Schließungen und Ungewissheit
Bröckelt Kreuths Infrastruktur?

von Tom Fischhaber

Zuletzt häuften sich die Meldungen über Schließungen und Betriebsaufgaben wie beim Penny Supermarkt in Kreuth. Auch zwei Traditionsgaststätten machten dicht. Während so der Eindruck entsteht, die Kreuther Infrastruktur bröckelt beträchtlich, gibt es jedoch Zahlen, die Hoffnung machen.

Das Batznhäusl in Kreuth schloss kürzlich seine Tore. /Archivbild.
Das Batznhäusl in Kreuth schloss kürzlich seine Tore / Archivbild.

Seit Oktober sind die Türen des Penny Marktes und des Gasthauses Riedler Stubn in Kreuth geschlossen. Nun ist auch die Traditionsgaststätte Batznhäusl dicht. Die Pächterin wollte zur zukünftigen Situation keine Auskunft geben.

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Laut Bürgermeister Josef Bierschneider wird zumindest ein Supermarkt in Kreuth auch weiterhin ein Problem bleiben. Eine Alternative sei schwer zu finden, da die Konzerne ein genaues Konzept mit Verkaufsfläche und Grundstücksgröße haben und davon nicht abweichen wollen. Bierschneider sieht zukünftig nur eine Möglichkeit: „Das geht nur, wenn Supermärkte von ihrem Maximalkonzept abweichen und eine kleinere Filiale akzeptieren würden.“

Schlechte Lage?

Der ehemalige Wirt der Riedler Stub’n, Thomas Eberhard, macht die abgeschiedene Lage in Kreuth für die Schließung seines Restaurants verantwortlich. „So schön die Lage in der Natur ist, desto schwieriger ist seine Bewirtung.“ Jedoch mache ihm auch die Konkurrenz durch die Waldfeste zu schaffen. Bierschneider hat da eine andere Meinung:

Waldfeste sind fünf Tage im Jahr, dann hätte ja jeder im Landkreis Probleme mit diesen Festen.

Einen Lichtblick gibt es jedoch: Die Eigentümer der Riedler Stub’n, Elisabeth und Georg Hörth, wollen unter eigener Führung zum 1. Januar wieder eröffnen. Die May-Klinik in Kreuth hingegen ist seit Jahren geschlossen. Der Baubeginn für das geplante Hotel auf dem Klinikareal war eigentlich für Anfang 2015 geplant. Laut den Verantwortlichen befindet sich die Situation jedoch noch immer im Verhandlungsstatus, konkrete Aussagen gibt es nicht.

Auch die Zukunft der Hanns-Seidel-Stiftung im Wildbad Kreuth ist unklar. Eine Renovierung der Einrichtung war geplant, jedoch fühlte sich niemand für die Finanzierung verantwortlich. Aufgrund der höheren Mietforderungen seitens der Eigentümer wurde der mit der CSU bis März 2016 laufende Mietvertrag im gegenseitigen Einvernehmen nicht verlängert. Das herzogliche Haus ist aber wohl an einem Tagungshotel interessiert.

Alles hat ein Ende, die Wurst auch?

Aber nicht nur Gastronomen sind in Kreuth betroffen. Um eine drohende Schließung abzuwenden, ist die Filiale der Sparkasse seit dem 6. Juli nur noch an zwei Tagen in der Woche geöffnet. Der Grund: Kostendruck. Nur der SB-Bereich steht derzeit 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Wer sich beraten lassen will, muss zuvor einen Termin vereinbaren.

Wie es mit Fleisch und Wurst in Kreuth weitergeht, steht wohl weiterhin in den Sternen. Wie Leonhard Walch bereits unter Insidern verlauten ließ, steht es wohl schlecht um die Zukunft der Metzgerei. Walch selbst möchte sich nach vielen Jahren in seinem Geschäft zur Ruhe setzen, ein geeigneter Nachfolger fehlt jedoch. Wann genau Walch in seiner Metzgerei aufhören will, lässt er bislang offen. Perspektivisch ist damit allerdings ein Ende abzusehen.

„Die Statistik weist eine sehr stabile Geburtenentwicklung auf“

Das Bayrische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung gab 2011 eine Prognose der Bevölkerungsveränderung in Kreuth bis 2021 ab. Demnach soll der Anteil der unter 18-Jährigen um 11,8 Prozent abnehmen, während sich die Zahl der 18- bis unter 65-Jährigen nicht verändert.

Beim Blick auf diese Statistik könnte man vermuten, dass der vermeintliche Infrastrukturschwund durch das hohe Alter begründet ist. Doch die Statistik der Gemeinde Kreuth zeichnet zumindest für die Gegenwart ein klares Bild: Die Anzahl der Jugendlichen ist im Zeitraum von 2010 bis 2014 sogar gestiegen:

Statistik

Dem Landesamt widerspricht Bierschneider mit einem Hinweis auf statistische Fehler: „Die Statistik weist eine sehr stabile Geburtenentwicklung auf.“ Während also die Zukunft einiger Einrichtungen noch ungewiss ist, ist zumindest der Kreuther Nachwuchs für die nächste Generation gesichert. Dieses Potenzial gilt es nun zu nutzen.

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