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Geothermie Holzkirchen: Verantwortliche sind erleichtert

„Der Zeitgewinn ist großartig“

Von Marius Mestermann

Gestern wurde bekannt, dass dem Geothermie-Projekt in Holzkirchen womöglich eine große Erleichterung bevorsteht: Die Frist für die lukrative Einspeisevergütung soll um zwei Jahre nach hinten verschoben werden. Das würde auch einer effizienteren Nutzung des Thermalwassers die Tür öffnen.

Kleine Dampfwölkchen am Geothermieplatz - ein Gesetzesentwurf aus Berlin verspricht nun stressfreieres Arbeiten in der Alten Au.
Kleine Dampfwölkchen am Geothermieplatz – ein Gesetzesentwurf aus Berlin verspricht nun stressfreieres Arbeiten in der Alten Au.

„Die Weichen sind sehr positiv gestellt“, findet Olaf von Löwis. Nachdem gestern der Entwurf des Bundeskabinetts zur Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bekanntgegeben wurde, fällt Holzkirchen ein kleiner Stein vom Herzen (der Gesetzesentwurf in voller Länge, Geothermie auf S. 56, §45).

Denn statt 2018 soll der Degressionsbeginn auf 2020 verschoben werden, das Holzkirchner Projekt müsste also nicht wie bisher angenommen schon am 31.12.2017 ans Stromnetz angeschlossen werden, um die volle Vergütung zu erhalten. Entsprechendes Aufatmen bei den Verantwortlichen des millionenschweren Projekts. Bürgermeister von Löwis:

Das wäre auch finanziell eine deutliche Erleichterung.

Albert Götz, Geschäftsführer der für die Geothermie verantwortlichen Gemeindewerke, begrüßt die EEG-Novelle in puncto Geothermie ebenfalls. „Wir liegen zwar im Zeitplan, aber es ist schon eine Erleichterung.“ Sofern die Reform vom Bundestag beschlossen wird, könne Holzkirchen deutlich entspannter zu Werke gehen und müsste die Stromeinspeisung nicht noch Ende 2017 forcieren, so Götz.

Stattdessen würde man dafür eher 2018 anvisieren. „Wenn wir die Luft nach hinten bekommen, dann könnten wir die Wärmeversorgung vorziehen“, bestätigt von Löwis: „Das würde auch eine wesentlich effizientere Nutzung der Energiequelle ermöglichen.“

Großen Dank spricht der Bürgermeister vor allem Ilse Aigner aus, die im Januar die Anlagen in der Alten Au besuchte. Sie habe sich „massiv dafür eingesetzt“, dass die Geothermie im Reformentwurf entsprechend berücksichtigt wird.

Unterdessen neigen sich die aktuellen Tests dem Ende zu. Das sogenannte „Airlift“-Verfahren zur Reinigung nach der ersten Bohrung ist abgeschlossen, jetzt erfolgen „Säuerungen“, durch die das Wasser leichter zum Bohrloch fließen soll.

Dafür werden erneut in aufwendigen Einzelschritten Rohre in den fünf Kilometer tiefen Bohrschacht eingeführt und danach wieder ausgebaut. Anfang nächster Woche ist mit dem Abschluss der Arbeiten zu rechnen, dann soll endlich Gewissheit herrschen.

Ursprünglicher Artikel vom 08. Juni 2016 mit der Überschrift: „Berlin nimmt den Druck vom Kessel“

Fehlbohrung, Millionenschaden und enge Fristen, die für bares Geld stehen: Das Geothermie-Projekt in Holzkirchen steht unter Druck. Vor allem die begrenzte Zeit und die limitierte finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite sitzt den Verantwortlichen im Nacken. Doch nun könnte eine Gesetzesreform für Erleichterung sorgen.

