Otterfinger Start-Up macht aus Science Fiction Realität
Ackerdrohne für eine bessere Welt

von Lydia Dartsch

Wenn von Drohnen die Rede ist, denkt man meist an Spionage, Überwachung und manchmal an Paketboten. Auch die Drohne, die Florian Seibel und sein Team derzeit in Otterfing entwickeln, soll in die Überwachung einsteigen. Und zwar bei Feldern und Äckern von Landwirten. An ihr hängt die Landwirtschaft von morgen.

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Die Vision klingt wie Science Fiction. Doch sie könnte schon Ende dieses Jahres Wirklichkeit werden: Der Landwirt steht morgens auf und startet seine Drohne. Noch bevor der Kaffee fertig ist. Wenn er nach dem Frühstück sein Tagwerk beginnt, hat ihm das Fluggerät bereits mitgeteilt, wie es um seinen Acker und die Pflanzen darauf bestellt ist.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Ernte? Wo fehlt Wasser? Wo fehlt Dünger? Wo ist zu viel Dünger? Welche Pflanzen sind krank und wo muss man gegen Schädlinge vorgehen? All diese Fragen soll das Flugsystem automatisch beantworten, das Quantum Systems derzeit in Otterfing entwickelt. Vielleicht sendet es irgendwan auch automatisch Befehle an den Traktor, der dann an den betroffenen Stellen gießt, düngt oder Pflanzenschutzmittel verteilt.

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Weltweite Anfragen und den Emir von Dubai als Fan

“Das ist der nächste Schritt in der zivilen Nutzung von Drohnen”, ist sich Florian Seibel sicher. Gemeinsam mit drei Partnern hat er die Firma Quantum Systems in Otterfing gegründet. Schon jetzt gibt es Anfragen aus der ganzen Welt: Kanada, China und USA. Der Emir von Dubai wollte die Firma sogar ganz in die Wüste holen: “Dubai importiert derzeit 98 Prozent seiner Lebensmittel. Bis 2030 will es aber eigenständig sein”, weiß Seibel.

Die Idee zu dem Projekt kamen Seiben und seinen drei Ingenieur-Kollegen während ihrer Doktorandenphase an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg. Damals habe die Landesanstalt für Landwirtschaft angefragt, ob die Luft- und Raumfahrttechniker Luftaufnahmen von Saatgutversuchsflächen machen könnten. Seibel und sein Team begannen ihre Forschungen.

Genaue Analysen vollautomatisch

Mittels einer Spezialkamera wird der Zustand der Pflanzen sichtbar. Beispielsweise über Infrarot- oder einer Multispektralkamera: “Je nach Gesundheitszustand der Pflanze reflektiert sie unterschiedliche Spektren des Sonnenlichts”, sagt Seibel. Menschen können diese mit bloßem Auge nicht sehen.

Aber anhand dessen lässt sich erkennen, ob die Pflanze Wasser oder Dünger braucht, ob sie von Schädlingen befallen ist, oder ob die Früchte reif zur Ernte sind. Das soll auf die Pflanze genau möglich sein. Die gewonnenen Daten werden mit aktuellen Wetterdaten verarbeitet. Anschließend erhält der Landwirt Handlungsempfehlungen.

Grundstücksbesitzer werden in Otterfing zur Kasse gebeten.  Quelle: Thomas Rychly
In dem kleinen Otterfing wird die Landwirtschaft von morgen entwickelt. Quelle: Thomas Rychly

All das geschieht automatisch. “Es ist mehr, als nur ein Fluggerät zu entwickeln”, sagt Seibel. Es geht um das ganze System von der Datengewinnung, ihrer Übermittlung an einen Server bis zur Auswertung. “Von Spektralanalysen und Dergleichen müssen die Landwirte nichts verstehen. Sie drücken nur auf einen Knopf und wissen, was zu tun ist.”

Nächster großer Schritt steht bevor

Bis zu 15 Prozent mehr Ertrag und 15 Prozent weniger Materialeinsatz verspricht Seibel. So lasse sich beispielsweise Überdüngung vermeiden und Pflanzenschutzmittel könnten gezielter eingesetzt werden. Interessant sei das System vor allem für große Flächen mit Monokulturen und Plantagen wie in Brasilien, Malaysia und den USA.

Der großen Nachfrage stehen allerdings nur wenige Fördermöglichkeiten seitens der Bundesrepublik gegenüber, sagt Seibel. Zwar gebe es noch viele rechtliche Fragen zu klären. Trotzdem dürfe man den technischen Fortschritt nicht verschlafen: “Wir sind froh, dass wir den Bundestagsabgeordneten Florian Hahn für unsere Sache gewinnen konnten. Wir hoffen darauf, dass bei Frau Aigner bald auch ein Umdenken diesbezüglich stattfindet.”

Otterfing haben sich die Ingenieure ausgesucht, weil sie das System hier ausprobieren können, sagt Seibel. Doch lange will das Unternehmen nicht mehr dort bleiben. Derzeit bewerben sich Seibel und sein Team um einen Platz im EAS Business Incubator in Oberpfaffenhofen. “Das wäre unser nächster großer Schritt”, sagt Seibel. Die endgültige Entscheidung fällt am Freitag.

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