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Dorby: „Wir sind mit den Plätzen am Ende!“

Asylbewerber jetzt auch in Tal-Turnhallen?

Von Rose Beyer

Die Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber sind überfüllt. Damit wächst auch der Druck auf den Landkreis Miesbach und das Tegernseer Tal.

Gerade im Tal fehlt es an Unterkünften. Werden die Asylsuchenden jetzt doch in die Turnhallen verteilt?

Im Sommer 2013 zogen Asylbewerber in die Miesbacher Turnhalle ein.

Zum Jahresende wird die Zahl der Asylsuchenden in Bayern die 35.000er-Marke knacken. Laut eines Berichts der Süddeutschen Zeitung sei der Freistaat das Zielland Nummer Eins für Flüchtlinge, so Sozialministerin Emilia Müller. Für ihre Unterbringung müssen nun Übergangslösungen gefunden werden. Man ist offen für jedes machbare Angebot. In Fürth etwa leben 250 Menschen übergangsweise im ehemaligen Möbelhaus. Das Erstaufnahmelager in Zirndorf ist hoffnungslos überfüllt.

Kein Platz im Landkreis

Von einem Tag auf den anderen werden Asylbewerber zugeteilt, auch wenn kein Platz für sie da ist, so Gabriele Dorby, Sprecherin des Landratsamts. Jetzt ist es soweit. Die Behörde muss die Asylsuchenden in jedem Fall unterbringen. Fertige Lösungen, wo es noch Platz gibt, stehen nicht fest. Wir hätten am Freitag 18 Menschen bekommen, aber wir sind mit den Plätzen am Ende, beteuert die Pressesprecherin.

Mehr als 250 Asylbewerber sind momentan im Landkreis Miesbach untergebracht. Die Prognosen für den Jahreswechsel liegen bei etwa 400. Davon sind im Tegernseer Tal 18 Menschen untergebracht – sieben in Bad Wiessee, sechs in Tegernsee und fünf in Kreuth.

Leisten Tal-Gemeinden zu geringen Beitrag?

Warum in der einen Kommune mehr und in der anderen weniger Asylsuchende leben, hat diverse Ursachen, wie Dorby weiß. Es sei natürlich wünschenswert, dass die Asylbewerber auf alle Gemeinden verteilt werden. Aber die Voraussetzungen seien nicht in jeder Kommune gleich.

Wie wir berichteten, machen es sich die Tal-Bürgermeister aus Sicht der Nordlandkreis-Vertreter zu einfach. Diese fordern mehr Unterstützung.

Ich wünsche mir, dass diese Last von vielen Schultern getragen wird – auch dort, wo es einen schönen See gibt!

So hatte der neue CSU-Ortsvorsitzende Bernd Weinmann in der jüngsten Holzkirchner Gemeinderatssitzung betont. In der Marktgemeinde stehen Container zur Unterbringung der 49 Flüchtlinge seit Juni bereit. 22 Asylsuchende leben schon dort – mehr als im gesamten Tegernseer Tal.

Dort leben 23.100 Einwohner. Das sind 24 Prozent der Bewohner des Landkreises. Betrachtet man die Zahl der Asylbewerber, die im Tal untergebracht sind – also 18 – so ergibt sich dagegen ein ganz anderes Bild. Nur sieben Prozent der insgesamt 256 Flüchtlinge im Landkreis haben somit am Tegernsee Zuflucht gefunden.

Notstand rund um den See

Im Tegernseer Tal muss man mit begrenztem und teurem Wohnraum auskommen. Die Mietpreise sind ein Kriterium, weshalb bestimmte Standorte – zum Beispiel in Nobellagen – als Unterkunft ausscheiden. Auf dem freien Wohnungsmarkt würde man wesentlich mehr Miete erzielen, als wenn man den Wohnraum für Asylbewerber anbietet. Daher ist es für Vermieter wenig attraktiv, ihre Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Die Miete wird von den Behörden nämlich nur bis zu einer bestimmten Obergrenze übernommen.

Noch wird die Tegernseer Turnhalle für den Sportunterricht genutzt.

Eine Container-Lösung will man im Tal nur im äußersten Notfall bemühen. Die Angst vor negativen Folgen für das Ortsbild der Premiumregion ist bei einigen Politikern groß. Während sich der Rottacher Rathauschef Christian Köck Container auf dem Gemeindegebiet kaum vorstellen kann, will Wiessees Bürgermeister Peter Höß eine solche Notlösung nicht mehr kategorisch ausschließen. Noch gibt es keine Aufforderung des Landratsamts an Bad Wiessee. „Ich weiß aber, dass dieses Problem auf uns zukommen wird“, räumte Höß kürzlich ein.

Option Turnhalle wird wahrscheinlicher

Bisherige Aufrufe hätten zwar einzelne Angebote des freien Wohnungsmarktes zu einer privaten Unterbringung eingebracht. Der große Wurf sei jedoch ausgeblieben. Forderungen zu einer etwaigen Zwangsunterbringung in Gemeinden will die Behörde laut Dorby nicht stellen. Sie setzt auf Verständnis und Einsicht bei den Bürgermeistern. „Wir appellieren an die Gemeinden – wir stellen keine Forderungen!“

Wenn wir keine Unterkünfte bekommen, müssen wir in die Turnhallen!

Zur Auswahl stünden die Landkreissporthallen in Gmund, Holzkirchen, Miesbach, Hausham und Tegernsee. In welchen Sporthallen die Menschen schlussendlich untergebracht werden, steht laut Dorby noch nicht fest. Dies müsse intern beraten werden.

Der Aufnahmestopp wegen des Masernverdachts in den Erstaufnahmeeinrichtungen ist vorbei. Asylsuchende werden künftig auch ins Tegernseer Tal strömen. Während man in Holzkirchen – bedingt durch die Containerunterkünfte in der Erich-Kästner-Straße – für einen weiteren Zustrom gerüstet ist, hat man es im Tal bisher versäumt, geeignete Unterkünfte zu finden. Diese Strategie könnte sich nun bald rächen, wenn aus der Not heraus die Turnhallen belegt werden müssen.

Wer Wohnraum zur Verfügung stellen kann, wird gebeten, sich mit Wolfgang Zierer vom Landratsamt Miesbach unter der Telefonnummer 08025/7042101 in Verbindung zu setzen.

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