Das Bundeskabinett in Berlin nimmt den Druck: Eine mögliche Reform des EEG könnte dem Geothermie-Projekt in Holzkirchen mehr Zeit verschaffen. / Quelle: Erdwerk GmbH
Das Bundeskabinett in Berlin nimmt den Druck: Eine mögliche Reform des EEG könnte dem Geothermie-Projekt in Holzkirchen mehr Zeit verschaffen. / Quelle: Erdwerk GmbH

Erst Ende Mai wurde die „frohe Botschaft“ verkündet: Die Bohrungen auf dem Geothermie-Areal in Holzkirchen haben die angestrebte Tiefe von 5.600 Metern erreicht. Seitdem werden Pumptests durchgeführt, um herauszufinden wie viel Wasser tatsächlich vorhanden ist und ob das Wasser die erhoffte Temperatur hat. Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, könnte schon bald Thermalwasser und somit auch Geld für das aufwendige Projekt sprudeln.

Das Holzkirchner Geothermie-Projekt scheint sich also von dem Rückschlag im April erholt zu haben. Damals stieß ein Bohrer auf ein Gasvorkommen – diese Fehlbohrung kostete knapp drei Millionen Euro und die Verantwortlichen des Projekts zwei Wochen wertvoller Zeit – zum Glück sprang die Versicherung ein.

Denn der Druck ist nicht von der Hand zu weisen: Bis zum 31.12.2017 muss Strom auf dem Areal eingespeist werden, da sonst die staatliche Subvention – also die finanzielle Unterstützung – sinkt und damit dem Holzkirchner Geothermie-Projekt droht, ein Verlustgeschäft in Millionenhöhe zu werden.

Mehr Zeit und Geld für Holzkirchner Ökostrom

Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke und Vorsitzender der Geothermie Holzkirchen GmbH, gab sich trotz dieses Zeitdrucks bisher immer zuversichtlich, dass das Projekt rechtzeitig bis Ende 2017 erfolgreich abgeschlossen sein würde. Seit heute ist jedoch eine Erleichterung des zeitlichen und finanziellen Drucks in Aussicht: Das Bundeskabinett in Berlin hat eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetztes (EEG) beschlossen.

Dieses Gesetz wurde 2010 von der Bundesregierung zur Förderung des Ökostroms verabschiedet und versichert unter anderem Geothermie-Projekten eine finanzielle Unterstützung – allerdings nur, wenn bis Ende 2017 auch Strom fließt, sonst fällt die Subvention geringer aus. Das Gesetz sieht außerdem eine zeitliche Begrenzung der vollen Unterstützung vor. Das bedeutet im Klartext: Ab 2018 sinkt auch für erfolgreiche Projekte die finanzielle Unterstützung jährlich um fünf Prozent.

Das könnte sich jedoch schon bald ändern, sollte die heute beschlossene Reform des EEG auch im Bundestag eine Mehrheit finden. Danach würde der Degressionsbeginn für Geothermie-Projekte von 2018 auf 2020 verschoben. Bedeutet: Die finanzielle Unterstützung vom Staat sinkt erst ab dem Jahr 2020, sodass auch das Holzkirchner Geothermie-Projekt bis Ende 2019 Zeit hätte, erfolgreich Strom und Wärme aus dem Thermalwasser zu gewinnen.

EEG-Reform noch nicht endgültig

Die neue Regelung erfüllt die Wünsche des Bundesverbands Geothermie jedoch nur zum Teil, lässt dieser in einer Pressemitteilung verlauten. Und bohrt sogar noch weiter: Zu der heute beschlossenen Reform fordern die Organisation zusätzlich, dass die Degression von bisher fünf auf nur noch ein Prozent jährlich gesenkt wird. Das hieße, dass sich ab 2020 die Vergütung pro 100 Megawatt Leistung nur um ein Prozent reduziert. „Um die Unsicherheiten auf Seiten der Projektrealisierer, Investoren und Banken zu beseitigen, muss die EEG-Reform nachgebessert werden“, so Dr. Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbands Geothermie.

Zumindest können die Verantwortlichen des Holzkirchner Projekts durch die mögliche Reform des EEG zunächst darauf hoffen, zwei Jahre Zeit und damit auch längere Subventionen zu gewinnen. Ob sich überhaupt der feuchte Traum erfüllt, wird sich in den kommenden Wochen herausstellen.

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