“Da Hoaddoktor”

Franz von Defregger Straße, Otto-Mair-Ring oder die Burgstallerstraße – alles drei sind Straßennamen in Holzkirchen. Doch wer waren die Namensgeber? In einer Serie begibt sich die Holzkirchner Stimme auf historisch-spannende Spurensuche. Heute die Wilhelm-Liebhaber-Straße.

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Wilhelm Liebhaber wurde am 3. Juli 1834 in Schwaben in eine schwierige Zeit hineingeboren. Während auf der einen Seite der deutsche Adel versuchte, seine Privilegien weiter aufrechtzuerhalten, wuchs auf der anderen Seite ein selbstbewusstes Bürgertum mit liberal-demokratischen Vorstellungen heran.

Ziele dieser Bewegung waren beispielsweise: ein aktives Wahlrecht und die Einrichtung eines politischen Systems, in dem alle Menschen gewisse Grundfreiheiten genießen können. Liebhaber nutzte diese neue Aufbruchstimmung in der Zeit des sogenannten „Vormärzes“ und wagte den sozialen Aufstieg: 1869 ließ sich der damals 35-Jährige in Holzkirchen-Haid als Naturheilkundiger und Heilmagnetiseur nieder.

Da Hoaddoktor, ein Workaholic

Schnell erarbeitete sich der junge Mann den Ruf als angesehener Medikus. Dazu kam der Umstand, dass er nach Berichten aus der damaligen Zeit eine sehr kraftvolle, selbstbewusste und originelle Persönlichkeit gewesen sein muss. Bald wurde er in der oberbayerischen Gemeinde nur noch der „Hoaddoktor“ genannt.

wilhelm_liebhaber-2 Der Arzt von der Haid war ein Familienmensch. Für damalige Zeit eher ungewöhnlich war Liebhaber dreimal verheiratet und hatte vierzehn Kinder. Aber nicht nur das war „anders“.

Der „zugroaste Schwab“ war Mitgründer des Turnvereins Holzkirchen und zudem ein begeisterter Musiker. Um die Musikkapelle Haid auszustatten, investierte er selbst in die nötigen Instrumente.

Für Konzertaufführungen ließ er außerdem auf seinem Grundstück einen hölzernen Musikpavillon bauen. Ergo wurde bei Liebhabers regelmäßig aufgespielt, Zuschauer beziehungsweise Zuhörer inklusive.

Aber auch wenn es in Holzkirchen und Umgebung etwas zu löschen gab, war der Tausendsassa zur Stelle. Hier fungierte Liebhaber höchstpersönlich als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Roggersdorf-Haid. Unter seiner Führung wurde seine königliche Hoheit, Prinzregent Luitpold, höchstpersönlich zum Ehrenkommandanten ernannt, die selbiger „huldvollst“ annahm.

Das Vermächtnis

Das größte Denkmal schuf sich Wilhelm Liebhaber jedoch mit dem Bau des Krankenhauses Holzkirchen im Jahr 1892. Ursprünglich war angedacht, in den Räumen Lungenkranke zu behandeln. Als die Heilungserfolge ausblieben, verkaufte der Arzt das Anwesen 1899 an die Ortskrankenkasse in München. Später fand ein Rückkauf durch die Gemeinde statt. Das Haus wurde erweitert und modernisiert.

Im früheren Krankenhaus, das Liebhaber baute, befindet sich heute eine private Grundschule.
Im früheren Krankenhaus, das Liebhaber baute, befindet sich heute unter anderem eine private Volksschule.

Mit der Errichtung des Zentralkrankenhauses Agatharied 1998 wurde die medizinische Behandlung eingestellt. Heute sind die Räume der Mathematik und dem Englischen vorbehalten. Eine private Volksschule und ein Gymnasium sind in das geschichtsträchtige Anwesen eingezogen.

Sein Begründer, der vielseitige und über die Gemeindegrenzen hinweg beliebte „Hoaddoaktor“, starb am 10. April 1910.

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