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Telefonzellen: eine bedrohte Art, nicht nur am Tegernsee

Unpraktisch, selten, teuer

Von Lydia Dartsch

„Wo ist die nächste Telefonzelle im Tal?“ Eine Antwort auf die Frage wissen weder die Deutsche Telekom noch die Gemeinden. Es ist nicht zu übersehen: 25 Jahre nach der Einrichtung des Mobilfunknetzes und der mittlerweile weiten Verbreitung von Handys sterben die Telefonzellen aus.

Lediglich an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen sind sie noch zu finden – meistens ohne schützendes Häuschen – können aber viel mehr als ihre Vorgänger: Sie sind W-Lan-Hot-Spot, versenden SMS, bieten per Touchscreen Zugang zum Internet und Informationen über den Fahrplan.

Quietschgelb sind die öffentlichen Telefone schon lange nicht mehr. Und manchmal sind sie auch gut versteckt.
Quietschgelb sind die öffentlichen Telefone schon lange nicht mehr. Und manchmal sind sie auch gut versteckt.

Schnell mal ein Taxi rufen, um vom Waldfest nach Hause zu fahren – am besten macht man das mit dem Handy. Statistisch gesehen besitze jeder Deutsche mindestens eines, sagt Markus Jodl, Pressesprecher der Deutschen Telekom. Mit dem Siegeszug der Mobiltelefone habe die Bedeutung der Telefonzellen deutlich abgenommen.

Neu ist das nicht. Rund 40.000 „Fernsprecher“ gibt es noch deutschlandweit. Wie viele noch rund um den See stehen, wissen weder die Gemeinden noch die Telekom:

Solche Daten halten wir für diesen Bereich nicht vor. Sollten wir in diesem Gebiet einen Abbau planen, dann wissen die Kommunen Bescheid und können Details zur Verfügung stellen.

Die Standorte und Umsätze der Zellen herauszufinden, sei aufwendig und koste Geld, teilt uns Jodl auf erneute Nachfrage mit. Aber an öffentlichen Orten wie Flughäfen oder Bahnhöfen würden öffentliche Telefone noch rege genutzt.

Auf der Suche nach der nächste Telefonzelle

Eine Möglichkeit, die Standorte herauszufinden, bietet die Suchfunktion der Funkversorgung. Denn von vielen Telefonzellen kann man nicht nur telefonieren, sondern auch SMS verschicken oder einen W-Lan-Hot-Spot nutzen. Deutschlandweit sind 6000 öffentliche Telefone so ausgestattet. Kein zuverlässiger Indikator für Telefonzellen.

Neun Outdoor-Hot-Spots gibt es im Tal insgesamt: drei in Tegernsee entlang der Bundesstraße, drei in Rottach-Egern entlang des Sees und drei in Bad Wiessee. Aber um ein Taxi zu rufen, wenn mal wieder der Handy-Akku leer ist, muss man sie dennoch erst suchen.

Über die Suchfunktion der Funkversorgung kann man nach Outdoor-Hot-Spots suchen. Das sind meistens auch Telefonzellen / Quelle: Telekom.de
Über die Suchfunktion der Funkversorgung kann man nach Outdoor-Hot-Spots suchen. Das sind meistens auch Telefonzellen / Quelle: Telekom.de

Und es werden immer mehr abgebaut. In Absprache mit der Gemeinde Rottach-Egern war im April beispielsweise der Abbau der Fernsprecher in der Georg-Hirth-Straße und am See- und Warmbad beschlossen worden. In In Kreuth gibt es mittlerweile nur noch ein öffentliches Telefon in der Tourist-Info.

Ursprünglich wollte die Telekom dort ein Standard-Telefon einrichten, das man nur noch mit Telefon- oder Geldkarte benutzen kann. Doch wer hat die schon? Die Deutsche Telekom klärt auf:

Sie können die Telefonkarte Comfort im Wert von 5 Euro oder 10 Euro im Handel erwerben: im Telekom Shop, in Postfilialen sowie im Groß- und Einzelhandel.

Tatsächlich gibt es die Telefonkarten im Tal so gut wie gar nicht zu kaufen: Die Deutsche Post verkauft keine mehr in ihren Filialen, sagt uns die Pressestelle. Am Bahnhofskiosk in Tegernsee gibt es keine zu kaufen, und Mathias Wittmann, der das Kiosk im Kreuther Rathausweg betreut, hat sie aus dem Sortiment genommen. Der Fernsprecher in der TI funktioniere schließlich auch mit Münzen.

Unpraktisch ist auch der Tarif: 23 Cent pro Minute kostet ein Gespräch ins innerstädtische Netz. Innerhalb von Deutschland kosten Gespräche 34 Cent pro Minute. Für eine SMS zahlt man 15 Cent. Und wer die Nummer der Taxi-Zentrale nicht auswendig kennt, bezahlt erst einmal 1,20 Euro pro Minute für den Anruf bei der Auskunft. Dabei wird die erste Minute voll abgerechnet. Danach wird im Fünf-Sekunden-Takt bezahlt – auch das anschließende Gespräch mit der Taxizentrale, mit der man sich hat verbinden lassen.

Statt nach Telefonzelle und -karte zu suchen, bittet man also nach dem Waldfest vielleicht doch lieber einen der anderen Waldfestbesucher darum, ihm das Handy für einen Taxiruf zu geben – oder eines zu rufen. Das ist unkomplizierter und vor allem günstiger.

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