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Ein Adeliger aus dem Tal meldet sich zu Wort

AfD-Prinz als „Kronenkraxler“

Wie berichtet, wurde zur Bundestagswahl als AfD-Direktkandidat Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau nominiert. Zweifel am „blauen Blut“ des Tegernseers hat auch ein echter Adeliger, der in Rottach-Egern lebt.

Der Rottacher Georg Prinz zu Bentheim-Steinfurt ist sauer auf den AfD-Adeligen aus Tegernsee.

„Dieser Herr hat einen äußerst fragwürdigen Lebenslauf und meint mit einem falschen Adelstitel ein politisches Amt zu ergattern“, schimpft im Gespräch mit der TS der, der behauptet, alle echten und falschen Adeligen im Tegernseer Tal zu kennen. Georg Prinz zu Bentheim-Steinfurt ist ziemlich aufgebracht, als er über die gekauften oder angeheirateten Titel spricht.

Drei davon würden im „Tal herumlaufen“ und sich brüsten, einer sei der AfD-Wahlkämpfer als Rechtspopulist. „Mir ist der Mann hier vorher überhaupt nicht aufgefallen. Ich weiß auch nicht, was für ein Auktionator er ist, jedenfalls steht er nicht unter den vereidigten“, hätten seine Recherchen gezeigt, sagt der 67-Jährige.

„Das ist kein gebürtiger von Anhalt“

Tatsache ist, dass die AfD auf ihrer Homepage immer eine Vita ihres Prinzen veröffentlicht, die von Kennern in Zweifel gezogen wird. „Herr von Anhalt Dessau studierte Wirtschaftswissenschaften an der Höheren Wirtschaftsfachschule in Calw und ergänzte seine Ausbildung durch ein Kunststudium an der Famous Art School International in München. Seine ersten beruflichen Stationen führten ihn zu einem Kunst- und Modeverlag in Genf und zum Auktionshaus Sotheby’s in New York“.

Er wundere sich, so Prinz zu Bentheim, dass der Lebenslauf des Kandidaten immer noch so auf der Homepage der AfD stehe, „obwohl er widerlegt ist“. Und auch in Dessau, einer Heimatstadt des Hauses Anhalt, gibt es erhebliche Zweifel am AfD-Prinzen. „Ein Herr mit diesem Namen ist mir nie begegnet. Es ist unmöglich, dass er ein gebürtiger von Anhalt ist, erst recht kein von Anhalt-Dessau“, so Eduard Prinz von Anhalt als Familienoberhaupt.

Der Name Anhalt-Dessau sei 1863 nach der Vereinigung aller anhaltischen Herzogtümer nicht mehr geführt worden, es blieb nur noch der Zusatz „Anhalt“ übrig. „Ich ärgere mich immer wieder, dass unser Titel missbraucht wird – und nun auch noch von einem aus der AfD“, so der Prinz aus Dessau gegenüber der Tegernseer Stimme.

Immer wieder kommen solche, die den Adel in Verruf bringen, weil sie glauben, sie wären etwas Besseres.

Sein Verwandter aus Rottach wundert sich, dass auch die Landeswahlleitung in Nürnberg den Tegernseer AfD-Kandidaten nicht näher durchleuchtet habe. „Denn mit einem solchen Lebenslauf könne man sich nirgendwo bewerben, man fliegt sofort wieder über den Türstock raus“, so Georg Prinz zu Bentheim-Steinfurt, aktuell als „Senior Vice President Investments“ für eine Wertpapierhandelsbank in München tätig ist.

Sein Vater ist Botho Prinz von Bentheim und Steinfurt, ein ehemaliger Bundeswehr-Offizier, der 2001 verstarb. „Ich lebe seit über 40 Jahren am Tegernsee. Einst in Bad Wiessee, ist jetzt mein Wohnsitz unweit des Malerwinkels in der Egerner Bucht“, so der Adelige über seinem Lebenslauf.

Den Personalausweis stellte die AfD ins Netz um die Glaubwürdigkeit ihres Kandidaten zu untermauern / Quelle: AfD

Auf seine Antipathie gegenüber dem Tegernseer AfD-Prinzen angesprochen erklärt er:

Ich habe einfach etwas gegen falschen Adel, den es nicht nur bei den Anhalts massiv gibt und sich damit brüstet. Manche sogar als Puffbesitzer, die eine ungarische Tante mit Kohle heiraten.

Damit meint zu Bentheim den Adoptiv-Adeligen Frédéric von Anhalt, der für viele Millionen Euro vier Männer adoptierte und zu Prinzen machte. Ein Sohn ist Arzt, einer betreibt Fitness-Studios, einer Bordelle, ein anderer Stripteasebars. Der echte Adel ist empört. „So geht es einfach nicht. Wir leben doch in keiner Bananenrepublik. Wehret den Anfängen“, fordert der Rottacher Prinz.

Damit wendet er sich gegen “Kronenkraxler” wie den AfD-Kandidaten aus Tegernsee, der wohl 1947 in Stuttgart geboren wurde und erst seit drei Jahren laut Partei-Homepage im Tal leben soll. „Ich möchte wirklich wissen, wie der vermeintliche Adelige einmal hieß. Bestimmt nicht Anhalt“, sagt der „Echte“ zum Abschluss des Gesprächs im Bräustüberl.


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