Ukraine-Krieg lässt die Kosten für Gas auch im Tal explodieren

Wer soll das alles bezahlen?

Von Sabiene Hemkes

An der Tankstelle kriegen wir trotz Tankrabatt der Regierung noch immer Schnappatmung. Beim Einkaufen müssen wir dreimal nachfragen, ob der extrem hohe Preis auch wirklich stimmt. Und jetzt wartet schon der nächste Preishammer auf uns – die verdreifachten Gaspreise und dazu die neue Umlage ab Oktober. Was erwartet uns?

Heizen wird teuer im nächsten Winter – nicht nur für Gaskunden.

Noch im September 2021 lag der Preis für eine Kilowattstunde Gas bei 6,84 ct im Durchschnitt. Nur 10 Monate und einen europäischen Krieg später hat sich dieser Preis auf 16 ct pro Kilowattstunde verdreifacht. Nach der Liberalisierung des Gasmarktes im Jahr 2013 galt Gas als der sichere und preisstabile fossile Brennstoff. Viele Menschen im Tegernseer Tal haben in den letzten Jahren die alte Ölheizung durch eine Gasheizanlage ersetzt – gemäß dem Motto des heimischen Gasversorgers Tegernseer Erdgasversorgungsgesellschaft mbH & Co. KG:

A saubere Gschicht! – klimafreundlich – zuverlässig – sicher …denn ihre Energie sind wir.

Doch der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Entwicklungen ändern alles. In der letzten Woche kündigte Bundeswirtschafts- und Energieminister Robert Habeck zusätzlich zu den deutlich gestiegenen Preisen einen weiteren Preisschocker für die deutschen Gaskunden an: Die Gas-Umlage für alle privaten Haushalte.

Diese Umlage soll ab Oktober pro verbrauchte Kilowattstunde zu den schon sehr hohen Gaspreisen hinzukommen. Geplant sind zwischen 1,5 bis 5 Cent zusätzlich pro verbrauchter Kilowattstunde. Damit sollen die hohen Verluste der Energieimporteure für den Zukauf von Gas auf dem Weltmarkt ausgeglichen werden.

Was kommt auf diejenigen zu, die bei uns im Tal mit Gas heizen?

Was aber bedeutet die Gas-Krise aktuell für unseren Geldbeutel hier im Tal? Seid ihr Gaskunden und habt einen bestehenden Liefervertrag mit Preisbindung bei einem der Anbieter, ändert sich erstmal nichts bis Oktober. Danach müsst ihr verbrauchabhängig die neue Gasumlage bezahlen. Ob das dann 0,015 Euro oder im schlimmsten Fall 0,05 Euro werden, erfahren wir erst Ende August. Dann soll die Umlagehöhe verbindlich festgelegt werden. Wir haben euch schon mal ausgerechnet, was bei 1,5, 2,5 oder schlimmstenfalls 5 cent pro Kilowattstunden auf euch zukommen kann.

Die neue Gasumlage soll zwischen 1,5 und 5 cent liegen. Obenstehend seht ihr die möglichen Kosten die ab Oktober pro Jahr auf euch zukommen.

Was aber passiert, wenn euer Gasvertrag jetzt in den nächsten Wochen ausläuft? Na, dann wird es deutlich teurer für euch. Zu der neuen Gasumlage ab Oktober müsst ihr euch auf einen deutlich höheren Preis für euer Gas einstellen. Wir haben bei einem Vergleichsportal im Internet mal mit einem günstigen Anbieter die Kosten für einen neuen Gasliefervertrag durchgerechnet. Beim Abschluss eines Neuvertrages oder einem Anbieterwechsel in Bad Wiesse müsst ihr mit deutlich gestiegenen Kosten rechnen (hier eine Übersicht der Abfrage).

Auch sonst gewohnte hohe Bonuszahlungen und Rabatte werden aktuell kaum noch angeboten. Bei einem Verbrauch von 5.000 Kilowattstunden (bei zirka 50 Quadratmeter Wohnraum) im Jahr zahlt ihr dann mit einem neuen Vertrag zirka 120 Euro im Monat. Wenn ihr im Jahr 12.000 Kilowattstunden Gas verbraucht, kommt ihr auf etwa 255 Euro monatlich. Verbraucht ihr um die 20.000 Kilowattstunden im Jahr, was etwa einem Haus oder einer Wohnung mit 150 Quadratmetern entspricht, seid ihr mit fast 440 Euro monatlich dabei.

Vorsicht beim Abschluss eines neuen Gasvertrages

Aber nicht vergessen, das sind nur Beispielwerte eines sehr preisgünstigen Anbieters. Es geht auch deutlich teurer. Die Preisspanne bei den Gasanbietern variiert aktuell stark. Zudem solltet ihr euch die angebotenen Verträge sehr genau anschauen. Besonders die Frage, ob es im Angebot eine Preisgarantie für 12 Monate gibt, ist bei den aktuell stark ansteigenden Gaspreisen und der unsicheren Lieferlage aus Russland zu beachten. Die Situation wird sich in diesem Winter aber wohl nicht so schnell erholen, sondern es steht zu befürchten, dass die Gaspreise noch weiter steigen könnten. Lasst euch beraten – am besten bei den Verbraucherzentralen oder eurer Gemeinde.

Feststeht: Auf viele Menschen im Landkreis, die jetzt schon unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten und den hohen Spritpreisen leiden, kommen schwere Zeiten zu. Zwar versprechen Habeck und die Bundesregierung besonders von der Entwicklung betroffenen Menschen, eine gezielte finanzielle Unterstützung. Doch noch weiß niemand, wie diese aussehen wird und wer sie in Anspruch nehmen kann.

Was man jetzt schon tun kann

Ein Mittel wird sicherlich sein, Energie zu einzusparen, wo immer es geht. Das betrifft neben dem Gas auch unseren Stromverbrauch. Das ist die nächste schlechte Nachricht für alle Privathaushalte: Denn in keinem anderen Bundesland wird so viel Strom mithilfe von Gas erzeugt wie bei uns in Bayern. Es steht daher zu erwarten, dass der bereits seit Monaten steigende Strompreis auch unseren schmal gewordenen Geldbeutel zusätzlich belasten wird.

Daher rät die Deutsche Verbraucherzentrale vom Kauf elektronischer Heizgeräte ab. Diese Heizalternative werde ebenfalls zu hohen Kosten führen, heißt es in der Warnung. Zudem wird von den Verbraucherzentralen befürchtet, dass es zu einer Stromverknappung im Winter führen könnte, wenn zu viel Strom zu Spitzenzeiten verbraucht wird.

Aber was bleibt? Wir von der TS werden euch in dieser Woche einige einfache und effiziente Tipps zum Energiesparen vorstellen – insbesondere mit Blick auf den Winter. Denn der kommt schneller als uns lieb ist. Und auch die Gemeinden im Tal stehen in der Verantwortung und müssen auf die Energiekrise reagieren. Wie und mit welchen Mitteln, werden wir berichten.

 

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie an einer aktuellen TS-Umfrage teilnehmen. Alles was dafür nötig ist, sind ein paar Minuten Ihrer Zeit. Wir freuen uns auf Ihr Feedback! Hier geht’s zur Umfrage:

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