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Wie Bürger und Flüchtlinge in Holzkirchen zusammenleben

Der unbekannte Nachbar

Von Laura Lorefice

Seit knapp zwei Jahren wohnen Asylbewerber schon in den Containern am Ortsrand Holzkirchens. Was sind die Erfahrungen der Anwohner und wie hat sich das Zusammenleben mit den neuen Nachbarn entwickelt?

Vom ihrer Wohnung aus blickt Gesine Moosleitner direkt auf die Asylunterkünfte in der Erich-Kästner-Straße.
Von ihrer Wohnung aus blickt Gesine Moosleitner direkt auf die Asylunterkünfte in der Erich-Kästner-Straße.

Im Sommer vor zwei Jahren haben 50 Flüchtlinge die Container auf dem Gemeindegrundstück an der Erich-Kästner Straße, Ecke Rosenheimer Straße bezogen. Und waren damit die ersten Flüchtlinge, die in Holzkirchen angekommen sind.

Doch wie hat sich im Laufe der Zeit die Nachbarschaft mit den ortsansässigen Anwohnern entwickelt? Gab es anfangs Bedenken und Sorgen? Und haben sich mittlerweile vielleicht sogar Freundschaften ergeben?

Ruhig bis auf kleine Zwischenfälle

Gesine Moosleitner wohnt direkt gegenüber der Unterkünfte, in der Ignaz-Günther-Straße und kann von ihrer Wohnung aus auf die Container blicken. Auch sie hatte anfangs Sorgen, doch die sind mittlerweile verschwunden. Sie grüße immer, wenn sie mit dem Radl vorbei fahre und werde auch immer nett zurück gegrüßt. Vor allem die Flüchtlinge aus Afrika seien immer total relaxt und freundlich. Sie erzählt:

Letztens konnte ich beobachten wie eine Frau mehrere schwere Tüten Einkäufe schleppte. Da hab ich sie kurzerhand angesprochen und die Einkäufe auf mein Rad gepackt. So wie ich es halt bei den anderen Nachbarn auch mache.

Nur die Sitz-Demonstration im August letzten Jahres hätte Moosleitner etwas irritiert. Sie habe damals sogar bei der Polizei angerufen, weil sie dachte es seien neue Flüchtlinge angekommen, für die es keine Unterbringung gebe. Sie wollte den jungen Leuten helfen. Auch war sie Zeugin von einiger Feuerwehr- und Polizeieinsätze. 

Die seien aber nicht die Regel. Dass es manchmal Reibereien gebe, sei ja klar. Darüber hinaus wolle sie betonen, dass sie noch kein einziges Mal irgendwelche rassistischen Aktionen beobachten konnte. „Ich lese oft, dass Unterkünfte abgefackelt werden oder ähnliches. Das war hier noch nie der Fall. Da würde ich auch sofort die Polizei rufen, wenn das passieren würde. Ich kann ja alles von meinem Schreibtisch aus beobachten“, so Moosleitner.

Fehlende Kommunikation seitens der Gemeinde?

Renè Kneflowski, der schon seit sechs Jahren in der Ignaz-Günther-Straße wohnt, ist nach eigner Aussage „stiller Beobachter“. Durch den Zuzug der Flüchtlinge habe sich in der Nachbarschaft nichts verändert. Die angrenzenden Bauarbeiten in der Erich-Kästner-Straße, seien um einiges störender. 

Große Ängste und viele Sorgen dagegen hatte Antje Bauer-Veit. Sie gehe grundsätzlich nur noch mit Pfefferspray aus dem Haus. Aber nicht speziell wegen den Flüchtlingen in der Erich-Kästner-Straße, sondern wegen der allgemeinen Situation. Gerade als Frau sei es nicht immer angenehm, nachts alleine durch verlassene Straßen zu gehen.

Vor allem die Organisation der Gemeinde ließ zu wünschen übrig. Die Anwohner in der Föchinger Straße wurden in keinster Weise über das Aufstellen der Container in der unmittelbaren Nachbarschaft informiert, so Bauer-Veit.

Erst zwei Wochen später kam ein Brief, in dem von einem ominösen Bürgerentscheid gesprochen wurde. Aufgrund dessen wurde angeblich beschlossen, die neuen Unterkünfte in der Erich-Kästner-Straße aufzustellen. Wir haben nichts von einem Bürgerentscheid mitbekommen. 

Aber Probleme gebe es dennoch keine. Ihre Bedenken hätten sich im Großen und Ganzen in Luft aufgelöst. So gestalte sich das Zusammenleben von Anwohnern und Flüchtlingen ruhig und freundlich. „Da gibt es keine wilden Sachen“, wie Kneflowski mit einem Augenzwinkern abschließend hinzufügt.

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