Staatsanwaltschaft ermittelt gegen AfD-„Prinzen“

Verdacht auf Urkundenfälschung

Der Mann aus Tegernsee, der sich Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau nennt, bewirbt sich als Direktkandidat der rechtspopulistischen AfD zur Bundestagswahl. Wie berichtet, gibt es Zweifel an seiner wahren Identität. Nun ermittelt sogar der Staatsanwalt.

Constantin Prinz von Anhalt-Dessau will in den Bundestag.

Dem Politik-Neuling Constantin Prinz von Anhalt-Dessau könnte eine Anzeige zum Verhängnis werden, die aus seinem politischen Umfeld stammen soll. Offenbar ist man auch in den eigenen Reihen daran interessiert, dass bekannt wird, „mit welcher Art von Personen man es in der AfD-Führungsmannschaft von Oberbayern-Süd zu tun hat“.

Denn unbestritten ist, auch vom Direktkandidaten, dass der inzwischen 70-Jährige ein Bürgerlicher mit dem Geburtsnamen Michael Hipp ist und in Stuttgart geboren wurde. Doch die AfD beharrt weiter darauf, dass ihr Kandidat ein Adeliger sei und seine Mutter eine Prinzessin von Anhalt. Bestätigen soll dies die Homepage zum Prinzen. Darauf ist inzwischen eine Geburtsurkunde vom 21.01.2016 einer Stuttgarter Standesbeamtin zu sehen.

Adoptierter und angeheirateter Titel?

Seinen wahren Geburtsnamen enthält die „Urkunde“ ebenso wenig, wie den Titel-Zusatz „Dessau“, mit dem der „Prinz“ nun auf den Stimmzetteln zur Wahl steht. Dies könnte ihm bei den Ermittlungen zum Verhängnis werden. Denn die Polizei-Direktion Oberbayern bestätigt, „dass die Kripo Weilheim nach Eingang einer Anzeige Ermittlungen vornimmt.

Eine Bewertung, ob strafrechtlich relevantes Verhalten gegeben ist, obliegt der Staatsanwaltschaft. Die Übergabe der Ermittlungsergebnisse an die Staatsanwaltschaft München II steht unmittelbar bevor“, so Pressesprecher Andreas Guske.

Den Personalausweis stellte die AfD ins Netz um die Glaubwürdigkeit ihres Kandidaten zu untermauern / Quelle: AfD

Der Beschuldigte beharrt gegenüber der Tegernseer Stimme darauf, dass sein Titel sowohl adoptiert als auch angeheiratet sei. Für letztere Adelung gibt es Beweise, die Hochzeit in den 80er Jahren mit der schillernden Adoptiv-Prinzessin Beatrix von Anhalt. Sie ist eine geborene Thurnhuber aus Garmisch. Als Schneiderin wurde sie von Prinzessin Alexandra zu Anhalt adoptiert, die damit ihre Kasse aufbesserte.

Etwa 80 gekaufte „Adoptiv-Anhaltiner“ soll es inzwischen geben, erklärt das Familien-Oberhaupt Eduard Prinz von Anhalt. Und weiter: Der Name Anhalt-Dessau sei 1863 nach der Vereinigung aller anhaltinischer Herzogtümer angeschafft worden. Danach habe es nur noch Anhalts gegeben. Auch beim Adelsarchiv zuckt man die Schultern. Einen Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau kenne man nicht.


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