauslastung geht Leo von möglichen Mehrerlösen von rund 650.000 Euro pro Jahr aus. Addiert man diesen Wert zu den bereits umgesetzten 2,7 Millionen Euro hinzu, würde man dann auf 3,35 Millionen kommen. Ein Jahr zuvor – damals noch mit halber Last – wurden wie bereits erwähnt „nur“ 1,31 Millionen Euro erzielt.

Zur Umsatzverdopplung hat dabei sowohl der Direktverkauf im Laden in Kreuth, der derzeit rund 30 Prozent des insgesamt abgesetzten Käses ausmacht, als auch der Vertrieb an Geschäftskunden beigetragen.

Doch auch die angepeilte Vollaulastung der Produktion wäre mit weiteren Kosten verbunden

Weitere Investitionen nötig

„Um die angestrebte Auslastung zu erreichen, und zugleich unsere Produktpalette zu erhalten, brauchen wir zwingend mehr Lager- und mehr Kühlraum“, sagt Leo und ergänzt: „Wir müssen Geld in die Hand nehmen, um unseren Betrieb für die Zukunft zu positionieren“.

Hans Leo, Vorstand der Naturkäserei

Die nötigen Investitionen will die Genossenschaft mit Eigenkapital und den in Zukunft zu erwartenden Erlösen stemmen. Aus der Bilanz geht hervor, dass das Eigenkapital zum 31. März bei 4,18 Millionen Euro lag.

Wie hoch der zukünftige Finanzbedarf genau ist, darauf wollte Leo nicht näher eingehen. In jedem Fall sei auch auf Grund der geplanten Investitionen in den nächsten drei Jahren nicht mit einer Ausschüttung zu rechnen.

Es werde alles dafür getan, so Leo, dass sich das Kapital der Gesellschafter vermehrt. Allerdings möchte sich der Vorsitzende nicht auf die in Aussicht gestellten 4,9 Prozent Dividende festlegen lassen.

Betrachtet man jedoch die nackten Zahlen wird es gegenwärtig selbst bei einer hunderprozentigen Auslastung der Produktion schwer, schwarze Zahlen zu schreiben. Ein Szenario, dem der Vorstandsvorsitzende widerspricht.

Dieser Eindruck mag auf den ersten Blick entstehen, ich bin jedoch davon überzeugt, dass wenn wir die von mir geschilderten Einsparpotentiale voll ausschöpfen, Erfolg haben werden. Durch eine effizientere Produktion werden wir das schaffen.

Laut Leo werde die Naturkäserei dabei den bisher eingeschlagenen Weg weiter gehen und auch zukünftig auf relativ hohe Preise setzen. Den Verantwortlichen ist durchaus bewusst, dass dies in letzter Konsequenz auch bedeuten kann, auf Kunden, die die Preis nicht akzeptieren wollen, zu verzichten.

Unruhiges Fahrwasser

Alles in allem steht die Naturkäserei demnach vor der Herausforderung die Produktqualität weiterhin hoch, gleichzeitig jedoch die Kosten für Personal und Material langfristig im wirtschaftlich sinnvollen Rahmen zu halten. Beim Material sind die Entscheider dabei abhängig von der Bereitschaft ihrer Genossenschaftsmitglieder erstmal auf weiter steigende Milchabnahmepreise zu verzichten oder eventuell sogar Einnahmeeinbußen in Kauf zu nehmen.

Insgesamt ist die Situation nicht einfach. Entscheidend wird auch sein, wie es gelingt die von der Vorstandschaft vorgestellten Einsparpotentiale zu nutzen. Entfalten diese tatsächlich die erhoffte Wirkung, kann die Naturkäserei auch zu einem langfristigen Erfolgsmodell werden. Ist dies jedoch nicht der Fall, dürfte es zunehmend schwierig werden.

Vor mehr als einem Jahr beschwor Hans Leo das Bild vom Stapellauf für die frisch gestartete Naturkäserei.

(…) wir sind erfolgreich vom Stapel gelaufen, liegen jetzt im Hafenbecken und steuern langsam aber sicher auf das offene Meer zu. Zuversichtlich unser Ziel zu erreichen.

Inzwischen ist das offene Meer längst erreicht. Dort herrscht aber auch ein rauerer Seegang und deutlich mehr Gegenwind, als im Hafenbecken. Und auch wenn das Ziel immer noch klar ist, wird die Richtung zu halten dadurch nicht einfacher.

In der Praxis könnte das bedeuten: wenn die Maßnahmen nicht greifen, dürften die kritischen Stimmen auf Seiten der Gesellschafter noch mehr Gewicht bekommen. Der Druck auf die Naturkäserei wächst.


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