„Eine vorbildliche Geschichte“
Ärztin verkauft Haus an die Stadt Tegernsee

von Redaktion

Ein Wohn- und Geschäftshaus in der Rosenstraße in Tegernsee. Auf dem freien Markt würde das wohl einiges an Geld einbringen. Doch die Besitzerin hat sich dagegen entschieden und so gehandelt, wie es sich die Gemeinden rund um den Tegernsee wünschen.

Dieses Haus in der Rosenstraße verkaufte die Besitzerin an die Stadt Tegernsee.

In der Bürgerversammlung Ende November griff Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) erneut das umstrittene Thema Zweitwohnungen, steigende Bodenrichtwerte und bezahlbaren Wohnraum auf. Aktuell zählt Tegernsee 4.363 Einwohner, davon 677 im Nebenwohnsitz. Seit der Erhöhung der Zweitwohnungssteuer und etlichen rechtlichen Verfahren, sei die Tendenz allerdings sinkend, so Hagn.

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Durch die Zweitwohnungssteuer habe die Stadt rund 964.000 Euro im Jahr 2018 eingenommen. „Wir setzen das Geld ein, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Die Mieter bei der Stadt belaufe sich laut Merkur auf zwischen sieben und neun Euro. Doch im Hinblick auf die steigenden Bodenrichtwerte in Tegernsee besteht weiter Handlungsbedarf.

4.000 Euro pro Quadratmeter

So stiegen die Bodenrichtwerte in der ersten Baureihe entlang der Hauptstraße in Tegernsee von 500 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2014 auf 900 Euro im Jahr 2018, so berichtet der Merkur. Der Quadratmeterpreis am Seeufer liege laut Hagn zwischen 3.000 und 4.000 Euro. Das Fazit des Bürgermeisters:

Die Stadt Tegernsee muss sich alles an Wohnraum sichern, was geht. Wir haben kein Interesse, dass im Außenbereich gebaut wird.

Ähnlich sieht das auch eine Ärztin in Tegernsee, die ihr Haus in der Rosenstraße verkaufen wollte. Wie sie dem Merkur berichtet, sei sie Bürgermeister Hagn zufällig über den Weg gelaufen und habe ihm erzählt, dass sie „Ballast abwerfen“ und ihr Mietshaus in der Rosenstraße verkaufen wolle. Im ersten Moment sei die 76-Jährige gar nicht auf die Idee gekommen, das Haus an die Stadt zu verkaufen.

Ärztin reagiert auf Bemühungen um bezahlbaren Wohnraum

Dann habe sie von Hagns Ausführungen über die ausufernden Immobilienpreise und die Bemühungen der Stadt um bezahlbaren Wohnraum auf der Bürgerversammlung erfahren und reagierte: „Ich sehe doch auch, dass in vielen Straßen reihenweise die Rollläden unten sind“, so die Ärztin gegenüber der Zeitung. Sie ärgere sich selbst darüber, dass schöne bürgerliche Häuser „verscherbelt“ und in teure Eigentumswohnungen umgewandelt werden. „Eben das wollte ich nicht“, versichert die 76-Jährige, die das Haus 2001 von ihrer Mutter erbte.

So kam es zu einem Zusammentreffen mit dem Bürgermeister. „Ich habe ihm das Haus angeboten und er war interessiert.“ Wie der Merkur berichtet, behandelten Hagn und der Stadtrat das Verkaufsangebot in einer nicht-öffentlicher Sitzung. Nach einem Wert-Gutachten und der einstimmigen Entscheidung des Gremiums, hat die Stadt sich zu dem Kauf entschlossen.

Stadt wünscht sich mehr Angebote dieser Art

Geschenkt wurde der Stadt Tegernsee zwar nichts, aber der Preis sei laut Hagn fair gewesen. Über die korrekte Kaufsumme hüllen sich allerdings sowohl der Rathauschef als auch die Ärztin in Schweigen. Insgesamt zeigt sich Hagn aber sehr zufrieden über das Geschäft: „Das ist schon eine vorbildliche Geschichte.“ Vor wenigen Tagen sei der Kauf notariell abgewickelt worden.

Für Hagn ein positives Beispiel, denn er gehe davon aus, dass es beim Verkauf auf dem „freien Markt“ nicht nur zu einer Bieterschlacht gekommen wäre, sondern wohl auch zu einer kräftigen Erhöhung der Mietpreise. Nachdem die Stadt nun das Haus erworben hatte, sollen die Mieten der darin befindlichen vier Wohnungen und der Goldschmiede aber bezahlbar bleiben.

Das Haus ist nun für die dort zum Teil langjährigen Mieter gesichert.

Und genau das sei das Ziel der Stadt: Älteren Menschen die Sicherheit geben, dass sie sich ihre Wohnungen leisten können. Jüngeren Familien ermöglichen, dass sie sich vom Einkommen Mieten leisten und auch noch Geld beiseite legen können. Die Stadt, betont Hagn gegenüber dem Merkur, sei der Ärztin jedenfalls „sehr dankbar“. Der Wunsch wäre, dass es künftig zu weiteren Angeboten dieser Art kommt.

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