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Corona-Ausbruch in Seniorenresidenz Wallberg

Bewegende Worte an die Tal-Bürger

Von Redaktion

Bisher war nicht bekannt, welche Seniorenresidenz im Tegernseer Tal vom starken Corona-Ausbruch betroffen ist. Jetzt wendet sich der Geschäftsführer mit bewegenden Worten an die Öffentlichkeit.

In der Seniorenresidenz Wallberg in Rottach-Egern kam es zu einem Corona-Ausbruch

Seit dem Wochenende ist ein Pflegeheim am Tegernsee von einem großen Corona-Ausbruch betroffen. 36 der 70 Bewohner und 15 der 62 Mitarbeiter wurden positiv auf das Virus getestet. Bisher war nicht bekannt, um welches Heim es sich handelt. Jetzt wendet sich der Geschäftsführer der Seniorenresidenz Wallberg Peter Wisgott mit bewegenden Worten an die Öffentlichkeit. Er schreibt:

Ich melde mich hier als der Geschäftsführer der Seniorenresidenz Wallberg, von der Pflegeeinrichtung, in der gerade das enorme Ausbruchsgeschehen stattfindet.

In seinem Brief erklärt er außerdem die aktuelle Lage im Heim. Nur wenige Bewohner zeigen wohl typische Corona-Symptome. Die Lage sei im Großen und Ganzen gut. „Ich kann alle an dieser Stelle nur beruhigen, wie Eingangs schon erwähnt läuft der Zeit die Corona-Infektion bei unseren Bewohnern „relativ mild“ ab. Was auch höchstwahrscheinlich mit den bereits erfolgten Impfungen zu tun hat.“ Am 31. Dezember wurde den Bewohnern im Pflegeheim die erste Impfdosis verabreicht.

Wisgotts betroffene Mitarbeiter habe es dagegen teils schlimmer erwischt. Zwei Angestellte mussten sich sogar im Krankenhaus behandeln lassen. Der Geschäftsführer betont weiter:

An Spekulationen wie der Virus in unserer Einrichtung gelangt ist, möchte ich mich nicht beteiligen. Dafür könnte es viele Gründe geben. Das wichtigste ist, das wir diesen Ausbruch gut in den Griff bekommen und das beste für unsere anvertrauten Bewohner und unser Personal tun, was gerade über sich hinauswächst und Übermenschliches leistet.

Leider sei genau das eingetreten, was die schlimmsten Alpträume waren. Wenn dieser Virus in eine Pflegeeinrichtung komme, sei das Ausbruchsgeschehen schwer zu steuern und könne sich sogar bis zu einer Katastrophe ausweiten. Wisgotts größter Dank gebührt seinen Mitarbeitern. Sie seien in diesen Zeiten die wahren Helden und das Rückgrat unserer Gesellschaft.

Starke Hygieneregeln beim Einlass

Den gesamten Brief im Wortlaut lest ihr hier:

Liebe Leser der Tegernseer Stimme, Liebe Angehörige von unseren Bewohnern und vor allem auch Liebe Mitarbeiter

Ich melde mich hier als der Geschäftsführer der Seniorenresidenz Wallberg, von der Pflegeeinrichtung, in der gerade das enorme Ausbruchsgeschehen stattfindet. Ich habe mich deshalb entschlossen hier in dieser Plattform zu schreiben, um nicht nur die Angehörigen zu informieren, sondern auch alle anderen Personen hier im Landkreis Miesbach. Mein Schreiben soll auch dazu dienen evtl. Missverständnisse oder haltlose Spekulationen zu unterbinden.

Als erstes möchte ich hier einmal aktuell über die Situation der Bewohner berichten. Den Bewohnern geht es im Großen und Ganzen gut. Wir haben nur wenige Fälle die etwas fiebern. D. h. nur ein paar Bewohner haben Temperatur um die 38,5 °. Nur wenige Bewohner zeigen teilweise typische Corona Symptome auf. Manche Bewohner sind zwar Corona Positiv, zeigen aber keinerlei Symptome.

Beim Personal verhält sich die Situation leider anders. Hier kommt es zu hohen Fieberschüben bis zu einer Temperatur über 40°. Kompletten Verlust des Geruchs- und Geschmacksinnes. Starken Kopfschmerzen die mit Migräneschmerzen vergleichbar sind. Atemnot, Herz- und Kreislaufschwierigkeiten. Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen. Teilweise mussten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schon stationär im Krankenhaus Agatharied behandelt werden. Diese Symptome bzw. Krankheitszeichen schreiten rasch voran und das innerhalb weniger Stunden. Um dies vielleicht noch verständlicher auszudrücken: ein Mitarbeiter geht noch symptomlos nach Hause, 4 Stunden später meldet er sich schon mit Symptomen und teils hohen Fieber.

