Im Gespräch mit Josef Bierschneider

Schießerei in Kreuth – was sagt der Bürgermeister?

Von Martin Calsow

Der Fall in Kreuth sorgte für Aufsehen: ein Mann schoss vier Mal auf einen Teenager mit einem Luftgewehr. Die Polizei spricht von einer Handlung aus einer „Bierlaune“ heraus. Nun äußert sich auch Bürgermeister Bierschneider zu dem Vorfall.

Der Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider äußert sich zu dem Vorfall in der Gemeinde.

Vier Mal schoss der Mann auf einen Teenager. Die Polizei spricht von einer Handlung aus einer “Bierlaune” heraus. Eltern in Kreuth sehen das ein wenig anders. Sie fürchten, dass hier eine Straftat bagatellisiert werden soll, und der Bürgermeister kaum in Erscheinung trete. Wir haben Josef Bierschneider in seinem Urlaub erreicht.

Wann und wie haben Sie von diesem Vorfall in Ihrer Gemeinde gehört?

Josef Bierschneider: Ich habe von diesem Vorfall nur aus Dritter Hand gehört, weiß aber nicht mehr, an welchem Tag dies war.

Was haben Sie als Bürgermeister daraufhin veranlasst? Schließlich ist der Täter Mitglied in einer gemeindlichen Einrichtung, der Feuerwehr.

Bierschneider: Uns liegt bislang kein Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen vor. Da die Gemeinde nicht Strafverfolgungsbehörde ist, sondern die Polizei bzw. die Staatsanwaltschaft, ist zuerst diese gefordert, den Sachverhalt aufzuklären und ggf. strafrechtlich Schritte einzuleiten. Wenn der Sachverhalt aufgeklärt ist, werden wir uns und auch die betroffenen Vereine mit den sich daraus ergebenden Folgen auseinandersetzen müssen.

Wie beurteilen Sie das Verhalten? Ist das aus Ihrer Sicht nur ein “Dummer-Jungen”-Streich, oder handelt es sich hier um eine Straftat, die weitere Fragen aufwirft? Schließlich ist der Täter zudem auch in einem Schützenverein Kreuths. Wie ist dort die Ausbildung an der Waffe zu sehen?

Bierschneider: Eine Waffe auf einen anderen Menschen zu richten und abzudrücken, ist kein “Dummer-Jungen”- Streich. Auch wenn möglicherweise Alkohol im Spiel war, ist so etwas nicht zu entschuldigen. Das Verhalten muss nicht nur rechtlich aufgearbeitet werden, ich gehe selbstverständlich davon aus, dass in den betroffenen Vereinen intern geklärt wird, was dies dort für Konsequenzen hat.

Ursprünglicher Artikel vom 20.05.2021 mit dem Titel „Polizei bestätigt nach Wochen Schießerei in Kreuth“

Die Polizei berichtet: “Am 03.05.2021 kam ein 20-jähriger Kreuther zur Polizeiinspektion Bad Wiessee um eine Selbstanzeige zu erstatten. Am Abend des 30.04.2021 habe er sich mit zirka 10 Kreuther Jugendlichen / jungen Erwachsenen in einer privaten Hütte getroffen. Hierbei habe er im Lauf des Abends viermal mit einem Luftgewehr auf den 17-jährigen Geschädigten geschossen. Dieser wurde am Oberkörper getroffen und leicht verletzt. Drei der Schüsse gingen durch die Kleidung des Opfers und verursachen oberflächliche Hautläsionen.”

Aber nicht nur gegen den Schützen wird ermittelt. Auch ein 20-jähriger Kreuther steht im Verdacht, als “Anstifter bzw. Gehilfe” die Tat unterstützt zu haben. Ungewöhnlich: Die Ermittlungsbehörden betonen ausdrücklich, dass sich der Schütze mehrfach beim Opfer entschuldigt habe. Der Fall ist auch aus einem anderen Grund brisant. Der 20-jährige Schütze ist Mitglied im örtlichen Schützenverein wie auch bei der Feuerwehr Kreuth.

Gestern befragten wir den Kreuther Bürgermeister Josef Bierschneider zu dem Vorfall. Er habe nur durch den “Buschfunk” davon gehört, wolle sich auch gar nicht dazu äußern. Dem Lokalpolitiker war sichtlich anzumerken, dass er die Sache gern auf sich beruhen lassen wollte.


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