„Da entscheidet jede Sekunde“

von Michael Dalock

Durchschnittlich alle vier Minuten trifft ein Notruf in der Notrufzentrale des Oberbayerischen Polizeipräsidiums ein. Deren Chef Robert Kopp will diese Zahl nun mit einer Kampagne weiter erhöhen. Und den Bürgern die Scheu vor der 110 nehmen.

Polizeipräsident Robert Knopp (rechts im Bild) und Polizeidirektor Gerhard Schusser präsentieren die Notruf-Offensive "110".
Polizeipräsident Robert Kopp (rechts im Bild) und Polizeidirektor Gerhard Schusser präsentieren die Notruf-Offensive.

„Jede Sekunde entscheidet“, erklärt Robert Kopp, Chef des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Er hat mit einer ähnlichen Aktion in München bereits gute Erfahrungen gemacht. Jetzt will er die „Notrufoffensive 110″ auch in Oberbayern Süd umsetzen: „Leider stellen wir immer wieder fest, dass Bürger nicht die 110 anrufen“, so der Polizeipräsident, „obwohl es angebracht wäre.“

Gründe hierfür sei, dass man sich nicht traue, weil man die Nummer nicht unnötig benutzen wolle, aber auch dass viele die Notrufnummer der Polizei einfach nicht kennen würden. Dabei sind die Anrufe, die in der Notrufzentrale eingehen, ein unverzichtbarer Beitrag zur Verbrechensaufklärung aber auch zur Gefahrenabwehr, betont Kopp.

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Notruf Offensive „110“

So sei es erst jetzt im Februar in der Rosenheimer Innenstadt zu einem Vorfall gekommen, bei dem ein Anruf einen Einbruch vereitelt habe. Nachbarn hätten unter „110“ die Polizei verständigt. Umgehend habe man eine Streife zu einem Einfamilienhaus geschickt, in das gerade eingebrochen worden sei. Die Beamten konnten den Einbrecher mit seiner Beute noch im Haus stellen und verhaften.

Um die Bürger die Scheu vor dem Anruf der „110“ zu nehmen, starte man jetzt die Aktion im ganzen Gebiet des Polizeipräsidiums, dass mit 9.178 Quadratkilometern dreimal so groß wie das Saarland ist und in dem rund 1,25 Millionen Menschen wohnen. Hierzu werde man an Orten mit hohem Wahrnehmungswert Plakate aufhängen und Flyer verteilen.

Aber auch auf Facebook und auf Twitter sollen Informationen zu der Kampagne veröffentlicht werden. Es gäbe zwar keinen konkreten Anlass, die Kampagne jetzt durchzuführen. Jedoch gebe es, so der Polizeichef, ein Abrutschen des Sicherheitsgefühls beim Bürger und den Drang als Polizeipräsidium noch besser zu werden.

Nicht sofort auflegen

Melden könne man alles, was einem verdächtig erschiene, so Kopp: Von fremden Personen, verdächtig geparkten Autos, auffälligen Geräuschen mitten in der Nacht. „Wenn Bürger sich sorgen machen, kommen wir.“ Die Notrufzentrale sei rund um die Uhr mit mindestens zehn Beamten besetzt, erläutert Polizeidirektor Gerhard Schusser. Einen Tipp gibt er, falls die Leitungen doch mal besetzt sind:

Nicht direkt auflegen, wenn man in der Warteschleife ist.

Bei einem erneuten Anruf müsse man sich quasi wieder anstellen. Nur in dem äußerst seltenen Fall, dass man ein Besetzt-Zeichen höre, müsse man erneut anrufen.

Mit modernster Software ist die Notrufzentrale mit den Revieren, aber auch der Feuerwehr vernetzt.
Mit modernster Software ist die Notrufzentrale mit den Revieren, aber auch der Feuerwehr vernetzt.

In München habe man mit der Kampagne Erfolg gehabt. Der Wortlaut auf den Plakaten sei im Gespräch mit den Bürgern entstanden und bisher gut angekommen. Wenn die Kampagne auch für den Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd erfolgreich würde, sei man bereit auch personell aufzustocken.

Aber jetzt machen wir erst mal den ersten Schritt.

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