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Energiewende in Weyarn scheint kompliziert

Bürger-Engagement gefragt

Von Petra Dietzel

Die gute Nachricht ist, dass die Gemeinde Weyarn ein hohes Potential hat, eigene Energieressourcen einzusetzen. Und damit ihrem Ziel der Energieautarkie bis 2030 näher zu kommen. Aber: Die Energiewende ist mühseliger als gedacht – und damit auch teurer.

Beim Bürgerfest in Weyarn am Samstag.
In Sachen Energiewende müssen alle Weyarner mit anpacken / Archivbild

Dank seiner vielfältigen landschaftlichen Struktur hat Weyarn auch die Möglichkeit vielfältige Energieformen einzusetzen. Das bedeutet im Gegenzug, dass die energetischen Lösungen für einzelne Orte, Siedlungen oder Gehöfte maßgeschneidert sein müssen.

Beste Voraussetzungen für diese analytischen Arbeiten bietet die kürzlich vorgestellte Studie zum Thema Energie. Sie wurde Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik von der Technischen Universität München (TUM) erstellt. Und sie ist so detailliert und umfangreich, dass auch den Fachleuten vom Weyarner Arbeitskreis (AK) Energie und Umwelt die Köpfe rauchen.

Datenbank als Herzstück

So gäbe es das „Herzstück“, nämlich eine umfangreiche Datenbank, aus der Experten mit einer Zoomfunktion verschiedene Ebenen abfragen können. „Wie bei einem Magnetresonanztomografen kann man bis in kleinste Siedlungen runtergehen, aber auch andere Bereiche als Vergleiche heranziehen“, erläutert AK-Mitglied Günther Hammel.

Als zwei Säulen des künftigen Energienutzungskonzepts scheinen sich Photovoltaik und Wasserkraft abzuzeichnen. Prinzipiell käme in der Region auch Windkraft in Frage. Wegen der neuen Abstandsregelungen und der veränderten Einspeisegebühren müsse man jedoch über die Effizienz nachdenken, warnen die Gemeinderäte.

Als Lückenfüller, die im Gegensatz zu den sonnenabhängigen Solaranlagen konstant Strom liefern, ziegt Hammel auf, kämen Biogasanlagen in Betracht. Ebenfalls eine regenerative Energiequelle stelle die im Bau befindliche Heizkraftanlage im Ort Weyarn dar. Eine solche Nahwärmeversorgung, die mit Hackschnitzeln beheizt wird, so der AK-Vertreter, könne auch eine Lösung für kleinere Weiler sein.

Klosteranger-Planer verwerten Daten

Prinzipiell interessant sei der Ansatz der Oberflächen-Geothermie für Anwesen in Streusiedlungen. Da diese Energiegewinnung nur bei Niedertemperaturheizungen, sprich Fußbodenheizungen, sinnvoll ist, beschränke sie sich auf Neubauten.

Vorteil der Datenbank sei, dass beispielsweise die Wärmeisolierung und der Verbrauch einer Liegenschaft detailliert erfasst seien. In Verbindung mit möglichen Energiequellen könnten nun die regionalen Probleme erkannt und damit Entscheidungen besser gefällt werden.

Da die Gefahr groß ist, dass die Daten veralten, sei ständige Aktualisierung unabdingbar. Ebenso so wichtig sei es, dass mit den Erhebungen gearbeitet werde, sonst sei der ganze Aufwand vergeblich gewesen. Die ersten, die diese Erkenntnisse bereits einsetzten, so Hammel, seien die Planer des Klosteranger-Projekts.

Das Bauprojekt Klosteranger steht wieder einmal auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung.
Beim Bauprojekt Klosteranger werden die Erkenntnisse schon angewandt

Deutlich geworden ist, dass ohne persönliches und finanzielles Engagement der Bürger keine Energiewende machbar ist. Voraussetzung dafür ist eine fundierte und individuelle Information. Die kann wiederum nur die Gemeinde leisten oder lancieren. Damit ist auch deutlich, dass „ohne Schritte der Gemeinde gar nichts mehr geht“, so der AK Energie.

Bürger und Gemeinde sind gefragt

Von insgesamt sieben Projekten, die die TU-Studie herausgearbeitet hat, hat der Gemeinderat konkret beschlossen, zwei Machbarkeitsstudien an externe Büros in Auftrag zu geben. Das ist zum einen die Prüfung, ob die Photovoltaik an der Autobahn A8 eine Zukunft hat. Zum anderen geht es darum, zu hinterfragen, ob die Mangfall überhaupt für die Nutzung von Wasserkraft geeignet ist.

Zwei weitere Projekte, die angegangen werden sollen, sind die Ortschaftsberatung und die Bürgergenossenschaften. Für die Beratung fühlt sich die Gemeinde nicht kompetent genug: „Da brauchen wir Leute mit Fachwissen“, so Betty Mehrer (SPD). Dieses Projekt wird wie die Machbarkeitsstudien vom Amt für ländliche Entwicklung gefördert.

Da die Gemeinde über „klamme Kassen“ verfügt, wie Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) betont, müsse über Geschäftsmodelle mit Bürgerbeteiligung nachgedacht werden. Die Bürgergenossenschaften seien ein solcher Ansatz. Erste Modelle seien bereits in Nachbargemeinden ausprobiert worden. Wie es aussieht, wird die Energiewende in Weyarn nicht nur mühseliger, sondern auch teuerer als erhofft – und zwar auch für die einzelnen Bürger.

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