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Auch wir lieben die Waldfeste!

Von Redaktion

Der nicht ganz ernstgemeinte Appell eines Münchners

Am Wochenende zieht’s uns Münchner raus aufs Land, und im Sommer am liebsten an einen der Seen im Umland. Der Tegernsee steht da ganz weit oben auf der Liste – vor allem, wenn Ihr Einheimischen eure sogenannten Waldfeste abhaltet. Dann setzen wir uns hier in München in die Autos oder die BOB und fahren die 50 Kilometer gen Süden.

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Und wir tun das, auch wenn uns bewusst ist, dass Ihr uns auf den Waldfesten eigentlich nicht haben möchtet – uns Münchner, Städter oder Schnösel. So nennt Ihr uns, und wir akzeptieren’s ohne großes Murren, immer wissend, dass wir wollen, Ihr aber nicht.

Uns könnt Ihr sogar einen Schnitt zum vollen Preis berechnen

Woher ich weiß, dass wir Münchner Euch ‒ als Verkörperung des Auswärtigen ‒ auf Euren Festen zuwider sind? Mir wird das jedes Jahr vor Augen geführt, wenn ich zu später Stunde an der Bar stehe und mir von leicht angetrunkenen Einheimischen Folgendes anhören darf:
„Wo kimmst denn du her mit deiner Spielzeug-Lederhosn? Bist a Städter, wos? Oaner aus Minga, au no?“ Auf diese Frage antworte ich dann mit ja, nehme meine Schnäpse in Empfang und torkle von dannen. Nur um meistens ein paar Bestellungen später von einem anderen Waldfestbesucher gesagt zu bekommen: „Das Waldfest ist unser’s, bleibt’s Ihr in der Stadt!“

Den zweiten Satz hab ich mir übrigens gemerkt und spare ihn seither jedes Jahr bis Oktober auf. Denn er funktioniert anders herum genauso: „Das Oktoberfest ist unser’s, bleibt’s Ihr auf dem Land!“

Das könnte ich jedes Jahr aufs Neue sagen, wenn die BOB wieder Unmengen Dörfler in die Nähe der Zelte spült. Immer das Gleiche. Nur Ihr seht das natürlich anders. In Eurem Verständnis gehört unser Oktoberfest nämlich allen Bayern. Die nicht „gern gesehenen“ Besucher sind Australier, Italiener, Engländer – halt die Auswärtigen.

Dass bei Waldfesten die Auswärtigkeit bereits vor Holzkirchen anfängt, ist interessant, für uns aber völlig unverständlich. Und in einen Topf mit den ganzen Preißn gesteckt zu werden, tut auch richtig weh.

Denn von den Dortmundern, Berlinern oder Dresdnern wollen und müssen wir uns distanzieren. Dass diese Touris nerven, da geben wir euch ja recht. Und wenn die dann auch noch auf den Waldfesten rumlaufen und über die „Verkleidungen“ lästern oder schlimmer sich über „witzige Rituale“ der „Ureinwohner“ lustig machen, dann geht uns als ‒ zumindest gefühlt ‒ Einheimische auch die Hutschnur hoch. Verständlicherweise.

Wobei, was ich dann doch nicht ganz verstehe, ist, wenn Ihr die Attraktivität der Waldfeste nach der vorherrschenden Einheimischenquote bewertet. Die nach Eurer Definition richtig „urigen“ und „authentischen“ Waldfeste werden dann, wie ein Schatz, vor den Auswärtigen geheim gehalten. Viele Köche verderben den Brei. Oder weniger ist mehr ‒ so lautet Eure Devise.

Das Fatale: in dem Fall ist weniger einfach nur weniger. Die Mitglieder in den Vereinen würden sich vielleicht freuen über etwas mehr. Mehr Gäste, mehr verkauftes Bier, mehr Gewinn. Nur, Ihr wollt eben in Ruhe alleine feiern.

Aber mal ganz ehrlich ‒ ohne uns wäre jedes Waldfest doch sterbenslangweilig: Wir Städter bringen Mädels (über die Ihr Euch freut) und Geld (das hatten wir schon), und für einen Teil der Stimmung sorgen wir auch: Was würdet Ihr denn machen, wenn Euer Wunsch in Erfüllung geht und plötzlich drei Viertel der Besucher fehlen, auch wenn sie aus der Stadt kommen? Ihr würdet Euch mit den gleichen Leuten langweilen, die Ihr das ganze Jahr um Euch herum habt! Nichts Neues. Nichts zum Lästern.

Auf dem Oktoberfest kommen wir doch auch miteinander klar. Ihr dürft gerne kommen, und wir freuen uns. Und dann sitzen wir zusammen und schimpfen über die Italiener oder Australier – da sind wir uns komischerweise immer schnell einig. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema …

Auch wenn ich mir wünschen würde, dass ich mich irgendwann wirklich willkommen fühle bei Euch ‒ ich werde so oder so weiterhin kommen. Erstens, weil’s einfach schön ist, und zweitens, weil ich Städter mich von Euch nicht unterkriegen lasse. In meinem Verständnis gehören nämlich München und die Wiesn mir genauso wenig wie Euch der Tegernsee und die Waldfeste.

Ich freue mich darauf, das auch dieses Jahr wieder zu später Stunde an der Bar ausdiskutieren zu dürfen. Und wenn ich ehrlich bin, wäre es anders vielleicht auch ein wenig fad.

Ein freundliches Prost aus München – und bis bald!

Auch wir lieben die Waldfeste!


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