Wiesseer Gemeinderat kassiert Pläne um "Residenz Wallbergblick"

Bauherren und ihre Träume

Von Nicole Posztos

“Hier entstehen in Kürze Eigentumswohnungen”. Das sagt zumindest das große, möglicherweise ein wenig zu optimistisch gestaltete Schild auf dem ehemaligen Tengelmann-Gelände hinter dem Wiesseer Rathaus.

Entstehen sollen in der “Residenz Wallbergblick” 27 Wohnungen. Eine Münchner Immobilienfirma will sie auf dem brachliegenden Areal errichten. Das Problem, die aktuelle Baugenehmigung lässt das gar nicht zu.

Neubau mit 2.100 qm Geschossfläche

Vor knapp einem Jahr hatte sich die Verwaltung und der Bauherr “nach zähen Verhandlungen” auf einen Kompromiss geinigt. Und auch damals war schon klar: der neue Eigentümer hat große Pläne.

Das Gelände hinter dem Rathaus soll bald bebaut werden. Wie genau darüber verhandeln Gemeinde und Bauherr noch.

Zuerst wollte er auf dem Areal 4.000 Quadrameter Geschossfläche errichten. Nach vielen Gesprächen blieben noch gute 2.000 übrig. Diese sollten sich auf zwei neue Gebäude verteilen. Insgesamt sollten zwei Wohn- und Geschäftshäuser inklusive Tiefgarage entstehen.

Im Erdgeschoss wollte der Eigentümer ausschließlich gewerbliche Nutzung anbieten. Sechs Geschäfte aufgeteilt auf die beiden Gebäude hatte man geplant. Zusätzlich, sozusagen für die Rendite, sollten elf Wohneinheiten enstehen.

Unser Fazit vom Mai letzten Jahres nach einer Bauausschuss-Sitzung, auf der das Thema behandelt wurde: “Einem schnellen Bau steht somit fast nichts mehr im Weg.”

Doch damit lagen wir falsch.

Aus 11 werden 27 Wohnungen

Denn die Tinte unter der Genehmigung war noch nicht trocken, da überlegte es sich der Bauherr scheinbar plötzlich anders. “Das Gewerbe passt ihm nicht,” so Bauamtsleiter Helmut Köckeis auf der letzten Gemeinderatssitzung. “Und dann ist auch die Größe nicht mehr groß genug.”

Die Konsequenz war ein neuer Bauantrag. Aus 11 Wohnungen und 6 Läden wurden plötzlich 27 Wohnungen in einem teilweise fünfgeschossigen Bau. “Das wäre auf einen Schlag die größte Wohnanlage, die wir in Bad Wiessee haben,” so Köckeis, der noch einen drauflegt: “Das wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Notbremse zu ziehen. Bis hierher und nicht weiter.

Im alten Antrag waren die Gebäude noch dreistöckig. Das Erdgeschoss sollte gewerblich genutzt werden. Der neue Plan, den das Wiesseer Bauamt nicht rausgeben darf, sieht ein fünfgeschossiges Gebäude vor.

Auch wenn sich die Wiesseer Gemeinderäte oft nicht einig sind. In diesem Punkt standen alle hinter dem Vorschlag des Bauamtes. Das Gelände wird unter Veränderungssperre gestellt. Das bedeutet der jetzige Bauherr darf nur den genehmigten Umfang vom Mai letzten Jahres realisieren. Ein Bau mit 27 Wohnungen wird damit unmöglich.

Dazu die kurze Aussage des Wiesseer Bürgermeisters: “Da müssen wir einfach einen Riegel vorschieben.”

Eine neue Mitte für die Brache um das Rathaus

Doch die Gemeinde will nicht einfach verbieten. Das gesamte Gelände um das Rathaus herum soll zusammen mit den Eigentümern neu gestaltet werden. Denn, so Köckeis weiter: “Wenn ich aus dem Fenster schaue auf den Platz und die angerosteten Blechdächer, dann wirds mir schlecht.”

Das gesamte Areal müsse gestalterisch besser bebaut werden. Für die Ortsmitte sei das auf alle Fälle keine Zierde. Und für Bürgermeister Peter Höß ist jetzt die Chance da, um “das Zentrum rund um das Rathaus neu zu entwickeln und zu planen.”

Dabei betont Höß, dass das nicht völlig konfliktfrei über die Bühne gehen kann. Vor allem mit den Eigentümern werde es die eine oder andere kontroverse Diskussion geben. “Aber der ganze Bereich kann nur gewinnen.”

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