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Lebenslauf mit großen Widersprüchen

Wie echt ist der AfD-Prinz vom Tegernsee?

Mehr Schein als Sein könnte auf den AfD-Wahlkämpfer Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau zutreffen. Denn Recherchen zeigen, dass der vermeintlich Adelige ein Bürgerlicher ist.

Constantin Prinz von Anhalt-Dessau will in den Bundestag.

Wie berichtet, tritt der inzwischen 70-Jährige aus Tegernsee als Direktkandidat der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) zur Bundestagswahl für den Wahlkreis 223 an. Auf der Homepage des Kreisverbandes Oberbayern Süd stellt sich der Kreisvorsitzende als Student der „Wirtschaftswissenschaften an der Höheren Wirtschaftsfachschule in Calw“ vor.

Als Zweifel daran laut wurden, ruderte die Partei zurück. Es sei „weder von ihm selbst noch von der AfD an irgendeiner Stelle angegeben worden, dass er Abitur oder gar einen Hochschulabschluss besäße“. Der „studierte Wirtschaftswissenschaftler“ hatte keins von beidem.

Traumhochzeit mit Beatrix von Anhalt

Er absolvierte, wie nun Recherchen der TS zeigen, 1962 die kaufmännische Berufsfachschule und 1963 die Handelsschule in Calw. 1964 verliert sich die Spur des am 17.08.1947 geborenen Stuttgarters. Er wurde in den Archiven auch nicht als Prinz zu Anhalt geführt, sondern mit seinem Geburtsnamen Michael Hipp. Es dauerte ein paar Jahre, bis er es als Kosmetikunternehmer aus München in die Gazetten schaffte.

Mit der Heirat der Adoptiv-Prinzessin Beatrix von Anhalt wurde aus Michael Hipp ein “Prinz”.

Anfang der 80er Jahre landete Hipp einen Coup: die Hochzeit mit der schillernden Adoptiv-Prinzessin Beatrix von Anhalt. Sie ist eine geborene Thurnhuber aus Garmisch. Die Schneiderin wurde von Prinzessin Alexandra zu Anhalt adoptiert, die damit ihre Kasse aufbesserte. Mehr als 37 gekaufte „Adoptiv-Anhaltiner“ soll es inzwischen geben.

„Dumm gelaufen“

Einer davon ist der „AfD-Prinz“. Sein Pech: Die Ehe wurde von Beatrix annulliert. Denn seine Frau glaubte, sie hätte in das berühmte Hipp-Babynahrungsunternehmen eingeheiratet – dabei war der Mann ein Hochstapler, so die BUNTE im Jahr 2002: „Dumm gelaufen“.

Doch zum Trost blieb Michael Hipp sein Adelstitel. Fortan nannte er sich Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau. Während er aus dem Blickwinkel verschwand, gab seine Ex-Frau richtig Gas. Beatrix, einst ständige Begleiterin des Fürsten Johannes von Thurn und Taxis, wurde nun die Lebensgefährtin des schwerreichen Bauunternehmers, Multimillionärs und Präsidenten des Fußballvereins 1860 München, Karl Heckl.

Drei Wochen nach der Geburt von Sophie Alexandra, dem ersten gemeinsamen Kind, starb der 61-Jährige 1988 an einem Herzinfarkt. Die damals 33-jährige „Bea“ soll 100 Millionen Mark von ihm geerbt haben. Zahllose Erbstreitigkeiten folgten.

Der „Prinz“ und die Rechtsextremen

Michael Hipp alias Constantin Leopold Prinz von Anhalt-Dessau musste von nun an seine Brötchen selbst verdienen. In den 90ern soll er ein Unternehmen für Immobilienentwicklung und Investitionsberatung in Berlin gegründet haben, so seine AfD-Homepage. Überprüfen lässt sich dies nicht, was Prinz von Anhalt-Dessau der Öffentlichkeit und auch seiner Partei erzählt. Letztere folgt ihm unverdrossen.

Kein Wunder, denn der „Prinz“ mischt nun im rechtsextremen Spektrum mit. Im März vergangenen Jahres war er zwar noch Vize-Kreisvorsitzender der AfD-Oberbayern Süd, doch in Geretsried marschierte er Seite an Seite mit bekannten Verschwörungstheoretikern der „Pegida“, von der „Identitären Bewegung“ und den „Reichsbürgern“, die immer noch behaupten, Deutschland sei von den Amerikanern besetzt.

Nicht überliefert ist, dass sich der AfD-Prinz mit Wohnsitz in Tegernsee, eine der wohlhabendsten Regionen in Deutschland, davon distanziert hätte. Im Gegenteil. Er schaffte es bis an die Parteispitze in Oberbayern. Doch er bleibt nahezu ein Phantom – wären da nicht die Wahlplakate des Michael Hipp alias Constantin Leopold Prinz zu Anhalt-Dessau. Weder er noch die Partei waren zu einer Stellungnahme bereit.


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