Tourismus-Fusion: Schliersees Absage stürzt Gemeinden in Dilemma
Schert jetzt auch das zweite Zugpferd aus?

von Robin Schenkewitz

Die gestrige Absage Schliersees an einen Zusammenschluss der beiden Tourismusorganisationen TTT und ATS hat die Verantwortlichen in den anderen Gemeinden in Aufruhr versetzt. Während die einen fordern, den Kurs konsequent weiterzugehen, wirken andere nachdenklich.

Vor allem Robert Huber, Zweiter Bürgermeister der landkreisweit größten Tourismusgemeinde Bad Wiessee, meldet Bedenken an.

Heute trafen sich viele Verantwortliche im Kreisausschuss
Heute trafen sich viele Verantwortliche aus den Landkreisgemeinden im Kreisausschuss

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Es sind schwierige Zeiten für die Befürworter einer Tourismusfusion – dem Zusammenschluss der beiden großen Organisationen TTT und ATS zu einer “ATS neu”. Nachdem Schliersee, die nach den Übernachtungszahlen größte Gemeinde hinter Wiessee, dem bestehenden Grundsatzbeschluss gestern Abend endgültig entsagt hat, stecken die restlichen Gemeinden nun in einem Dilemma.

„Jetzt muss wieder alles aufs Tablett“, meint beispielsweise der Kreuther Gemeinderat Martin Walch (SPD). Wolfgang Rzehak, Grünen-Gemeinderat in Gmund, findet diese Lösung wiederum falsch. „Wir sollten die Sache jetzt auch mit den 16 Gemeinden weiterhin durchziehen“, so Rzehak.

“Schliersee wird das noch bereuen”

Heute, einen Tag nach dem Schlieerseer Beschluss, trafen sich viele der Verantwortlichen in Miesbach zur Sitzung des Kreisausschusses. Die Tourismusfusion spielte bei der Diskussion eine große Rolle. Einig war man sich allerdings nur in wenigen Punkten.

Einer davon war aber definitiv, dass das „S“ aus ATS verschwinden müsse. Man könne eine Gemeinde, die nicht an vorderster Front dabei sein möchte, nicht im Namen behalten, so die einhellige Meinung der Kreisräte. Ähnlich sieht es mit der weiteren Beteiligung Schliersees an touristischen Aktivitäten aus.

„Wenn eine Gemeinde wiederholt eine für mich falsche Entscheidung trifft, dann kann ich ihr auch nicht mehr helfen“, so Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner. Man werde es in Schliersee schon noch bereuen, wenn die ATS keine Aufgaben mehr übernimmt und auch keine Gäste mehr hinschickt, meint ein emotionaler Lechner. Hier stimmte ihm die Mehrheit der Kollegen zu.

Bleibt Wiessee dabei?

Robert Huber fühlt sich von Schliersee sogar hintergangen. „Ich finde, die Entscheidung kommt unverschämt spät. Man hätte uns schon vor einem Jahr sagen sollen: Leute, wir kriegen das bei uns nicht hin“, so Huber. Aus Hubers Sicht habe man nun hingegen ein Problem:

Ich stand voll hinter dem Projekt. Aber jetzt, wo mit Schliersee eines von zwei Zugpferden wegfällt, haben wir eine andere Situation. Wir sollten erst einmal in Ruhe darüber nachdenken und uns Gedanken machen, ob die Fusion jetzt noch sinnvoll ist. Eins ist klar: Einen Schnellschuss wird es mit Bad Wiessee definitiv nicht geben.

Und auch Martin Walch meinte, dass man sich die weiteren Schritte jetzt genau überlegen müsse. Diesen Vorstoß versuchte Rzehak allerdings schnell einzubremsen. Wenn man jetzt warte, spiele das Schliersee doch genau in die Karten. „Wenn wir das Projekt jetzt fallenlassen, ist es für Jahre tot“, so Rzehaks klare Meinung.

Gremien sollen Lösungen erarbeiten

Landrat Jakob Kreidl sowie Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider schlugen abschließend vor, die verschiedenen Gremien schnellstmöglich tagen zu lassen und dort eventuelle Lösungen zu erarbeiten. „Diese werden wir dann in einer außerordentlichen Bürgermeisterdienstbesprechung gemeinsam besprechen“, so Kreidl.

Dabei stellte der Landrat klar, dass man seit über zehn Jahren versuche, eine gemeinsame Tourismusorganisation aufzubauen. Alle Voraussetzungen seien in der letzten Zeit dafür geschaffen geworden. Alle bis auf eine Kommune hätten zusammengefunden. „Ich empfehle daher ein besonnenes Vorgehen, auch wenn diese Entscheidung alles andere als erfreulich ist“, so Kreidl.

Wie es jetzt weitergeht, soll sich also in den kommenden Tagen zeigen. Sicher scheint derzeit nur, dass Schliersee in nächster Zeit wohl nicht mehr auf die Unterstützung der anderen Gemeinden zählen kann.

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