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Protestierende Flüchtlinge haben Holzkirchner Ortszentrum verlassen

Abzug der resignierten Asylbewerber

Von Marius Mestermann

Gut eine Woche lang erregten rund 25 Eritreer große öffentliche Aufmerksamkeit – in Holzkirchen und darüber hinaus. Mit ihrer Protestaktion sorgten die Asylbewerber aber auch für viel Unverständnis bei Bürgern und Behörden. Nun sind sie offenbar in ihre Wohncontainer zurückgekehrt.

Am ersten August verfassten die eritreischen Flüchtlinge ein Statement zu ihrem Protest. Gemeinde und Landratsamt ließen sie zwar demonstrieren, gingen aber nicht auf die Forderungen ein. Jetzt haben die Aslbewerber offenbar resigniert das Feld geräumt.
Am 1. August verfassten die eritreischen Flüchtlinge ein Statement zu ihrem Protest. Gemeinde und Landratsamt ließen sie zwar demonstrieren, gingen aber nicht auf die Forderungen ein. Jetzt haben die Asylbewerber offenbar resigniert das Feld geräumt.

Am Dienstagabend der letzten Woche nahmen sie Matratzen, Decken und Schirme und campten vor den Wohncontainern in der Erich-Kästner-Straße. Die Holzkirchner Asylbewerber aus Eritrea wollten so gegen ihre Unterbringung protestieren. Als größtes Problem nannten sie das Klima in den Containern. Im Sommer sei es zu heiß, im Winter zu kalt. Alle Asylbewerber würden unter den Bedingungen leiden.

Am Tag darauf zogen sie zum Marktplatz. Laut dem 19-jährigen Filmon Kahsay aus Eritrea waren schon nach den ersten Nächten einige von ihnen erkältet. Auch Frauen und Kinder befanden sich unter den Protestierenden. Übers Wochenende wies ihnen das Landratsamt dann wegen des Marktplatzfestes in Abstimmung mit der Gemeinde eine Fläche hinter dem Rathaus zu.

Unbekannte helfen den Demonstranten

Warum sich nur die eritreische Gruppe zur Demonstration entschloss und wessen Idee es war, ist unklar. Auch zwischen den übrigen Asylbewerbern und dem Holzkirchner Helferkreis hatte es aber kurz zuvor Spannungen gegeben. Einige Helfer waren aus den Containern „rausgeworfen“ worden. Seitdem hält sich der Helferkreis offiziell von der Gemeinschaftsunterkunft fern – erst einmal.

Bislang Unbekannte halfen jedoch den Protestierenden am Rathaus und stellten einen Pavillon für sie auf, um sie vor dem Regen zu schützen. Am 1. August verfassten die Asylbewerber ein Statement, das ihnen ein ebenfalls Unbekannter aus München übersetzte. Dort heißt es:

[…] Wir protestieren hier nur auf Grund des Wohnungsproblems. Wir haben keine anderen versteckten Motive. Wir wollen keine Gewalt und keinen Zwang gegen die Deutsche Regierung und die deutsche Bevölkerung richten. Im Gegenteil: Wir sind dankbar, dass wir als Flüchtlinge aufgenommen werden. Die Gerüchte, dass wir jemanden bedroht hätten sind falsch und unbegründet. Wir wollen hiermit klar stellen, dass wir der deutschen Bevölkerung und Regierung sehr dankbar sind! […]

Anfang dieser Woche war den Eritreern die Resignation aber schon deutlich anzusehen. Nur noch wenige von ihnen blieben den ganzen Tag am Herdergarten, zum Waschen gingen sie zu den Containern. Denn die Behörden waren hart geblieben, laut Gemeinde und Landratsamt gibt es einfach keine Alternative zu den Wohncontainern. Die 50 Asylbewerber seien damit sogar schon gut bedient.

Auch die alte Polizeiinspektion wird erst noch umgebaut, bevor sie von Asylbewerbern bezogen werden kann. In der Föchinger Turnhalle sind indes ebenfalls rund 40 Menschen untergebracht – dort herrschen noch ganz andere Bedingungen. Der Protest der Eritreer jedenfalls wird vielen im Gedächtnis bleiben.

Ein passendes Fazit hatte der dritte Bürgermeister Robert Wiechmann am Sonntag auf dem Blog der Grünen Holzkirchen parat: „Alle politisch Verantwortlichen sind derzeit überfordert, da es kaum Handlungsspielräume und keinerlei kurzfristigen Perspektiven auf Verbesserungen gibt.“

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