Wer kontrolliert den Versorger?

von Robin Schenkewitz

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In der letzten Zeit haben sich in Bad Wiessee die Wasserrohrbrüche gehäuft. Zweimal im Freihauswinkel und einmal beim Seefest gingen die Versorgungsleitungen zu Bruch. Sind einige der Leitungen etwa marode? Wir haben bei der Gemeinde nachgehakt und festgestellt: Bei vielen Rohren kennt man den Zustand gar nicht genau.

Zufällige Häufung

Rohrbrüche passieren. Doch in Bad Wiessee kam es in den vergangenen Monaten zu einer gewissen Häufung. Beinahe im Wochentakt ging eine Wasserleitung zu Bruch. „Die zeitliche Abfolge war in diesem Jahr tatsächlich außergewöhnlich“, meint Thomas Holzapfel vom Wiesseer Bauamt, der bei der Gemeinde für die Wasserleitungen zuständig ist.

Eine generelle Steigerung bei der Anzahl der Wasserrohrbrüche kann Holzapfel hingegen nicht verzeichnen. Das sei alles noch im normalen Bereich, so das Credo. „Die vermehrte Anzahl in den letzten Wochen ist rein zufällig.“ Dies bestätigt auch Sylvia Glonner vom Wasserversorgungsverein Egern. „Zwischen drei und 30 Rohrbrüchen pro Jahr beträgt etwa die Schwankung“, so Glonner.

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Dies hänge auch von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel starkem Frost. In diesem Jahr sei allerdings nichts dergleichen zu verzeichnen gewesen. „Nein, heuer war eigentlich alles normal“, weiß Glonner.

Wenn es aber dennoch zu einem Wasserrohrbruch kommen sollte, erklärt Holzapfel, wie man diesen findet:

Wasserrohrbrüche sind nicht immer von außen her sichtbar und daher oft nur durch eine systematische Prüfung zu orten. Das Wasserleitungsnetz wird ständig auf diese Leckstellen und Wasserverluste hin überprüft. Diese werden dann im Bedarfsfall auch entsprechend behoben.

Mit dieser Methode kann man allerdings nur zwei Zustände feststellen: dicht und undicht. Alles Weitere bleibt den Wassermeistern in der Regel verborgen. Nicht einmal das Material oder das Alter der Rohre könne man genau bestimmen, weiß Holzapfel.

Hand in Hand mit Straßenarbeiten

Denn früher wurde das Rohrleitungsnetz nicht so genau vermessen und kartografiert, wie es heute der Fall ist. „Da hat man einfach das Rohr verlegt, das Loch verschlossen, und gut war‘s“, meint der Bauamtsmitarbeiter. Im Nachhinein ist es dann natürlich schwierig, das noch nachzuvollziehen. Daher könne man auch kein generelles Alter der Rohrleitungen angeben.

Dies sei mit ein Grund dafür, dass die Gemeinde ständig daran arbeite, das Netz zu modernisieren. „Bei der Durchführung von Straßenarbeiten werden in der Regel die Wasserleitungen mit erneuert“, erklärt Holzapfel. Das mache auch nur Sinn, da die Straßendecke dort sowieso schon einmal aufgebrochen wird.

Der Wasserrohrbruch am Seefest war nur einer von vielen Rohrbrüchen in Wiessee innerhalb der letzten beiden Monate. Daher wird das Netz immer wieder erneuert
Der Wasserrohrbruch am Seefest war nur einer von vielen Rohrbrüchen in Wiessee innerhalb der letzten beiden Monate.

Beim Anschluss von Neubauten wird ebenfalls geprüft, ob eine Erneuerung der Hauptleitungen in Teilabschnitten erforderlich und wirtschaftlich ist. So wird zum Beispiel demnächst im Zuge eines Neuanschlusses die alte Hauptleitung im Rupertiweg auf einer Länge von rund 130 Metern erneuert.

Kosten nicht in Millionenhöhe

Wie teuer solche Maßnahmen sind, sei von einer Vielzahl von Faktoren abhängig: der Durchmesser des Rohres, der Zugänglichkeit des Geländes, des Material etc. “In die Millionen geht es allerdings nicht”, verspricht Holzapfel. Als Richtwert gibt der Experte eine bald anstehende Maßnahme an:

Dieses Jahr wird eine alte Hauptwasserleitung erneuert, die von der Söllbachtaltstraße zum Hochbehälter Prinzenruh verläuft. Die Leitung mit 180 Millimeter Durchmesser wird auf einer Länge von knapp 620 Metern erneuert. Die Kosten hierfür betragen 175.000 Euro.

Laut Aussage der Gemeinde wird demnach ständig kontrolliert und erneuert. Doch was immer Holzapfel uns verrät, wir müssen es glauben. Denn die Gemeinde ist sowohl für die Instandhaltung als auch für die Überprüfung des Wassernetzes zuständig. Denn es gibt, laut Landratsamtsprecherin Gabriele Dorby, für die Kontrolle des Wassernetzes keine übergeordnete Aufsicht. Der, der das Netz betreibt, kontrolliert sich selbst.

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