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Holzkirchner Nachwuchsband Down&Out

Da ist Musik drin

Von Daniela Otto

Rock’n Roll made in Holzkirchen: Die Newcomerband Down&Out begeisterte bereits letztes Jahr beim größten Bandcontest der Welt Emergenza. Zum Sieg hat es damals nicht gereicht, doch die Ambitionen auf eine Musikerkarriere sind groß. Die erste eigene Platte können die vier jungen Männer aus dem Landkreis schon in der Hand halten – sie entstand in einem Holzkirchner Tonstudio.

Domi, Momo, "Bandpapa" Martin und Lukas - bis auf den Schlagzeuger Christoffer ist die Bandfamilie komplett.
Domi, Momo, „Bandpapa“ Martin und Lukas – bis auf den Schlagzeuger Christoffer ist die Bandfamilie komplett.

Lukas Lerchl ist keine Rampensau. Eher ein stiller, in sich ruhender Typ. Aber er ist ein Vollblutmusiker, ein Rock’n Roller aus Leidenschaft. Er fährt Harley Davidson, trägt Cowboystiefel, spielt in vier Bands, hat über 30 Gitarren, ist ein von der Universität Berklee zertifizierter Gitarrist – und Holzkirchner. „Holzkirchen ist Heimat“, sagt der 22-Jährige. Und in dieser Heimat ist ordentlich Musik drin.

Der alte Mythos, dass Großes oft im Kleinen entsteht (man denke an all jene Computernerds, die aus ihren Garagen in die Chefetagen von Silicon Valley emporgestiegen sind), scheint sich für die Band Down&Out zu bewahrheiten. Von außen käme man nicht auf die Idee, in dem Reihenhaus, in dem Lukas mit seiner Familie wohnt, ein Tonstudio zu vermuten.

Ohne den Bandpapa geht nichts

Vielleicht müsste man aber auch einfach nur die Nachbarn fragen. Die dürfe man mit den Studioaufnahmen nicht überstrapazieren, scherzt Martin Lerchl, der nicht nur Lukas’ leiblicher Vater, sondern auch der „Bandpapa“ ist, wie ihn Christoffer Voigt (Schlagzeug), Dominik „Domi“ Oberwallner und Moritz „Momo“ Häußinger (beide Gitarre und Gesang) nennen. Denn ohne den Bandpapa wäre vieles nicht möglich gewesen.

Down&Out gibt es inzwischen seit drei Jahren. Christoffer, Domi und Momo kommen aus dem Tegernseer Tal. Dass Lukas dazugestoßen ist, war ein perfekt getimter Zufall. Er sei auf ihn und Momo zugekommen und habe gefragt, ob sie noch einen Bassisten suchten, erzählt Domi. „Er war die richtige Person, vom gleichen Schlag wie wir“, sagt er. Vom gleichen Schlag, das heißt ein Spaßvogel. „Manchmal sind wir zu spaßig“, meint Domi selbstkritisch.

Doch genau diese Freude ist bei den Musikern spürbar, sie trägt die Band zu ihrem Erfolg, den sie noch mit jener naiven Leichtigkeit genießen kann, die nur Nachwuchsbands umgibt. Down&Out ist unverbraucht, ohne Management, ohne festgezurrten Terminplan, ohne diktiertes Image – aber mit ehrlicher Leidenschaft für die Musik.

Die Musik soll „ehrlich sein“

Ehrlich soll sodann auch ihr „Produkt“ sein. „Früher war die Musik ehrlich, ohne Technik“, sagt Momo. Und auch Martin Lerchl pflichtet bei: „Die CD ist wirklich ehrlich aufgenommen.“ Das analoge Mischpult im Studio sei das Beste, das auf dem Markt erhältlich sei. „Das hat einen unglaublich tollen Sound.“

Das LM-Studio in Holzkirchen ist ein Raum, in dem man Musik atmen kann. Riesige schwarze Boxen auf dem Schreibtisch, E-Gitarren in der Ecke, Gitarrenkisten auf dem Regal, Mikrofone mittendrin und dann eben das soundgewaltige Mischpult – hier sammelt sich die Ausrüstung, sowohl für Liveauftritte als auch für Studioaufnahmen.

