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Sparkasse will landkreisweit 90 Immobilien abstoßen - Mieter verunsichert

Brommes Erbe steht zum Verkauf

Von Lydia Dartsch

Die Kreissparkasse verkauft Immobilien, und zwar ihre eigenen. Wie jetzt bekannt wird, hält die KSK unverhältnismäßig viele Gewerbe- und Wohnobjekte im Landkreis.

Der aktuelle Vorstandsvorsitzende Martin Mihalovits wollte den Überbestand schon 2012 verkaufen. Doch erst jetzt nimmt der Verkauf Fahrt auf. 90 Wohnungen sollen weg. Die Mieter sind verunsichert.

Die Sparkasse will ihre überzähligen Immobilien - so wie hier in der Neureuthstraße in Tegernsee verkaufen. Seit gut zwei Jahren lief es Stück für Stück. Jetzt soll es schneller gehen.
Die Sparkasse will ihre überzähligen Immobilien – wie hier in der Neureuthstraße in Tegernsee – verkaufen. Seit gut zwei Jahren lief es Stück für Stück. Jetzt soll es schneller gehen.

„Wir haben doppelt so viele Immobilien wie andere Sparkassen“, sagt Peter Friedrich Sieben, Pressesprecher der Kreissparkasse Miesbach. Das Faible für Immobilien von Ex-Sparkassen-Chef Georg Bromme war bereits mit der Sponsoring-Affäre um Ex-Landrat Jakob Kreidl bekannt geworden. Unter anderem hatte die Sparkasse unter dem ehemaligen Sparkassen-Chef ein immerwährendes Nutzungsrecht für den Psallierchor in Tegernsee gekauft sowie beispielsweise die Geitauer Alm. Auch Gewerbeflächen und 90 Wohnungen in insgesamt 25 Objekten im gesamten Landkreis haben sich mit der Zeit angesammelt, so Sieben, darunter das Haus in der Neureuthstraße 4 und 6 in Tegernsee.

Die Wohnungen seien keine Luxuswohnungen, nicht die Top-Lagen, betont er. Sie seien ursprünglich dazu gedacht gewesen, Mitarbeiter der Sparkasse günstig wohnen zu lassen. Doch mittlerweile sei dies nicht mehr notwendig. Nur noch rund 30 Prozent der Sparkassen-eigenen Wohnungen seien an Mitarbeiter vermietet, sagt der Pressesprecher.

Keine Reaktion auf Kreidl-Affäre

Mit dem Führungswechsel vor zweieinhalb Jahren wollte man sich wieder auf die eigentliche Aufgabe einer Sparkasse konzentrieren, sagt Sieben: Geld anlegen und Kredite vergeben. Deshalb sei bereits damals entschieden worden, jene Immobilien zu verkaufen, die nicht betriebsnotwendig sind. Als Reaktion auf die Kreidl-Sponsoring-Affäre sei dies nicht zu sehen, sagt Sieben auf Nachfrage.

Während der Verkauf dieser Immobilien zunächst nur stückweise angelaufen sei, wolle man nun die Objekte schneller loswerden und habe deshalb die Firma Comes Real mit dem Verkauf beauftragt. Jedes Unternehmen für sich – Sparkasse und Maklerfirma – habe einen Preis für die Objekte ermittelt und sich auf dieser Grundlage auf einen Preis geeinigt, „der nahe am Marktpreis liegt“, wie Sieben sagt. Verramschen wolle man die Wohnungen schließlich nicht.

Mieter verunsichert

Doch die Mieter sind verunsichert. In mehreren E-Mails an die Redaktion der TS weisen die teilweise schon seit Jahrzehnten in den Wohnungen lebenden früheren Mitarbeiter der Sparkasse auf den drohenden Verkauf hin. Man habe ihnen die Wohnungen angeboten. Wenn sie nicht zugriffen, müsse man die Immobilien in einem zweiten Schritt auf dem freien Markt verkaufen, so der Tenor eines Briefes, den die Mieter in den vergangenen Tagen erhalten haben. Die derzeit sehr niedrigen Mieten, die für die Wohnungen bezahlt werden – im Schnitt liegen diese bei 6 bis 8 Euro pro Quadratmeter – bekommt man im Tegernseer Tal gar nicht mehr.

Die Kreissparkasse bestätigt die Vorgehensweise auf Nachfrage. Peter Friedrich Sieben erklärt, dass man die Wohnungen ganz bewusst zunächst den Mietern angeboten habe, die bereits dort wohnen. In einem zweiten Schritt sollen diese den aktuellen Sparkassen-Mitarbeitern angeboten und schließlich auf dem freien Markt verkauft werden. Am liebsten en bloc, um die Mieter nicht dem Risiko auszusetzen, dass die neuen Besitzer Eigenbedarf anmelden und die Bestandsmieter ausziehen müssen. Und wenn sie auch dann nicht verkauft werden? „Dann behalten wir sie eben“, sagt Sieben.

Der Erlös aus den Verkäufen soll direkt dem laufenden Kreditgeschäft zu Gute kommen und an die Kunden verliehen werden: „Das fällt mit unserem eigenen Geld leichter“, sagt der Pressesprecher. Außerdem lohne es sich angesichts der am Donnerstag verhängten „Strafzinsen“ für eine Bank nicht, Geld anzulegen, fügt er hinzu. Für die Sorgen der Mieter habe die Kreissparkasse dagegen großes Verständnis. Die beauftragte Immobilienfirma sei angehalten, das Thema „mit Fingerspitzengefühl“ anzugehen.


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