Die Bergwacht in Rottach-Egern hat viel zu tun und sucht Nachwuchs
Bergsteiger in Not am Tegernsee retten

von Melanie Süss

Der Tegernsee ist ein Ausflugsziel für zahlreiche Wanderer. Die Bergwacht hat dementsprechend auch sehr viele Einsätze. Tag und Nacht sind die Ehrenamtlichen zur Stelle, wenn jemand am Berg in Not gerät. Doch wo bleibt der Nachwuchs?

Eine Übung in der Plankenstein Nordwand im Sommer 2022 / Quelle: Bergwacht Rottach-Egern

Mit zirka 230 Einsätzen im Jahr zählt die Bergwacht Rottach-Egern zu den meist geforderten Bereitschaften in der Bergwacht-Region Hochland. Ein Grund dafür ist unter anderem die Größe des Dienstgebietes, das für jede Form von Bergsport ausgiebige Möglichkeiten bietet. Sie betreuen das Gebiet, das sich von der Sigrizalm bei Waakirchen über die Blauberge, über die Tegernseer Hausberge bis an die Grenze zu Tirol erstreckt.

Im Winter werden zudem die Ski- und Rodelgebiete Spitzingsee/Suttengebiet, Wallberg, Hirschberg und das Christa Kinshofer Skizentrum am Sonnenbichl im Vorsorgedienst betreut.

Nun wird Nachwuchs gesucht. Denn: Auch die Bergwacht in Rottach braucht Verstärkung. Bereitschaftsleiter Carl Enders erklärt im Interview, was es bedeutet, Teil des Bergwacht-Teams zu werden.

Wer kann die Ausbildung bei der Bergwacht starten?

Carl Enders: Unsere Anwärter sollen sicher am Berg unterwegs sein, ob beim Kraxeln oder auf Ski. Wer dann noch ein gewisses Maß körperlicher Fitness mitbringt, der ist bei uns gut aufgehoben. Außerdem sollte die Zeit für die Ausbildung und später zumindest für einen Wochenenddienst einmal im Monat vorhanden sein.

Gibt es eine Altersgrenze?

Enders: Interessierte ab 16 Jahren können bei uns die Ausbildung beginnen. Aktuell haben wir Anwärter und Anwärterinnen im Alter von 18 bis Mitte vierzig. Nach oben gibt es also keine Grenze. Im Gegenteil, wir freuen uns auch über alle, die im Tal ihre Heimat gefunden haben und sich erst nach ihrer Berufsausbildung entschließen, ein Ehrenamt aufzunehmen.

Brauchen Anwärter bestimmte Vorkenntnisse?

Enders: Wer sich für die Bergwacht interessiert, sollte zumindest schon in der Halle klettern können und sicher auf Ski stehen. Wir erwarten aber keine Höchstleistungen oder Rekorde. Auch das medizinische Wissen wird komplett in der Ausbildung vermittelt.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Enders: Die Grundausbildung dauert zirka drei Jahre, wenn man alle Tests und Prüfungen auf Anhieb besteht.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Enders: Wir haben Einsätze in jedem Gelände, zu jeder Zeit und bei jedem Wetter. Dem müssen unsere Anwärter nach der Ausbildung gewachsen sein. Die Ausbildung ist also relativ gründlich. Wir vermitteln fortgeschrittenes Wissen sowohl im Klettern als auch im Skifahren und in der Lawinensuche. Außerdem sind Bergrettungstechniken im Sommer wie Winter wichtig und alle Anwärter müssen eine umfassende Medizin-Ausbildung absolvieren. Außerdem gilt es, eine Naturschutzprüfung abzulegen. Alle Ausbildungen und Prüfungen sind praktisch. Da wird jeder Anwärter ab dem ersten Tag selbst Hand anlegen – natürlich immer unter fachkundiger Aufsicht.

Wie hoch ist der Zeitbedarf der Ausbildung?

Enders: Das kann sich jeder Anwärter je nach Wissensstand selbst einteilen. Wir bieten einmal in der Woche Ausbildungsabende an, die dann in unseren wöchentlichen Bereitschaftsabend übergehen, bei dem alle Einsatzkräfte zusammenkommen und die Woche nachbesprochen wird. So werden die Anwärter gleich in die Gemeinschaft integriert. Zusätzlich veranstalten wir Ausbildungstage im Dienstgebiet und fahren ein bis zweimal im Jahr auf Ausbildungsfahrt weiter weg. Natürlich freuen wir uns, wenn unsere Anwärter regelmäßig an diesen Veranstaltungen teilnehmen. Es gibt aber keine Pflicht, bei jeder Ausbildung dabei zu sein.

Wie viel Zeit muss ich als fertige Einsatzkraft investieren?

Enders: Auch das kann jeder selbst entscheiden. Wichtig ist der Gruppendienst, mit dem wir am Wochenende dem höheren Einsatzaufkommen Rechnung zollen. Das heißt, da halten wir eine Mannschaft in unserer Rettungswache vor, um schneller auf Notrufe reagieren zu können. Jede aktive Einsatzkraft sowie jeder Anwärter sollte einmal im Monat an einem Wochenendtag einen solchen Dienst übernehmen können. Zusätzlich freuen wir uns aber natürlich über alle, die uns auch unter der Woche von zu Hause aus in Bereitschaft unterstützen können oder Lust haben, später weitere Ämter zu übernehmen. Es gibt viele spannende Aufgaben bei uns.

Interessenten können sich bei den Bereitschaftsleitern Stefan Schmidtchen oder Carl Enders melden unter der E-Mail-Adresse: Ausbildung@bergwacht-rottach.de. Ausbildungsleiter Carl Enders beantwortet die wichtigsten Fragen zur Ausbildung:


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