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Stimmen zur schwierigen Weihnachtszeit für die Einzelhändler im Landkreis

„Das Christkind hat im Internet eingekauft“

Von Sabiene Hemkes

Im letzten Jahr ging ab Mitte Dezember im bundesdeutschen Einzelhandel fast gar nichts mehr. Der Lockdown schloss die Geschäfte auch bei uns im Tal. Kreative Lösungen wurden geboren: vom Bring-Service bis hin zur Abholstation. Wie lief das 2G Geschäft 2021?

Wie lief der Dezember für die Einzelhändler im Tal?

Wenn heute Abend die Einzelhändler in Miesbach, Holzkirchen oder Rottach ihre Türen schließen, ist das Weihnachtsgeschäft für das Jahr 2021 endgültig vorbei. Wieder wurde den stationären Händlern im Tal einiges an Organisationstalent und Nerven abverlangt.

Mussten sie im Vorjahr noch vor den letzten beiden heißen Verkaufswochen ihre Läden im Lockdown verschließen, blieb ihnen das zwar 2021 erspart. Doch nun hieß es, – es kommt nur rein, wer genesen oder geimpft ist. Selektion im Eingangsbereich. Und im Miesbacher Kreis schließt das eine Menge Kaufwillige aus.

Gesamtumsatzvolumen 93 Millionen Euro

Im Landkreis Miesbach wurden zirka 93 Millionen Euro in den Monaten November und Dezember im Weihnachtsgeschäft umgesetzt, erläutert Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverband Bayern e.V. für den Bezirk Oberbayern. Das sei zwar nur eine vorläufige Zahl aber schon aussagekräftig. Betrachte man rein die Umsatzzahlen für den Landkreis Miesbach, dann sei der Umsatz nur geringfügig niedriger als 2019. Doch dann wird Uhlmann deutlich:

Von den 93 Millionen Euro, die 2021 im Kreis Miesbach umgesetzt wurden, entfallen allein 15 Millionen auf den Internethandel. Das bedeute eine Steigerung zu 2019 um 20 Prozent.

Damit, so Uhlmann weiter, habe der stationäre Einzelhandel im Kreis Miesbach de facto einen Umsatzrückgang zwischen 30 und 40 Prozent zu den Vorjahren hinzunehmen. „Eine Katastrophe! Dieses Jahr hat das Christkind im Internet eingekauft“, kommentiert der Pressesprecher der HABE bitter.

Pandemie und 2G Grund für dramatischen Umsatzeinbruch

Den drastischen Rückgang führt Uhlmann auf die pandemiebedingten 2G Beschränkungen im Einzelhandel zurück. Wer nicht genesen oder geimpft gewesen sei, habe halt im Internet eingekauft. Andere Kunden, die zwar die 2G Regel erfüllten, seien aus Sorge vor einer Ansteckung auf die online Bestellung für Weihnachten ausgewichen.

Die stationären Einzelhändler, nicht nur hier im Landkreis, bewegen sich nach zwei Jahren Pandemie am Limit. „Und nun kommt noch Omikron mit großen Schritten. Einen erneuten Lockdown würden viele kleinere Händler nur schwer verkraften“, ergänzt Uhlmann.

Dank an die tollen treuen Kunden in Rottach-Egern

In der Buchhandlung Kolmansberger in Rottach-Egern scheint man weniger betroffen von dem Umsatzrückgang zu sein. Wobei man bedenken muss, dass Buchhandlungen schon seit langer Zeit zu den systemrelevanten Unternehmungen gezählt werden und Zugangsbeschränkungen nur in der Masken- und Abstandspflicht bestehen. Dazu der Betreiber Hubert von Scheven:

Ich kann dazu sagen, dass wir in Anbetracht der Umstände zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft sind. Aber dafür waren unsere Stammkunden einfach ganz großartig. Dafür möchten wir uns besonders bedanken.

Der Umsatz sei auch in der Buchhandlung im Vergleich zu den Vorjahren geringer ausgefallen, bestätigt von Scheven. Besonders der Ausfall der Weihnachtsmärkte und Veranstaltungen haben sich negativ auf den Verkauf ausgewirkt. „Es fehlten einfach die Tagesbesucher und Urlauber“, erklärt der Buchhändler. Dafür habe sich aber allgemein das Weihnachtsgeschäft entzerrt. Der Start für den Weihnachtseinkauf sei schon im November gewesen.

In Miesbach bleibt ein OK unter dem Strich stehen

Auch in Miesbach, der Kreisstadt, hatten die Geschäfte mit der 2G Regel zu kämpfen im Wintergeschäft. „Sagen wir mal so, – wir sind hier in Miesbach halbwegs zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft. Aber auch nicht mehr als OK“, berichtet Florian Brunner, Vorsitzender der Gemeinschaftswerbung Kreisstadt Miesbach (GWM).

„Natürlich war es nicht einfach, aber immerhin konnten wir in diesem Jahr die Läden öffnen“, ergänzt Brunner. Sorge macht dem ehrenamtlichen Vorsitzenden der GWM aber, dass die große Unsicherheit einfach nicht weiche. Nun stehe schon mit Omikron die nächste Welle vor der Tür.

Gmunder Bergsportler zeigen sich ganz zufrieden

Ein ganz ähnliches Fazit zieht auch Nina Munz von der Bergzeit GmbH in Otterfing, für den Bergzeit-Sportshop in Gmund:

Wenn das Wetter mal schlechter war, hatten wir einen ganz guten Betrieb in Gmund. Eigentlich sind wir zufrieden mit dem erreichten Umsatz.

Es habe sich auch nicht negativ auf das Geschäft ausgewirkt, das man trotz der Freigabe für den Bekleidungshandel weiterhin bei der 2G Beschränkung geblieben sei, betont Munz. „Eine Umstellung hat bei den räumlichen Vorgaben keinen Sinn für uns gemacht.“

Resthoffnung beim HBE

Und am Ende zeigt auch Ohlmann, der für seinen Verband einen „katastrophalen Umsatzrückgang“ bilanzierte, noch ein wenig Hoffnung auf das „aktuell sehr gut laufende Nachweihnachtsgeschäft“. Diese Zeit nach Weihnachten bis zu den Heiligen Drei Königen sei für den stationären Einzelhandel sehr wichtig geworden. Der Verbandsmann räumt bei der Gelegenheit auch gleich mal einen weit verbreiteten Mythos aus dem Weg:

Viele Menschen denken, dass die Geschäfte und Einkaufscenter nach Weihnachten so voll sind, da alle Menschen ihre Geschenke wieder umtauschen wollen. Das ist aber nicht richtig. Nur etwa 5 % der gekauften Waren werden wieder zurückgegeben.

Vielmehr sei es inzwischen so, dass zirka 25 Prozent aller Geschenke, die die Deutschen unter den Baum legen, inzwischen aus Bargeld oder Gutscheinen bestehen, so der Pressesprecher weiter. „Und deshalb sind gerade auch bei dem schlechten Wetter und den fehlenden Alternativen die Menschen in den Geschäften unterwegs. Das sei eine herausfordernde Zeit für den Einzelhandel, aber eben sehr wichtig für den Gesamtumsatz in der Weihnachtszeit, ergänzt Uhlmann


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