Der ultimative Hüttentest
Teil 3: Satt und glücklich ins Tal

von Rose Beyer

Neuer Test, vier Ziele, ein Fazit. Welche Berggaststätte ist die mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis? Wo kommen Familien nachher am sattesten und zufriedensten ins Tal?

Zuerst haben wir uns zwei „Wohnzimmer der Münchner“ als Touren ausgesucht. Und da beide so nah beieinander liegen und eine sehr kurze Gehzeit aufweisen, wandern wir sie einfach hintereinander ab.

Hafner Alm

Das erste Ziel ist die Hafner Alm – das offenbar beliebte Bergrestaurant auf 1.100 Höhenmetern. Ob es diesen Ruf zu Recht trägt, möchten wir gerne wissen. Nachdem wir die zwei Euro an der Mautstation in Rottach-Egern bezahlt haben, fahren wir die rund drei Kilometer lange geteerte Bergstraße in Richtung Talstation Sutten an der Moni-Alm vorbei und noch ein paar Hundert Meter weiter, wo wir unser Auto abstellen.

Von da an geht es rund zwanzig Minuten zu Fuß weiter. Die Forststraße führt an einem kleinen Bach entlang und teilt sich dann kurz vor dem Ziel: Rechts können Familien mit Kinderwagen weiterschieben. Links führt ein breiter Pfad hinauf zur Alm. Begrüßt werden wir von einem ungewöhnlichen tierischen Bewohner – dem Wolf „Orca“, der gerade von einem (menschlichen) Bewohner Gassi geführt wird.

Streichelzoo in Sichtweite

Orca ist ein dreizehnjähriger Wolf, der gemeinsam mit „Barny“, einem noch jüngeren Wolfshund aus Tschechien, eingereist ist. Stefan Hafner hat sich mit seiner Familie auf der Hafneralm einen kleinen Zoo eingerichtet. Neben Orca und Barny leben hier an die 80 Tiere: ein kleiner weißer Hund namens „Stupsi“, zwei Zwergesel, drei Ziegen, zwei Ponys, zwei Raben, ein Eichhörnchen sowie etliche Papageien, Katzen, Enten, Gänse und anderes Federvieh.

Die Kinder lieben den kleinen Zoo, der – schön angelegt mit Teich und Hütten – wunderbar einsehbar ist von der Sonnenterrasse mit Blick auf die Berge. Wir werden prompt bedient, und schon wenige Minuten später stehen die Getränke auf dem Tisch. Bei der Essensbestellung sind wir heute zurückhaltend. Bereits im Tal haben wir davon gehört, dass es hier zwar ausgezeichnetes Essen geben soll, aber die Preise dementsprechend ebenso gehoben sind.

Leckeres Schnitzel in überschaubarer Portion

Dass es den Kaiserschmarrn nur im Doppelpack (ab zwei Personen für 8,50 Euro pro Person) gibt, finden wir familienunfreundlich und ganz schön gewagt. Also entscheiden wir uns für ein „Schnitzel Wiener Art“ und die Apfelkücherl. Nur wenige Minuten müssen wir warten. Zuerst kommen die Apfelkücherl (6,50 Euro). Sie sind lecker, schön buttrig-fett, allerdings schmeckt der Zimt viel zu sehr hervor.

Das Schweineschnitzel (9,90 Euro) schmeckt so, wie es sein soll. Sogar die Pommes frites sehen selbstgemacht aus und schmecken auch so gut, wie man sie selten findet. Allerdings finden wir, für den Preis hätte es mengenmäßig ruhig ein wenig mehr sein können. Zumindest ein kleiner Salat wäre schön gewesen.

Fazit

Ein Wanderziel für Leute, die wenig gehen und gehoben essen möchten. Kinder lieben diesen Ort wegen der vielen Tiere und dem kleinen Bächlein am Haus, an dem man stundenlang spielen kann. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Speisen auf der Karte können wir schwer über einen Kamm scheren. Es kommt auf die Ansprüche an: Wer anspruchsvollere Küche mag und auch nicht aufs Geld schauen muss, der ist hier richtig. Vor allem abends ist dann auch Reservierung nötig.

Die üblichen Hüttengerichte wie Wiener oder Erbsensuppe kommen hier nicht auf den Tisch. Wer mit mehreren Kindern ankommt und über ein geringes Budget verfügt, bekommt auch nur kleinere beziehungsweise einfachere Gerichte, dafür aber die Unterhaltung zum Nulltarif.

Das hat die Karte im Detail zu bieten:
– Hafners karamellisierter Kaiserschmarrn mit Apfelmus 17 Euro (Für zwei Personen)
– Hausgemachte Tomatencremesuppe 4,90 Euro
– Großer Hühnersuppentopf mit Nudeln, Fleisch und Gemüse 7,90 Euro
– Holzknechtbrot mit Speck, Zwiebeln und Käse überbacken, an bunten Salaten 7,90 Euro
– Sommersalat mit gerösteten Speck-Pfifferlingen 15,90 Euro
– Bierbratwurst gebacken mit Kartoffelsalat 7,90 Euro
– Penne mit frischen Steinpilzen 16,90 Euro
– Schnitzel „Wiener Art“ mit Pommes frites 9,90 Euro
– Hafner-Grill-Menü (eine patentierte Tischgrillspezialität) 35,90
– USA-Steaks in versch. Ausführungen, z. B. Entrecôte mit Beilagen 28,90 Euro
– Dampfnudel mit Vanillesoße 4,90 Euro
– 3 Stück Apfelkücherl mit Vanilleeis 6,50 Euro
– Halbe Helles (Tegernseer) 3,50 Euro

