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Die Kunst der Programmgestaltung im Fools-Kino

Schmankerl-Menü

Von Anita Westphal

Wenn der Pool an interessanten Filmen zu Ende geht, macht sich das Team des Foolskinos auf den Weg. Ende September ging es zum Arthouse-Festival nach Leipzig. Wie es gelingt, die Balance zwischen eigenen Vorlieben, Zuschauer-Interessen und künstlerischem Anspruch zu halten: demnächst in diesem Kino.

Das Team des Fools Kino
Das Team des Fools Kino wählt regelmäßig die Filme für das Holzkirchner Publikum aus

Allein die Fülle ist schon eine Herausforderung. In fünf Tagen wurden bei der Leipziger Filmkunstmesse mehr als 60 Top-Arthouse-Filme präsentiert. Rund die Hälfte schafften die drei Holzkirchner Tom und Karin Modlinger sowie Constanze Eder in drei Tagen. Danach ging beim besten Willen nichts mehr; zu viel für Augen, Ohren, Hirn und Sitzfleisch. Auf jeden Fall haben sie nun einen Überblick, was der Markt hergibt und die entscheidende Frage eines Betreibers: „Ist das was für unser Publikum?“

Auf bestimmte Auswahl-Kriterien lässt sich Tom Modlinger nicht festlegen; insbesondere, weil drei Personen ganz unterschiedliche Geschmäcker haben. Da gibt es nach der gemeinsamen Dienstreise noch einmal interessante Diskussionen, welche Schmankerl das Team den Holzkirchnern nun servieren möchte.

Der Geschmackstest

Modlinger selbst sichtet Inhaltsangaben, checkt bekannte Schauspieler-Namen oder Regisseure. Im Zweifelsfall fragt er auch mal erfahrene Kollegen, die es ja bei einem solchen Termin zuhauf gibt. Wenn da kommt: „Super Film, aber da geht keiner rein“, kann das schon ein Ausschlußkriterium sein. Besprechungen in den Print-Medien sieht der Betreiber sowieso kritisch: „Manche Filme sind richtig gut und werden verrissen. Manche sind hoch gelobt, aber nicht publikumstauglich.“

Die Entscheidungen für bestimmte Produktionen fallen nicht ausschließlich bei solchen Festivals. Ergänzend gibt es so genannte Trade Shows der Verleiher, Internet, Fachpresse und eben Mundpropaganda. Und dann kommt der Geschmackstest vor Ort. Eingefleischte Holzkirchner Cineasten wissen den Sneak Preview zu schätzen, in dem man vorher keine Titel erfährt. Auch am Erfolg oder Misserfolg eines solchen Abends kann sich ein Betreiber orientieren.

Erfolgsgarant Lokalkrimi

Natürlich führt Tom Modlinger sein Foolskino mit cineastischem Herzblut, aber eben auch nach wirtschaftlichen Kriterien. Darum sind die drei Filme im wöchentlichen Angebot gut aufeinander abgestimmt, zum Beispiel: „Drama, Klamotte, Kinderfilm“. So sind verschiedene Zielgruppen angesprochen, denn „sonst mach ich mir ja selbst Konkurrenz“.

Manche Titel, insbesondere Dokumentationen, werden auch mal mit anderen Vorstellungen querfinanziert. So geschehen mit dem Festivalfilm „Wacken“, ein Anliegen für Modlinger als eingefleischtem Hardrocker, oder den Vorführungen der „Frauen in Schwarz“. Dafür läuft dann zum Bundesstart 17 Tage lang, teilweise mehrmals, der Eberhofer-Lokalkrimi „Winterkartoffelknödel“. Schon der Vorläufer, „Dampfnudelblues“, war hervorragend angekommen. Allein die Titel zeugen von solider Hausmannskost.

Junge Zielgruppe im Auge

Aktuell hat Modlinger neue Zielgruppen im Auge. Insbesondere die Altersklasse zwischen 12 und 25 würde er gerne wieder ins Haus holen. Dafür stehen im Oktoberprogramm die deutsche Komödie „Doktorspiele“, der Action-Reißer „Lucy“ mit Scarlett Johannsen oder die düstere „Maleficent“ mit Angelina Jolie.

Die Ausbeute von Leipzig werden etwa zehn neue Filme sein. Welche genau, liegt noch ein bisschen in der Hand der Verleiher. Nicht alles kriegt sein „Dorfkino“ zum Wunschtermin. „Wir sind halt kein Münchner Mathäser“, resümiert Modlinger. Doch drei gesicherte Titel verrät er schon mal.

Humor, Krimi, Gesellschaft

In der schrägen Vampirkomödie „5 Zimmer, Küche, Sarg“ begleitet ein Filmteam eine Vampir-WG durch die Nacht. Einem Neuling werden sozusagen die Regeln des ewigen Lebens vermittelt; „thematisch zwischen „Wir sind die Neuen“ und „Tanz der Vampire““, so Modlinger.

„Einer nach dem anderen“ ist eine dänisch-schwedisch-norwegische Koproduktion. Sie liegt in der Tradition der Skandinavien-Krimis zwischen Mafia, Drogen und gesellschaftlichen Verflechtungen. „Wie ein gutes Steak, scharf angebraten und innen ein bisschen blutig“, kommentiert der Betreiber.

Für „Human Capital“ wird noch nach einem deutschen Titel gefahndet. Der italienisch-französische Film zeigt zwei ineinander verwobene Familiengeschichten zwischen Finanzspekulationen, Luxusleben und drohendem Bankrott. Die Zutaten sind also vielfältig: Humor, Krimi und Gesellschaftsdrama. Wie das Menü den Holzkirchnern schmeckt, wird sich zeigen. Spätestens zur Berlinale im Februar wird wieder neu aufgekocht.

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