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Angespannte Personalsituation? Das sagen Holzkirchner Kitas

Viel Verantwortung für wenig Geld

Von Marius Mestermann

Erst lange Ausbildung, dann schlechte Bezahlung: Das sind die Aussichten vieler Kindererzieher, auch im Oberland. An einigen Kindergärten herrscht daher chronischer Personalmangel. Kinder kommen hingegen weiter zahlreich nach – ein strukturelles Problem.

Nicht nur die Kinder, sondern auch Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen bringen Farbe in die Holzkirchner Kitas.
Nicht nur die Kinder, sondern auch Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen bringen Farbe in die Holzkirchner Kitas.

„Der Markt ist leer, es gibt einfach nicht genügend Kräfte“, sagt Maria Korell, Leiterin des Kindergartens Frühlingsdorf in Holzkirchen. Und bringt das Problem damit auf den Punkt: In vielen deutschen Kindertagesstätten fehlt es an Erziehungspersonal. Zwar werde derzeit viel ausgebildet, so Korell. Aber es dauere noch einige Zeit, bis die neuen Arbeitskräfte endlich verfügbar seien.

Weil der Einstiegsverdienst nach relativ langer Ausbildung jedoch oft gering ist, sind die Erzieherberufe finanziell nicht mehr attraktiv. Brigitte Koschig von der Kinderkrippe Sonnenkäfer findet: „Der Beruf ist generell unterbezahlt. Wenn man bedenkt, welche Verantwortung damit einhergeht, sollte die Tätigkeit als Erzieher besser entlohnt werden.“

Hohe Anforderungen an die Belastbarkeit

Koschig erinnert zudem daran, dass zum Beispiel junge Menschen während der insgesamt fünfjährigen Ausbildung zum Kinderpfleger und Erzieher keinen Lohn erhalten. Auch Fördergelder seien nicht immer einfach zu bekommen – da müssten die Auszubildenden nebenher oft noch jobben, so Koschig. Doch auch als ausgebildete Kraft sei der Verdienst kaum ausreichend, um selbst eine Familie ernähren zu können.

Ähnlich sieht man die Lage in der Holzkirchner Kita „Die kleinen Strolche“. Sabine Jüllich denkt, dass die Anforderungen an Erzieher sehr hoch sind, zum Beispiel in puncto Belastbarkeit. Man müsse für diesen Beruf viel Durchhaltevermögen mitbringen, sagt sie: „Das ist einigen zu viel.“

Generell arbeiten viele nur in Teilzeit, oft engagieren sich Mütter in den Kitas. Es komme aber auch vor, so Jüllich, dass Erzieherinnen, die aus dem Mutterschutz zurückkehrten, von der Aufgabe überfordert seien. Andere sehnen sich nach einer beruflichen Veränderung oder wollen sich weiterbilden. Jüllich:

Der Verdienst liegt ganz unten. Die Bezahlung im Erzieherberuf ist nicht angemessen.

Der Beruf sei finanziell nicht mehr interessant, sagt auch Anette Husung vom evangelischen Kindergarten Hollerbusch. Da sei Personalknappheit die logische Folge. Man müsse dem Beruf den nötigen Wert beimessen. Schließlich geht es um die Erziehung des Nachwuchses.

Zwar sei man im Kindergarten Hollerbusch selbst noch nicht betroffen, so Husung, doch in diesem Jahr gebe es schon mal keine Vorpraktikantin: „Niemand hat sich beworben.“ Derzeit sei der Verteilungsschlüssel mit 21 Mitarbeitern allerdings gut ausgelegt. Ob die Personal- und Nachwuchssituation bei den Erziehern direkt mit der Trägerschaft zusammenhängt, ist indes schwer abzuschätzen.

Laut Brigitte Koschig ist die Arbeit als Erzieher und/oder Kinderpfleger sehr vielseitig und daher oft anspruchsvoll, unabhängig vom Träger. „Es geht eben nicht nur ums Betreuen, Bespielen und Bespaßen der Kinder, sondern man muss sich auch mit Bürokratie auskennen und Elternarbeit leisten.“

Oft wird die Lage auch durch das Verhältnis von Eltern und Erziehungspersonal bestimmt. An den bundesweiten Kita-Streiks beteiligten sich die gemeindlichen Holzkirchner Erzieherinnen nicht, sie wollten die Eltern nicht im Stich lassen. Aber: Die Schere zwischen der Fülle an Verantwortung und der mageren Bezahlung schließt sich nicht durch Solidarität, und schon gar nicht, wenn Kita-Plätze immer begehrter werden. Das Aus des Betreuungsgelds könnte die Situation weiter verschärfen.

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