Das Holzkirchner Studio ist ein Raum, in dem man Musik atmen kann.
Das Holzkirchner Studio ist ein Raum, in dem man Musik atmen kann.

Für die Band ist das ein Glück. „Musik ist teuer“, sagt Momo. „Der Bandpapa hat uns immer ausgerüstet.“ Dabei entstand das Studio mehr oder weniger zufällig, ja organisch: „Angefangen hat das mit Jam-Sessions, für die wir ein Mischpult brauchten“, erzählt Lukas, der seinen Vater mit seiner Leidenschaft für Musik angesteckt hat. „Das Equipment hat sich über die Jahre angesammelt. Je größer die Auftritte wurden, desto mehr mussten wir nachrüsten“, sagt Martin Lerchl.

Der Bandcontest als große Chance

Der größte Erfolg der Band war bislang die Teilnahme am Emergenza Band Contest vor einem Jahr. Bei diesem Contest treten Newcomer-Bands aus der ganzen Welt gegeneinander an, können das erste Mal auf großen Bühnen stehen und vor Hunderten Fans ihre eigenen Songs präsentieren. Drei Runden haben Down&Out geschafft. Im Bayernentscheid sind sie dann ausgeschieden und durften nicht nach Berlin in den Bundesentscheid.

Für die oberbayerischen Vier waren die Auftritte vor großem Publikum trotzdem eine wichtige Erfahrung. „Das war richtig gut für die Bandgemeinschaft“, sagt Momo. Mit der Nervosität vor solchen Veranstaltungen geht jeder von ihnen anders um. Zwei Stunden davor sei er komplett müde, meint Momo. Kurz vor Betreten der Bühne steige dann die Aufregung. So geht es auch Domi. Nur Lukas bleibt ruhig. Lampenfieber? „Nö“, sagt er. „Der ist der Baum und chillt sich einen runter“, lacht Domi.

Als „Baum“ ist Lukas so etwas wie der Fels in der Brandung – mit seiner Ruhe setzt er einen ausgleichenden Gegenpol zu seinen impulsiven Kollegen. „Gesang ist nicht so meins“, sagt er, obwohl er eine gute Stimme hat, wie Momo und Domi betonen.

„Manchmal sind wir zu spaßig“: Lukas, Domi und Momo, drei Freunde vom gleichen Schlag.
„Manchmal sind wir zu spaßig“: Lukas, Domi und Momo, drei Freunde vom gleichen Schlag.

So sind es vor allem auch Momo und Domi, die von einer professionellen Musikkarriere träumen und sich auch Fernsehauftritte vorstellen können. Lukas hingegen ist vorsichtiger. In seinem derzeitigen Job habe er gute berufliche Perspektiven, sagt er. „Vermutlich würde es mir es auch keinen Spaß mehr machen, wenn ich mit der Musik meinen Lebensunterhalt verdienen müssen.“ Dennoch gibt er zu: „Wenn’s passieren würde, dann wäre es cool.“

Zum Erfolg sollen auch Lieder jenseits der Oberflächlichkeit beitragen. „Unsere Texte sind schon sinnvoll“, sagt Momo. Domi, der den Großteil der Songs schreibt, bewegen „Sachen, die in der Gesellschaft abgehen.“ Das Lied „How the world has changed“ reflektiere derartige soziale Veränderungen. „Das zersprungene iPhone ist heute das aufgeschlagene Knie von gestern“, sagt Domi. Die Welt dreht sich, heute weint man über andere Dinge als früher.

Sie alle sind sich einig, dass Musik unter die Haut gehen muss, um zu bewegen. Und wie erkennt man das eine, besondere Lied? „Man spürt das einfach“, sagt Lukas. Die Quintessenz ihres künstlerischen Schaffens sehen die Freunde derzeit in ihrem Lied „Back and Forth“. Nach ihrem ersten Album „finally“, an dem sie fast ein ganzes Jahr gearbeitet haben, soll so die nächste CD heißen. Darauf, dass auch diese in Holzkirchen entsteht, darf man wetten.

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