Wie dieser Virus trotz aller Schutzmaßnahmen in unsere Einrichtung kam, bleibt leider immer noch ein Rätsel bzw. wie es zu diesem starken Ausbruchsgeschehen gekommen ist. Denn wir haben alles Erdenkliche getan und alle aktuellen Kenntnisse, die wir erlangen konnten, um diese in unseren Hygienekonzept einzuarbeiten und umzusetzen. Allein dafür haben wir viele Anfeindungen geerntet und ich weiß, dass es meinen Kollegen, die die anderen Einrichtungen im Landkreis Miesbach führen und betreiben nicht besser erging. Nicht umsonst haben wir 10 Monate die Einrichtung Corona freihalten können. Aber leider ist genau das eingetreten, was unsere schlimmsten Alpträume waren. Wenn dieser Virus in eine Pflegeeinrichtung kommt, ist das Ausbruchsgeschehen schwer zu steuern und kann sich sogar bis zu einer Katastrophe ausweiten.

An Spekulationen wie der Virus in unserer Einrichtung gelangt ist, möchte ich mich nicht beteiligen. Dafür könnte es viele Gründe geben. Das wichtigste ist, dass wir diesen Ausbruch gut in den Griff bekommen und das beste für unsere anvertrauten Bewohner und unser Personal tun, was gerade über sich hinauswächst und Übermenschliches leistet.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich an die Corona Schutzregeln zu halten und sobald sich die Chance ergibt sich impfen zulassen. Denn anders werden wir diese Pandemie nicht in den Griff bekommen, wenn wir jemals wieder zu einem normalen Leben wie wir es vor Corona gekannt haben zurückkehren wollen. Auch möchte ich an dieser Stelle mal ein kurzes Statement an die Corona Leugner oder Gegner richten. Wir erleben in der Seniorenresidenz Wallberg diese Situation hautnah, viele Mitarbeiter kenne ich schon seit über 10 Jahre und länger. Manchmal arbeiten ganze Familien bei uns. In der Altenpflege sind wir, wie eine große Familie und zittern mit und haben auch große Ängste, wenn es einen von uns erwischt. Natürlich sind auch unsere Gedanken, auch bei denjenigen die wegen Corona krank zu Hause sind und ganz besonders bei denen die in stationärer Behandlung oder schwer erkrankt in Ihrer häuslichen Umgebung sind. Denn wir sind eine Familie, vom Reinigunsgsteam, Hausmeister angefangen von Küche und Verwaltung bis zur Pflege und Betreuung.

Das Gesundheitsamt steht uns beratend jeder Zeit zur Seite. Auch um die medizinische ärztliche Versorgung zu gewährleisten, wurde ein ärztlicher Dienst installiert, der die Bewohner jeden Tag besucht und untersucht. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken. Ich kann alle an dieser Stelle nur beruhigen, wie Eingangs schon erwähnt läuft der Zeit die Corona-Infektion bei unseren Bewohnern „relativ mild“ ab. Was auch höchstwahrscheinlich mit den bereits erfolgten Impfungen zu tun hat. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei Hr. Dr. Straßmüller, Hr. Dr. Busse und dem gesamten Impf-Team bedanken, was mehr als einfühlsam mit unseren Bewohnern am 31.12.2020 umgegangen ist. Auch möchte ich mich an dieser Stelle bei Herrn Christian Köck Bürgermeister von Rottach-Egern bedanken, der sich immer um das Wohlergehen der Bewohner und des Personals erkundigt hat und ständig seine Hilfe anbietet, falls wir Unterstützung benötigen.

Aber mein größter Dank gilt meinem Personal, die auch in dieser schweren Situation sich nicht hängen lassen und deutlich über sich hinauswachsen. Eine Einsatzbereitschaft zeigen, die man heute nur noch sehr selten findet. Ob es das Pflegepersonal ist, das trotz der enormen Belastung immer noch die Zeit findet, eine Hand zu halten. Die Küche, die probiert mit zusätzlichen Shakes oder besonderen Zwischenmahlzeiten den Bewohnern Freude zu schenken. Eine Verwaltung, die bis in die späten Abendstunden arbeitet und auch berufsfremde Aufgaben übernimmt. Einen Hausmeister der bei dieser enormen Materialschlacht sogar noch bis Spätabends unterwegs ist, um Hilfsmittel abzuholen. Reinigungspersonal, das bis in die späten Abendstunden reinigt und desinfiziert. Das sind die wahren Helden und ich habe größten Respekt vor Euch allen. Ich bin stolz, dass ich Euer Geschäftsführer sein darf, denn ihr seid das wahre Rückgrat unserer Gesellschaft.

An meine Heimleiterkollegen in den anderen Einrichtungen, bitte haltet Eure Schutzmaßnahmen aufrecht, ganz egal wieviel Anfeindungen ihr erntet. Denn ich weiß genau, es ging Euch nicht besser als mir. Denn wir wissen, wir machen diese Maßnahmen nicht um hier irgendwelche Menschen zu dengeln, sondern zum Schutz der uns anvertrauten Senioren. Den uns allen wäre nichts lieber, als so schnell wie möglich nach COVID 19 wieder zu einem Normalzustand zu zurückzukehren.

Ich wünsche uns allen, dass diese schweren Zeiten schnell zu Ende gehen und es bald nur noch wie ein böser Alptraum erscheinen. Passt auf Euch auf und bleibt gesund

Peter Wisgott
Geschäftsführer Seniorenresidenz Wallberg


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