… oder warum es gar nicht einfach ist das Richtige zu tun
Ach, schau mal – wie süß!

von Sabiene Hemkes

Die Bundesbürger geben in den kalten Jahreszeit 10 – 15 Millionen Euro für die Fütterung der gefiederten Mitbewohner unseres Planeten aus. Aber ist das überhaupt nötig? Oder sollte man lieber ganz auf das Vogelfüttern verzichten? Die immergleiche Diskussion im Frühwinter.

Großer Andrang am Vogelhaus

Kennen Sie das auch – da sitzt man gemütlich auf dem Sofa, wirft einen kurzen Blick in den Garten und hat dieses unglaubliche Glücksgefühl. Da sitzt doch tatsächlich dieser kleine putzige Vogel pickend auf dem von mir aufgehängten Meisenknödl. Da geht mir das Herz auf. Ehrlich!

Ich bin ansonsten nicht so leicht zu beeindrucken. Natürlich bin ich ein großer Tierfreund – wie jeder – aber was zum Beispiel Katzen betrifft – doch bitte nicht in meinem Garten. Auch die allgegenwärtigen sektenhaft organisierten Spendensammler der angeblichen Tierschutzorganisationen sehen keinen Cent von mir. Never.

Der kleine Spatz wärmt mein Herz

Meinem Mann raune ich dann immer zu: Schau mal – wie süß! Es schmeckt ihm. Ach, ist das toll. Er mag meinen Knödel, also bin ich ein guter Mensch und die Tiere lieben mich.

Komischerweise sind Vögel für mich immer männlich, was mir aber erst jetzt beim Schreiben jetzt auffällt. Ob für Heteromänner Vögel weiblich sind? Mein Mann sagt, dass er über so einen Blödsinn noch nie nachgedacht hat. Um mich dann zum bestimmt hundertsten Mal darauf hinzuweisen, dass er ja sowieso der Meinung sei man dürfe die Vögel gar nicht füttern.

Boing – und schon beginnen sich wieder die Zweifel den Weg zu bahnen.

Vor einigen Jahren habe ich einen Artikel gelesen, in dem der Autor sich auf die Seite meines Mannes stellte. “Um Gottes Willen” stand da “Hört doch endlich auf mit dem selbstbefriedigendem Schwachsinn. Könnt ihr nicht einmal die Natur in Ruh lassen. Die braucht euch nicht!” Damals fühlte ich mich dann doch etwas ertappt. Besonders bei dem Hinweis auf die Kommerz-Falle in die die selbsterklärten Vogelliebhaber jedes Jahr tappen würden überkam mich der erste Zweifel an meinem jährlichen Tun.

Ich las weiter und erfuhr mehr grausames über mich potentielle Vogelmörderin. Über verschimmelte Körnermischungen aus dem Baumarkt und Kot verunreinigtes Futter am Boden des Vogelhauses. Alles todbringend für die Vögel. Ich wurde aufgeklärt über die Monokulturen, die  überall entstehen um die stetig steigende Nachfrage der Vogelfreunde zu befriedigen.  Und zu guter Letzt wurde ich darüber informiert dass die im guten Glauben auf die Terrasse gestreuten Brotkrumen ihre kleiner Körper vollständig aufblähen.

Schluss mit lustig – Verantwortung übernehmen durch Verzicht

Danach war erstmal zwei Jahre Ruhe. Mein Bedarf die Vogelwelt zu retten richtete sich nun an dem Verzicht aus sie zu füttern. Fühlte sich zwar auch ganz gut an aber eben ohne den “Oh wie ist der süß” Faktor. Und außerdem – was noch viel schlimmer war – saßen meine Meisen, Amseln und Feldsperlinge jetzt bei den Nachbarn rechts und links auf Knödeln und in den bunten Vogelhäuschen.

Unbefriedigend. Sehr unbefriedigend. Meine winterliche Tierliebe verkam in der Vernunft. Aber was tun? Es muss im September/ Oktober gewesen sein, da bin ich durch einen Zufall auf der Seite des Nabu gelandet. Mitten im Themenkomplex “Soll man füttern oder soll man nicht?” NABU Vogelexperte Lars Lachmann sagt:

Tatsächlich sollten sich Vogelfreunde darüber im klaren sein, dass Winterfütterung und Naturschutz zwei Paar Schuhe sind

Und wieder begann ich zu lesen. Nach den Jahren der vernunftbedingten Abstinenz eröffnete sich mir eine ganz neue Welt – und ich begann zu verstehen. Der Vogel an sich und ich wurden Freunde. Über die Wochen lernte ich alles was man als ornithologischer Laie so aufnehmen kann. Ja ich kann mit Fug und Recht behaupten eine Expertin zu sein.

Mein Mann musste sich zwar in der Zeit in der ich in unserer Küche die ökologisch-korrekten Meisenknödel produzierte und die Biokörner von Ambrosia Samen befreite von FastFood ernähren. Aber es muss jeder Opfer bringen für den Fortbestand unserer Erde. Bei mir werden sie alle satt – Weich- Körner- und Allesfresser. Jeder bekommt das was er braucht. Wussten Sie etwa, dass Amseln Rosinen lieben? Mein Mann auch nicht aber den interessiert es auch immer noch nicht.

Semmelknödel kann doch jeder

Ich für meinen Teil kann reinen Gewissens sagen, dass kein Vogel sterben muss nur weil er mich beim Picken meines Futters so glücklich macht. Und wenn auch Sie das Richtige tun wollen dann folgen Sie mir doch einfach auf die Internetseite der NABU. Besonders Kinder werden dort ihre helle Freude haben. Auf den Seiten werden auch  herrliche Rezepte zum Nachkochen vorgestellt. Warum nicht mal Meisenknödel kochen – Semmelknödel kann doch jeder.

Um abschließend auf die Eingangsfrage zurückzukommen – ob man nun die Vögel im Winter füttern soll oder nicht – habe ich auch keine Antwort gefunden. Doch wenn man es tut – dann richtig!  Oder wie die Blaumeise sagen würde Zizizi bäbäbäbäbäh (rasselnd)


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