Öffnungszeiten:
Täglich von 11 bis 22 Uhr; Montag und Dienstag ist Ruhetag

Webseite der Hafner Alm

Bäcker-Alm

Nach unserer Einkehr bei den Hafners spazieren wir die wenigen Meter die Forststraße linker Hand weiter leicht aufwärts. Unser Ziel: das Berggasthaus „Bäcker-Alm“ auf 1.190 Meter Höhe. Eine komplett in der Sonne liegende, geräumige Alm mit Rundum-Bergblick. Vor dem Haus befindet sich ein kreativer, selbst gebaut wirkender Spielplatz mit Zweierschaukel und Kletterwand, der von der Terrasse aus einsehbar ist.

Hier wird man nicht bedient, sondern begibt sich zur Speisenausgabe an die Selbstbedienung. Anscheinend will man sich bewusst von der nahe gelegenen Hafner-Alm abheben. Bereits auf der Website hatten wir uns vor Antritt der Wanderung über das Berggasthaus informiert. Seit den späten 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts werden auf der früheren „Lukas-Alm“ Ausflügler bewirtet. Da der Bäcker Fachverein einen Raum für Treffen belegt hatte, wurde daraus später die „Bäcker-Alm“.

Ein Kaiserschmarrn, wie er sein soll

1996 wurde die Alm – nach einem verheerenden Brand – wieder eröffnet und stellt sich seitdem als moderne Gaststätte dar. Eine, die keinen internationalen Gourmettempel kopieren will. Eine Alm, die klare Ziele für die Zubereitung und Auswahl ihrer Speisen vornimmt: frische Zutaten, regionale Zulieferer, saisonal angepasste Gerichte. Die Wirte würden sich freuen, wenn man nach dem Essen sagt: „Guad und schee war’s“, so schreiben sie auf ihrer Website.

Den Gefallen würden wir ihnen gern tun und bestellen an der Selbstbedienungstheke den karamellisierten und flambierten Kaiserschmarrn, mit Apfelmus, aber ohne Rosinen (9,60 Euro) und den Apfelstrudel (4,90 Euro). Ein paar Minuten müssen wir warten, dann wird uns die verführerisch duftende Pfanne an den Tisch gebracht. Schon vorher hatten wir beim Hineinlugen in die Küche sehen können, dass jeder Arbeitsschritt individuell ausgeführt wird und anscheinend keine „Päckchen“ verwendet werden.

Der Kaiserschmarrn überzeugt dann auch in allem: lecker vanillig-buttrig sind die riesigen Stücke. Und mengenmäßig wird locker ein Erwachsener mit Kind satt. Der Apfelstrudel schmeckt ebenso, wie er soll.

Fazit

Ein gemütliches Ziel für Familien. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Speisen würden wir als gut bezeichnen. Für den normalen Geldbeutel wird man satt. Sympathisch finden wir, dass regional und saisonal gekocht wird. Es gibt etliche klassische Hüttengerichte, diese aber auch in untypischeren Varianten wie den Kaiserschmarrn mit Rumrosinen und Mandeln.

Auch zur Unterhaltung hat man sich Gedanken gemacht: Jeden ersten und dritten Sonntag ab 11 Uhr findet Frühschoppen statt. Der 20-minütige Abstieg zur Sutten-Talstation ist für jeden zu schaffen, auch für Eltern mit Kinderwagen.

Das hat die Karte im Detail zu bieten:
– Kaiserschmarrn, karamellisiert und flambiert, in unterschiedlichen Varianten ab 8,40 Euro
– Schokoschmarrn mit Schokocrisps und –soße 6,90 Euro
– Apfel- oder Topfenstrudel mit Vanilleeis oder –soße 4,90 Euro
– Reiberdatschi mit Apfelmus oder Kraut 5,40
– Pfannkuchensuppe 3,90
– Leberknödelsuppe 4,90 Euro
– Wiener Würstl (1 Paar) mit Brot 3,90
– Weißwürstl (1 Paar) mit Breze 5,40 Euro
– Schweinswürstl (6 Stück) mit Kraut 7,80 Euro
– Schweizer Wurstsalat mit Brot 7,90 Euro
– Trilogie vom Obazdn mit Breze 7,40 Euro
– Griebenschmalzbrot 3,90 Euro
– Käsebrett 9,80 Euro
– Brotzeitbrett für 2 Personen 14,90 Euro
– Gröstl mit Spiegelei und Krautsalat 9,90 Euro
– Grillteller mit Kartoffel- und Krautsalat 9,80 Euro
– Hausgemachte Hollerschorle 3,10 Euro
– Halbe Helles (Tegernseer) 3,10 Euro

Öffnungszeiten:
Täglich von 11 bis 18 Uhr
Mittwoch Ruhetag

Webseite der Bäcker Alm

Nächsten Freitag geht es weiter mit dem vierten Teil unseres Hüttentests. Dann auf die Tegernseer Hütte, eingeklemmt zwischen Ross- und Buchstein, und hoch zur Buchsteinhütte.


Diskutieren Sie mit uns
Melden Sie sich an und teilen Sie
Ihre Meinung.
Wählen Sie dazu unten den Button
„Kommentare anzeigen“ aus