Vom Tegernseer Tal zum Flug: Was die Anfahrt wirklich kostet

Wer aus dem Tal in den Urlaub fliegt, stellt jedes Mal dieselbe Rechnung auf. Der Flug geht früh, am Terminal soll man zwei Stunden vorher sein, und die Nacht davor wird kurz. Für die kurze Strecke nach München ist das noch überschaubar. Sobald das Reiseziel aber von einem anderen Flughafen aus bedient wird, bestimmt nicht mehr der Flug die Planung, sondern die Anfahrt, und damit stellt sich die Frage nach dem Auto. Für manche Ziele ist der passende Abflughafen ohnehin nicht München, sondern Zürich, und dann steht der Wagen zwei Wochen jenseits der Grenze. Beim Parken am Flughafen Zürich etwa liegt der Stellplatz außerhalb des Flughafengeländes: Ein Shuttle bringt die Gäste in acht Minuten zum Terminal, und das Fahrzeug steht in einem Parkhaus, geschützt vor Regen, Schnee und Sonne.

Schaftlach, Tegernsee und ein Planungsvertrag über 2,3 Millionen Euro

Auf der Schiene ist im Oberland etwas in Bewegung, nur langsamer, als viele im Tal hoffen. Im Oktober 2024 wurde der Planungsvertrag für die Elektrifizierung der Strecke Schaftlach–Tegernsee unterzeichnet, mit einem Volumen von rund 2,3 Millionen Euro. Die Tegernsee-Bahn ist dabei der Infrastrukturbetreiber auf diesem Abschnitt, die übrigen Strecken des Oberlandnetzes verantwortet die Deutsche Bahn.

Der Zeitplan ist allerdings der Haken. Mit dem Bau ist nach Angaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft erst in den frühen 2030er Jahren zu rechnen. Die Mitteilung der BEG nennt dafür die Abhängigkeit von den Planungen beider Infrastrukturbetreiber. Für jeden Flug, der in diesem Jahrzehnt gebucht wird, ändert der Fahrdraht also nichts.

Für den Frühflug hilft der Fahrplan nicht weiter

Der Zug gewinnt auf dieser Strecke, solange man bei Tageslicht und mit leichtem Gepäck unterwegs ist. Bei einem Abflug am frühen Morgen und bei einer Rückkehr nach Mitternacht kippt das Bild, und zwar unabhängig davon, ob unter Fahrdraht gefahren wird oder nicht. Zwei Koffer, ein Kinderwagen und ein Umstieg sind für eine Familie eine andere Aufgabe als für einen Geschäftsreisenden mit Handgepäck.

Dazu kommt die Rückfahrt, die in der Planung fast immer untergeht. Ein Flug, der abends landet, endet für viele erst weit nach Mitternacht im Tal, sobald der letzte Anschluss weg ist. Wer sein Auto am Flughafen stehen hat, fährt in diesem Moment einfach los, und genau deshalb entscheidet sich mancher im Tal am Ende doch für den eigenen Wagen.

Und wenn das Ziel nicht von München aus bedient wird?

Nicht jede Verbindung gibt es von jedem Flughafen aus. Wer eine bestimmte Langstrecke, eine bestimmte Umsteigezeit oder einen bestimmten Tarif braucht, richtet sich nach der Route und nicht nach der Entfernung zum Terminal. Ein Beispiel aus dem Winterhalbjahr ist Colombo auf Sri Lanka. Ab Zürich fliegt Edelweiss die Strecke nonstop, ab München führt sie nur über einen Umstieg. Aus einem Flug werden dann zwei, mit Wartezeit an einem dritten Flughafen und mit Gepäck, das am Ende der Kette wieder auftauchen muss.

Für Reisende aus dem südlichen Oberland verschiebt sich damit die Rechnung: Die Anfahrt nach Zürich dauert länger als die nach München, dafür entfällt der Umstieg. Wer mit zwei Kindern und Gepäck reist, bewertet einen gesparten Umstieg oft höher als zwei zusätzliche Stunden im Auto.

Der Weg zum Flughafen fehlt in der Urlaubsrechnung

Bei einer Urlaubskalkulation stehen Flug und Hotel oben, die Anreise zum Terminal fast nie. Sie besteht aber aus mehreren Posten: Kraftstoff oder Strom für die Strecke, bei einer Fahrt in die Schweiz zusätzlich die Autobahnvignette und je nach Abflugzeit eine Übernachtung oder eben zwei Stunden weniger Schlaf.

Der Stellplatz gehört in dieselbe Spalte. Zwei Wochen sind der klassische Urlaubszeitraum, und über diesen Zeitraum wird aus einem Tagespreis eine Summe, die mit dem Flugpreis eines Kurzstreckentickets vergleichbar ist. Wer die Anreise vollständig durchrechnet, entscheidet sich am Ende oft für einen anderen Abflugort als jemand, der nur die Flugpreise vergleicht.

Wie groß dieser Posten ausfällt, lässt sich am Zürcher Beispiel ablesen. Der eingangs erwähnte Anbieter nennt Preise ab 99 Schweizer Franken pro Woche und verspricht gegenüber dem Parken am Flughafen selbst eine Ersparnis von bis zu 50 Prozent. Wer mit Kindern und Gepäck nach einer langen Anfahrt eintrifft, liest aus der Leistungsliste vermutlich nur zwei Zeilen: Es gibt eine kostenlose Lounge, und beim Gepäck hilft auf Wunsch jemand mit. Für große Fahrzeuge wird ein Aufschlag von 50 Prozent fällig; Vans und Kombis mit Dachbox fallen darunter.

Schnee, Standzeit und die Rückkehr um zwei Uhr nachts

Im Tal kommt ein Punkt hinzu, der an einem norddeutschen Flughafen seltener eine Rolle spielt. Ein Auto, das zwei Wochen im Januar draußen steht, wird eingeschneit, die Scheiben frieren zu, und die Rückfahrt beginnt nach einer Nacht im Flugzeug mit zwanzig Minuten Eiskratzen. Ein überdachter Stellplatz ist deshalb weniger Komfort als Zeitgewinn im ungünstigsten Moment der Reise.

Der zweite Punkt ist die Nacht selbst. Eine Maschine, die mit drei Stunden Verspätung landet, trifft auf einen Betrieb, der entweder rund um die Uhr läuft oder eben nicht. Die Zürcher Anlage etwa arbeitet nach Angaben des Betreibers durchgehend, mit Personal vor Ort und mindestens zwei Shuttles, sodass auch dann in wenigen Minuten ein Fahrzeug bereitsteht, wenn eines gerade unterwegs ist. Für eine Familie, die um zwei Uhr nachts mit Gepäck vor dem Terminal steht, ist das der Unterschied zwischen einer Heimfahrt und einer weiteren Übernachtung.

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