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Sportzentrum Otterfing: Macht der Schallschutz das Projekt unmöglich?

Altstandort steht auf der Kippe

Von Franziska Hampel

Für alle Anhänger eines Otterfinger Sportzentrums am Altstandort hatten die Experten gestern Abend keine guten Nachrichten. Neben Platzproblemen sorgte vor allem der Schallschutz für Ärger. Das Fazit: Selbst eine 200 Meter lange und acht Meter hohe Mauer würde die Probleme nicht lösen. Jetzt steht das Projekt auf der Kippe.

Die Experten hatten schlechte Neuigkeiten für einen Entwicklung des Sportzentrums am Altstandort.
Die Experten hatten schlechte Neuigkeiten für einen Entwicklung des Sportzentrums am Altstandort.

In der Gemeinderatssitzung im November 2015 setzten die Gemeinderäte alle Entscheidungen auf eine Karte, dem Schallgutachten. Erst wenn das vorliegt, könne man entscheiden, waren sie sich einig. Gestern in der Gemeinderatssitzung stellte schließlich Gutachter Dominik Prišlin das Ergebnis der schalltechnischen Untersuchung vor. Die erste Reaktion des Gemeinderats war Ratlosigkeit.

Detailliert erläutert der Gutachter die Berechnungen. Eine große Rolle spielen dabei die Zeiten. Ab 8 Uhr morgens bis 20 Uhr ist man außerhalb der Ruhezeiten. Diese gelten von 20 Uhr – 22 Uhr, sowie sonn- und feiertags von 13 Uhr – 15 Uhr. Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr morgens herrscht Nachtruhe. Für die jeweiligen Zeiten gibt es bestimmte Immissionsrichtwerte, die nicht überschritten werden dürfen.

Wenig Chancen auf Altanlagenbonus

Gemessen wird der Schall einen halben Meter vor den benachbarten Wohnhäusern. Vor allem die Dachgeschosswohnungen sind betroffen, da hier der Schall am meisten ankommt. Aktuell werden die vorgegebenen Werte überschritten, jedoch profitiert man vom Altanlagenbonus. Das heißt die Werte dürfen um 5 dB überschritten werden.

Bei einer größeren Sanierung verliert die Anlage jedoch diesen Bonus und muss die Schallwerte ausnahmslos einhalten. Heinz Hirz von der Verwaltung erklärt: „Das Konfliktpotenzial an der Sportanlage ist gegeben. Die Werte müssen bei einem Bau solcher Größe stimmen.“ Der Gutachter bestätigt, dass gerade bei so einem großen Bauvorhaben die Voraussetzung rechtlich einwandfrei gegeben sein sollten.

Eisstockschießen und Veranstaltungen problematisch

Neben den unterschiedlichen Zeiten fließen auch die Lärmemissionen der verschiedenen Sportarten in das Gutachten ein. Hier gibt es einen genauen Katalog, wie laut die unterschiedlichen Sportarten sind.

Besonders die Eisstöckschützen bereiten dem Gutachter Sorgen. „Das ist mit Abstand die lauteste Sportart“, so Prišlin. Auch mögliche Veranstaltungen könnten durch hohes Besucheraufkommen Probleme hervorrufen. Hierbei spielt auch das Parken eine Rolle.

Nachdem alle relevanten Faktoren zusammengetragen und abgeglichen worden waren, stellt Prišlin das Ergebnis der Untersuchung dar:

Aus schalltechnischer Sicht bestehen erhebliche Bedenken gegen den Ausbau des Sportzentrums am Nordring der Gemeinde Otterfing. Alle berechneten Werte liegen über den Immissionsrichtwerten.

Eine Schallschutzvorrichtung wurde dabei schon eingerechnet. Hierbei handelt es sich um eine Schallschutzwand an der südlichen Begrenzung des Grundstücks. Der Gutachter berechnete die Lärmemissionen mit zwei verschiedenen Wandhöhen – 5 und 8 Meter.

Das Fazit: „Selbst bei einer Wand von 8 Metern könnten die Richtwerte nicht eingehalten werden.“ Die anwesenden Räte zeigten sich entsetzt: „Eine 200 Meter lange und 8 Meter hohe Wand? Die Berliner Mauer hatte 3,60 Meter.“

Der Übersichtsplan des Schallgutachtens. Die Fußballplätze sollen mit einer Lärmschutzwand  (hier orange markiert) abgeschirmt werden.
Der Übersichtsplan des Schallgutachtens. Die Fußballplätze sollen mit einer Lärmschutzwand (hier orange markiert) abgeschirmt werden. Quelle: Ingenieurbüro Greiner

Auch Architekt Fischer, der mit einem Vorentwurf beauftragt wurde, sieht die Wand aus städtebaulicher Sicht kritisch. Aber ohne Wand geht auf alle Fälle gar nichts. Und selbst mit der neuen „Mauer“ werden die Grenzwerte überschritten. Was bedeutet, dass es zu Nutzungseinschränkungen in den Ruhezeiten kommen wird.

Konkret könnte das bedeuten, dass nach 20 Uhr kein Training mehr auf den Außenanlagen stattfinden kann. Auch Sonntags können Spiele zwischen 13 Uhr und 15 Uhr ein Problem sein. Besonders laut während der Ruhezeiten sind Veranstaltungen. 18 Mal darf im Jahr mit Schallüberschreitungen gefeiert werden. Ist dieses Kontingent ausgeschöpft, kann es sein, dass Veranstaltungen ausfallen müssen.

Planung eingeschränkt durch zu wenig Platz

Einige Gemeinderäte hoffen auf Besserung durch eine andere Anordnung der gewünschten Sportanlagen. Hier stellt der Gutachter Prišlin fest, dass der Platz begrenzt ist und somit die Freiheiten des Architekten eingeschränkt sind.

Dieser bestätigt das in der Präsentation seines Vorentwurfs: „Dreifachturnhalle, Stellplätze und eine Gastronomie bringe ich auf dem alten Gelände nicht unter.“ Bei seinem Entwurf hat er bereits auf die Stockbahnen verzichtet, da man in Erwägung sieht, diese aufgrund der Lautstärke auszulagern. Fischer resümiert:

Ich kann entweder Stellplätze, oder eine Wirtschaft auf das alte Gelände bauen.

Neben dem Lärm haben die Otterfinger zusätzlich ein Problem mit den Platzkapazitäten. Die Stimmung ist gedämpft. Bürgermeister Jakob Egelseder fragt den Gutachter, ob er an dieser Stelle bauen würde. Prišlin Antwort: „Eigentlich nein. Ich würde es auch kritisch sehen. Wenn man wirklich viel Geld in die Hand nimmt und dann nachträglich die Nutzung einschränken muss, ist das ungut.“

Ulrike Stockmeier bat darum, den Gemeinderäten bis zur nächsten Sitzung am 18. Januar 2016 Zeit zu geben, das Gutachten zu studieren. Im Januar soll dann erneut mit dem Architekten über Möglichkeiten der Anordnung der Sportanlagen gesprochen werden.


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