Kommunalunternehmen ersetzt private Kioskbetreiber
Das Defizit im Nacken

von Marius Mestermann

Der Rauswurf der privaten Kiosk-Betreiber aus zwei Holzkirchner Schulen hat viele überrascht. Doch die Verantwortlichen lassen sich von den negativen Reaktionen nicht beirren: Die Frischeküche wird den Pausenverkauf übernehmen. Das Motiv dahinter ist eindeutig.

Anpacken, damit die Frischeküche ein Erfolg wird: Geschäftsführerin Eva-Maria Schmitz (r.) nimmt mit dem Kommunalunternehmen Kioskverkäufe an zwei Holzkirchner Schulen in Angriff.
Anpacken, damit die Frischeküche ein Erfolg wird: Geschäftsführerin Eva-Maria Schmitz (r.) nimmt mit dem Kommunalunternehmen die Kioskverkäufe an zwei Holzkirchner Schulen in Angriff.

Die Frischeküche ist schon seit längerem ein Sorgenkind im Landkreis. Nicht, weil das Essen schlecht ist oder ungesund, sondern weil sich das große Defizit des Kommunalunternehmens nur mühsam bekämpfen lässt. Die Verantwortlichen haben daher zwei Gegenmaßnahmen aufgestellt: Einerseits wurde die geografische Begrenzung gelockert, die Frischeküche darf nun auch Einrichtungen außerhalb des Landkreises versorgen.

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Als zweiten Schritt verkündete der Holzkirchner Bürgermeister Olaf von Löwis im vergangenen Jahr, dass man auch einen Kioskbetrieb einrichten wolle. Das ist nun Realität geworden: Anfang der Woche gab das Landratsamt bekannt, dass die FrischeKüche den Pausenverkauf im Holzkirchner Gymnasium und der Realschule übernimmt. Die Behörde hat auf Wunsch des Verwaltungsrats die Verträge gekündigt.

Die bisherigen Betreiber zeigten sich äußerst überrascht. Doch für Eva-Maria Schmitz, Geschäftsführerin der Frischeküche, ist die Sache klar: Es ist deutlich praktischer, Pausenverkauf und Mittagessen aus einer Hand anzubieten.

Wir haben ein eigenes Tochterunternehmen, das diese Versorgung übernehmen kann. Bislang hatten wir aber bei beiden Schulen zwei Anbieter unter einem Dach.

Zudem habe es in der Vergangenheit die ein oder andere Komplikation gegeben: Beide Kioskbetriebe verkauften entgegen eindeutiger Absprachen auch warme Speisen. Die Behauptung von Sabine Weber – „wir schmeißen wöchentlich 240 Liter Essensreste der Frischeküche weg“ – ergibt für Schmitz zudem keinen Sinn – seit dem letzten Jahr kümmert sich die Cateringfirma Dorfner um die Essensausgabe der Frischeküche.

Um die Wogen zu glätten, schlägt Schmitz vor, dass man sich mit den Betreibern noch einmal zusammensetzt, insbesondere mit Simone Hässler und Manuela Thoma vom Kioskbetrieb der Realschule, da es dort auch um eine private Situation gehe. Eine weitere Zusammenarbeit sei hier nicht ausgeschlossen.

Das bestätigt auch Olaf von Löwis: “Unsere Absicht ist keinesfalls, irgendeiner armen Kioskbetreiberin die Existenz zu rauben, um Gottes Willen!” Anders sehe es mit dem „Webers Brotzeitservice“ aus, so Schmitz – der Caterer habe noch rund 120 andere Unternehmen als Kunden, sodass der Verlust des Kioskverkaufs weniger ins Gewicht falle.

Simone Häusler und Aushilfe Manou Hämmerle in
Simone Hässler und Aushilfe Manou Hämmerle in “ihrem” Kiosk an der Holzkirchner Realschule – was ändert sich durch den Einstieg der Frischeküche?

Kritik äußert Schmitz derweil am Landratsamt – die Behörde hätte sich früher bei den Betreibern melden müssen, um sie vom Ende der Kooperation in Kenntnis zu setzen. Gerhard Brandl, Pressesprecher des Landratsamts, hat dafür kein Verständnis: „Bei Vertragsabschluss war klar, dass es nach einem Jahr wieder vorbei sein kann. Und durch die Kündigungsfrist musste der Schritt eben jetzt erfolgen.“ Dies sei im Vorhinein auch so kommuniziert worden.

Das Defizit im Nacken

Dementsprechend ändern auch die vielen negativen Reaktionen auf die Ausweitung der Frischeküche nichts an der Entscheidung: „Klar dass es immer Kritik gibt und der ein oder andere etwas dagegen hat“, meint Brandl. Landrat Wolfgang Rzehak hatte bereits erklärt, dass sich die Entscheidung des Verwaltungsrats der Frischeküche nicht gegen die bisherigen Betreiber richte, sondern als Stärkung der Frischeküche gedacht sei. Das ist angesichts des zu bewältigenden Defizits nicht besonders überraschend – das Kommunalunternehmen braucht weitere Einkünfte.

Aktuell liegt das Minus bei rund 400.000 Euro – im Vergleich zum Vorjahr sogar eine Steigerung. Olaf von Löwis erinnert jedoch daran, dass man dem Kommunalunternehmen in den ersten Jahren Zeit geben müsse. Das Wachstum des Defizits sei auf einige Umbauarbeiten und Anpassungen zurückzuführen. Auch Gerhard Brandl bestätigt, dass die wesentliche Motivation hinter der Kioskoffensive im Finanziellen liege: „Grundsätzlich ist es natürlich weiterhin unser Plan, das Defizit zu reduzieren.“ Ob die Übernahme der Kioske jedoch direkt dazu beitrage sei fraglich – schließlich dürften durch die Neuorganisation des Pausenverkaufs auch noch einmal Aufwendungen anfallen.

Doch auch wenn sich die Übernahme der Kioskverkäufe nicht gleich rechnet – die Verantwortlichen sind überzeugt, dass es besser ist, die Verpflegung aus einer Hand zu liefern. Eine zusätzliche Ausweitung der Frischeküche-Aktivitäten mit neuen Lieferverträgen ist laut Eva-Maria Schmitz derzeit allerdings nicht geplant.

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