Suchtberatung für Asylbewerber immer wichtiger
Alkohol: Ein gefährlicher Trostspender

von Michael Dalock

Man hört es immer wieder: Schlägereien in Sammelunterkünften, Randale nach Alkohol-Konsum, Streitigkeiten zwischen Bewohnern eskalieren. Fast immer mit dabei: Bier, Schnaps, auch mal Marihuana. Ganz klar: Die Alltagsdroge Nummer 1 ist eine enorme Gefahr für Asylbewerber.

Vor allem in Sammelunterkünften greifen Asylbewerber gerne zum Alkohol.

Häufig kommen Asylbewerber aus einem Kulturkreis, in dem Alkohol entweder durch die Religion verboten, schwer zugänglich oder zu teuer ist, um täglich konsumiert zu werden. In Deutschland angekommen, wird dann schnell klar, dass Alkoholkonsum gesellschaftlich akzeptiert ist.

Schnell merken Asylbewerber dann, wie einfach es ist an Bier, Wein und Schnaps zu kommen. Alkohol bietet häufig eine willkommene Ablenkung von Langeweile, fehlender Beschäftigung oder Heimweh.

Alkohol oft Ursache von Streits und Randalen

Erst vor zwei Tagen wurde vor dem Amtsgericht Miesbach ein Fall verhandelt, bei dem es um einen Streit zwischen einem Aslybewerber aus der Traglufthalle Holzkirchen und dem Sicherheitspersonal ging. Der Streit eskalierte, weil die Security den “stark alkoholisierten” Bewohner nicht mehr in die Halle lassen wollte. Am Moarhölzl gilt striktes Alkoholverbot. Die Sicherheitskräfte sind dazu verpflichtet, das zu kontrollieren.

Auch ein Streit zweier Asylbewerber vor wenigen Wochen artete derart aus, dass Polizeibeamte sogar mit Eiern beworfen wurden. Wie Dienststellenleiter Johann Brandhuber von der Polizeiinspektion Holzkirchen im Januar erklärte, waren die zwei Streithähne bereits polizeilich bekannt:

Die Beiden wurden auch außerhalb der Halle auf den Straßen in Holzkirchen auffällig. Immer dann, wenn sie Alkohol konsumiert hatten.

Dieses Problem müsse man in den Griff bekommen, so Brandhuber. Doch Alkohol ist nicht nur unter Asylbewerbern ein Problem, sondern auch für Deutsche die Alltagsdroge Nummer 1. Vergleicht man die Patienten, die in der Klinik in Agatharied mit Drogen-Vergiftungen eingeliefert und entgiftet werden, so kann Privatdozent Dr. Michael Landgrebe, ärztlicher Leiter eines feststellen:

Alkohol führt die Statistik an und zwar mit zehn Mal so vielen Fällen wie bei Platz 2, den Schmerz- und Betäubungsmitteln.

Die Ärzte bieten in solchen Fällen einen Entzug mit psychotherapeutischer und psycho-edukativer Behandlung an. Das heißt, Patienten werden nicht nur entgiftet und medikamentös behandelt. Sie werden auch psychologisch betreut und können in der Therapie lernen, was Süchte wirklich sind.

Suchtberatung für Flüchtlinge

Um Flüchtlinge über die Gefahren von Alkohol zu sensibilisieren und auch bereits Suchtkranke zu unterstützen, bietet die Caritas in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Miesbach Beratungsgespräche und Therapiestunden speziell für Asylbewerber an. Ein Dolmetscher hilft bei Sprachproblemen. Das Amt und Ehrenamtliche aus den Helferkreisen geben Empfehlungen ab, wer Hilfe benötigt.

Eine Mitarbeiterin des Landratsamtes, zu deren Arbeitsbereich „Krisenintervention“ gehört, hatte 2016 im Rahmen der Betreuung der Dreifach-Turnhalle in Tegernsee und der Bewohner in den Traglufthallen in Holzkirchen oder Rottach mit der Caritas kooperiert. Sprecher des Landratsamtes Birger Nemitz erklärt:

Dabei hat sie die Personen selbst ausgewählt. Alkoholsuchtberatung ist jedoch generell keine originäre Aufgabe des Landratsamtes.

Laut Dipl. Sozialpädagogin und Suchttherapeutin Alexandra Peis-Hallinger gab es jedoch noch keine regelmäßigen Kurse. Insgesamt wurden zehn Personen beraten. Sie geht  davon aus, dass sich das Problem verschärft:

Die Auflösung einiger Flüchtlingsunterkünfte hat den Überblick erschwert und ebenso den Zugang zu Flüchtlingen mit Alkohol- und Drogenproblemen. Es ist damit zu rechnen, dass Suchtprobleme bei Asylsuchenden ein dauerhaftes und eher ansteigendes Problem sind.

Probleme sind wie so häufig die Finanzen. Der zusätzliche Aufwand muss nämlich innerhalb des normalen Budgets bezahlt werden. „Um dieser Aufgabe zukünftig gerecht zu werden, bräuchte es eine eigene Finanzierung und vor allem finanzierte Dolmetscher“, erläutert Peis-Hallinger.

Denn obwohl davon auszugehen ist, dass der Beratungsbedarf steigt, wird wohl auch die Dunkelziffer wachsen. Denn ohne die erwähnten Dolmetscher macht es für die Flüchtlinge kaum Sinn um Unterstützung zu bitten und auch die Helfer werden so keinen Sinn darin sehen, eine Suchtberatung anzuregen. Dafür sind die Sprachbarrieren zu erheblich.


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