Bayernfreunde Tegernseer Tal: Vereinsleben in der Corona-Krise

Dägansäa wollen zurück in die Südkurve

Von Sabiene Hemkes

Der Fußball ist nicht schlechter in Pandemie-Zeiten, aber die Stimmung mies. So bringt es Basti von den Bayernfreunden auf den Punkt. Wir besuchten den Vorsitzenden des 400-Mitglieder-Vereins vor dem Champions League Achtelfinale. Was er wohl von der privilegierten Situation der millionenschweren Fußballer in der Corona-Krise hält? 

Basti Lechner vor den Vereinsschätzen

Seit einem Jahr steht das Fanleben der Bayernfreunde Tegernseer Tal zwar nicht still, doch alles ist anders. Trotz der erfolgreichsten Saison der Bayern mit sechs Titeln ist es ruhig. „Das ist ein wenig wie bei Liverpool“, sagt Basti Lechner, 1. Vorsitzende des Fanclubs. „Da werden die nach fast 30 Jahren Meister in der Premier League und keiner kann hin.“

Basti hat uns eingeladen. In die heiligen Hallen des FC Bayern Stüberls in Tegernsee. Ein Schmuckstück, das Stüberl. Und eine Hall of Fame des Fan-Vereins. Überall stehen Pokale, Bayernkissen dekorieren die Eckbank, gerahmte Trikots der Bayern, zum Teil signiert vom Team, hängen an den Wänden. Dazu die Match-Schals und die Bilder der Ehrenmitglieder, Thiago, Robben und Lahm. Große Schätze für jeden Fan.

Vereinsheim der Extraklasse

Gestern noch habe er das Stüberl umdekoriert, da lange niemand mehr auf den zwei großen Bildschirmen die Spiele der Bayern verfolgt habe. „Das fehlt wirklich, mit den Kumpels die Spiele zu schauen“ erzählt Basti. Bei den großen Spielen kämen in normalen Zeiten um die 25 bis 30 Leute vorbei.

Die Bayernfreunde Tegernseer Tal e.V., auch besser bekannt unter dem Namen “Dägansäa“, haben sich 2008 gegründet. Im Verein sind zirka 400 Bayern-Fans organisiert. Wobei die wenigsten aktive Stüberl-Besucher seien, erklärt der Vorsitzende. Einige seien vor allem dabei, da es leichter sei, an Tickets zu kommen. Denn wie in der Liga üblich, werden die organisierten Fans bei der Ticketvergabe bevorzugt behandelt.

FC Bayern Stüberl in Tegernsee – ein Ort voller schöner Erinnerungen

Doch Tickets gibt’s momentan auch keine. „Fußball ist schon anders geworden“, sagt der Bayern-Fan, der im letzten Sommer sein Fußball- und Management-Studium in München abgeschlossen hat. Weil die Bundesligavereine im Moment allerdings einen Einstellungsstopp haben, überbrückt der Gmunder die Zeit mit einer Anstellung im Impfzentrum in Wolfratshausen.

“Vereine reisen und wir sitzen allein vor’m Fernseher”

Basti hat in diesem Zusammenhang eine klare Meinung zur privilegierten Situation des Profi-Fußballs während der Pandemie: Als Fan finde er es klasse, dass man weiterhin die Bayern im TV verfolgen könne. „Wenigsten das! Doch natürlich sehe auch ich es mit Befremden, wenn eine britische und eine portugiesische Mannschaft ein UEFA-Cup Spiel in einem leeren Stadion in Turin austragen.“

Da gehe es halt in erster Linie ums Geld. Doch daran hätten sich die Fans längst gewöhnen müssen. „Die Vereine reisen und wir sitzen allein Zuhause vor dem Fernseher“, fügt Basti leicht resigniert hinzu. Doch beim Thema Impfen hört der Spaß für ihn auf:

Ich halte nichts davon, den Vereinen darüber hinaus noch weitere Privilegien zuzugestehen. Wenn sie bei der Impfkampagne mit gutem Beispiel vorangehen wollen, finde ich es großartig. Für mich heißt das aber, geduldig zu warten, bis man dran ist. Das hätte Vorbildcharakter in meinen Augen.

Die aktuelle Häufung der Corona-Fälle im Bayernkader hält er allerdings für Zufall. „Bisher hatten wir in München gar keine positiven Fälle. Eine Häufung von Corona Erkrankungen habe es zum Beispiel bei Hoffenheim oder Werder früher in der Saison auch gegeben“, erklärt uns der angehende Fußballmanager.

Gerade in der Corona Blase des Bundesliga-Hygieneplans seien Ansteckungen, einmal hineingetragen, kaum zu vermeiden. Den Vorschlag, nur noch geimpften Zuschauern den so vermissten Stadionzugang zu gewähren, hält der 1. Vorsitzende der Bayernfreunde dahingegen für absoluten Blödsinn. Zumal sich das praktisch gar nicht realisieren lasse.

Wann gehts zurück in FC Bayern Stüberl?

Vor der neuen Saison rechnet keiner bei den Bayernfreunden damit, wieder in der Südkurve oder einem anderen Platz in der Allianz Arena zu sein. Was man Basti aber deutlich anmerkt, neben der Sehnsucht wieder Bundesligafußball mit Freunden zu erleben – ob nun im Bayern Stüberl in Tegernsee oder im Stadion – ist die Lust darauf, endlich wieder selbst zu spielen.

Im normalen Leben trainiert der Fußballverrückte aus Gmund eine U17 Mannschaft in Holzkirchen und läuft selbst für den FC Real Kreuth auf. Ein besonderer Verein für ihn. Wenn Basti von ihm erzählt, scheinen seine Augen fast noch mehr zu strahlen als bei seinem Herzensverein, dem FC Bayern München. „Wir laufen mit der Vereinshymne von Real Madrid auf und haben unser eigenes Waldfest.“

Wie es mit den Veranstaltungen und Ligen in der Saison 2021/22 weitergeht steht noch in den Sternen. Klar ist aber, dass alle Fußballer und Fußballerinnen im Tegernseer Tal sehnlichst auf den Neustart warten.

Ein schweres Spiel wirds heut

Zum Schluss wollten wir noch von Basti wissen, ob er denn dem heutigen Spiel im Champions League Achtelfinale entgegenfiebere wie in den vergangenen Jahren: „Sagen wir mal – Ja! Ich werde heute wie immer im Bayern Trikot vor dem Fernseher sitzen und hoffen, wir gewinnen – wird schwer genug!“

Wer ein Abo bei SKY hat, kann das Spiel Lazio Rom gegen Bayern München im Stadio Olimpico heute ab 20:50 Uhr live verfolgen. Ansonsten bleibt nur das gute alte Radio und allerlei Live-Ticker.


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